Biber
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Der Biber
im Naturschutzgebiet "Grubenfelder Leonie"

Seit ein Paar Jahren hat sich "Meister Bokert", der Biber, im Naturschutzgebiet "Grubenfelder Leonie" angesiedelt. Sein Revier ist vom Fußweg zwischen Auerbach und Degelsdorf aus gut zu sehen. Er selber aber ist recht schwer zu beobachten, da er ein sehr scheues Tier ist, das meistens nur nachts und in der Dämmerung aktiv wird. Als besondere Eigenschaft wird ihm Arbeitswütigkeit zugesprochen.

Zoologische Einordnung
Biber gehören zur Klasse der Säugetiere (Mammalia), zur Unterklasse höhere Säugetiere (Eutheria) und zur Ordnung der Nagetiere (Rodentia). Ihre Familie besteht aus einer einzigen Gattung, nämlich Castor. Diese teilt sich in zwei Arten auf: den Europäischen Biber (castor fiber) und den Kanadischen Biber (castor canadensis).

Castor
kommt vom lateinischen Wort
 castrare, welches Schneiden
bedeutet; Castor ist also
der „Schneider“, womit sicherlich
auf die Nagekünste des Tieres
angespielt wird. Der Biber
verwendet beim Abholzen
eine "Sanduhrtechnik":
ein Stamm wird in Form
einer Sanduhr benagt,
bis der Baum schließlich fällt.

Je nach Härte des Holzes
 kann ein Biber
in einer Nacht
einen bis zu 50 cm und mehr
dicken Baum fällen.
Diese Eiche hier
hat er schon probiert.

Körperbau und Aussehen
Biber können bis zu 1,40 m lang, bis 35 kg schwer und bis zu 20 Jahre alt werden.

Das auffälligste Merkmal des Bibers ist wohl seine Kelle, wie der 30 bis 40 cm lange, breit abgeflachte und beschuppte Schwanz genannt wird. Diese Kelle ist ein wahres Multifunktionsorgan: sie dient beim Schwimmen zur Steuerung und unterstützt den Vortrieb, sie ist ein  Fettspeicher für die karge Winterszeit, sie stützt den sitzenden Biber, sie dient der Alarmierung von Familiengenossen und hilft bei der Temperaturregulierung.

Das Fell des Bibers ist
mit bis zu 23.000 Haaren pro cm²
(Mensch: ca. 600 pro cm²)
sehr dicht und schützt
vor Nässe und Auskühlung.
Der Pelz wird regelmäßig
mit der "Putzkralle" gereinigt
und mit einem fetthaltigen Sekret,
dem Bibergeil (Castoreum), gepflegt.

"Wenn er sich zur Fellpflege an Land begibt, dann stets im Uferbereich und mit dem dem Schwanz im Wasser, so daß jederzeit die Flucht in das nasse Element möglich ist." (Dr. Rainer Zelinski; auch Foto oben)

Fortbewegung
Mit seinem spindelförmigen Körper, dem breiten Schwanz und den Schwimmhäuten ist das Tier perfekt an das Leben im Wasser angepasst. In diesem Element bewegen sich Biber hauptsächlich mit Hilfe ihrer Hinterfüße, die mit Schwimmhäuten versehen sind, fort. Vorder- und Hinterfüße besitzen kräftige Krallen, wobei die Vorderfüße geschickte Greifhände zum Halten und Drehen von Zweigen beim Abnagen bilden. An den Hinterfüßen ist eine dieser Krallen als Doppelkralle ausgebildet: die "Putzkralle", die der Biber gleichsam als Kamm bei der Fellpflege benutzt.
Beim Tauchen werden die Vorderfüße eng an den Körper angelegt und Nase und Ohren verschlossen; so können Biber bis zu 20 Minuten tauchen.

Ernährung
Biber sind reine Pflanzenfresser und haben ein typisches Nagergebiss mit insgesamt 20 Zähnen. Im Ober und Unterkiefer sitzen die kräftigen, tief im Kiefer verankerten Schneidezähne. Sie sind wurzellos und wachsen ständig nach. Die Vorderseite der Schneidezähne besteht aus einer schmalen härteren Schmelzschicht, der breitere hintere Teil aus weicherem Material. Wegen ihrer unterschiedlichen Härte nutzen sich die beiden Schichten verschieden stark ab. Dadurch sind diese zweischichtigen Schneidezähne ständig scharf. Die für das Fällen von Bäumen notwendige Beißkraft liefert die stark ausgeprägte Kiefermuskulatur.

In den Sommermonaten
ernährt sich
der große Nager
vor allem von Sumpf- und
Wasserpflanzen, Blättern,
Zweigen, Schösslingen,
frischer Baumrinde
und wie man sieht
jungen Bäumchen.

Kleinere Pflanzen
frisst der Biber auch am Ufer,
größere Pflanzen (z.B. Mais)
und abgebissene Äste und Zweige
der gefällten Bäume
zieht er  ins Wasser
und frisst sie dann
an einer geschützten Stelle.

Ein erwachsener Biber braucht etwa ein Kilo pflanzliche Nahrung am Tag.

Fortpflanzung
Im Alter von zweieinhalb bis vier Jahren werden die jungen Biber geschlechtsreif. Sie sind monogame Tiere, bleiben also ein Leben lang mit demselben Partner zusammen.

Die Biber paaren sich im Winter, vor allem im Januar und Februar, im Wasser. Nach 105 bis 109 Tagen kommen zwischen April und Juni  zwei bis vier Junge mit einem Geburtsgewicht zwischen 500 und 700 Gramm zur Welt. Bei ihrer Geburt sind die kleinen Biber schon recht weit entwickelt. So können sie bereits sehen und sind behaart. Sie werden von ihrer Mutter etwa 6-8 Wochen gesäugt.
Im Alter von einem Monat können sie dann schwimmen und sich ihre eigene Nahrung beschaffen.

Biberdämme
Biber sind für ihre Dammbauten bekannt, mit denen sie Bäche aufstauen und so aus einem fließenden Gewässer ein mehr oder weniger stehendes schaffen. So legen sie quasi künstliche Teiche an.
Im NSG "Grubenfelder Leonie" hat der Biber den Speckbach zwischen der ehemaligen Pfannmühle und der Neumühle gestaut.

Diese Regulierung
eines fließenden Gewässers
gibt den Bibern
einen sicheren Wasserstand
um ihre Burg.
Gleichzeitig wachsen
dann im "Teich"
Wasserpflanzen,
die dem Biber
als Nahrung dienen.

Neben
dem oben abgebildeten
"Hauptdamm"
legt der Biber
bachabwärts
Richtung Neumühle
weitere Dämme an.

Die Biberburg
besteht aus abgenagten Ästen, Zweigen und Schlamm. Hier ist sie vollständig von Wasser umgeben.

Der Eingang zur Biberburg liegt völlig unter Wasser, der eigentliche Wohnkessel aber über der Wasseroberfläche. Die Biber können so ungesehen aus- und eingehen bzw. -schwimmen.

Die Wohnkessel haben einen Durchmesser von etwa 1 m und eine Höhe von 30-40cm. Der Boden des Wohnkessels wird mir Holzspänen bedeckt. Die Burgen werden regelmäßig instand gehalten und ausgebessert. Alte Biberburgen können über 10 m Breite sein und  mehrere Eingänge und Wohnkessel haben.
Direkt vor dem Eingang der Burg deponieren die Biber im Herbst Zweige und Äste. Wenn dann die Teichoberfläche gefriert, kann der Nager die zwischengelagerten Äste unter dem Eis erreichen und sich von der Rinde ernähren. Biber halten nämlich keinen Winterschlaf sondern nur eine Winterruhe, bei der ihre Aktivität stark zurückgefahren wird.

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Die Kommunikation miteinander erfolgt bei den Bibern über Duftsignale und Töne. Lautes Aufschlagen mit der Kelle auf das Wasser dient dem Biber als Warnsignal für seine Artgenossen.
Beim Schwimmen ragt nur der Kopf des Bibers aus dem Wasser. Dies ist ein wichtiges Erkennungsmerkmal zur Unterscheidung von Bisam und Nutria, bei denen Kopf und Rücken aus dem Wasser ragen.
Im Mittelalter erfuhr der Biber eine starke Dezimierung, indem er aufgrund seines schuppigen Schwanzes zum Fisch erklärt wurde. So konnte in der Fastenzeit legal sein Fleisch gegessen werden. 

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) als Eigentümer des gesamten Areals bietet immer wieder qualifizierte Führungen durch das Naturschutzgebiet "Grubenfelder Leonie" an. (Tel. 09154 946684)

Georg Friedrich Händel (1685-1759)
Menuett aus Wassermusik

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 27. April 2009

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