Während dieser Brunnen als
„Kunstwerk mit viel Technik“ insbesondere der Verschönerung dient, hatten
in vergangenen Jahrhunderten die Brunnen auch in der Stadt Auerbach die
ungeheuer wichtige Aufgabe, den Menschen gutes und ausreichendes Trinkwasser zu
liefern.
Bis vor gut 100 Jahren bildeten mehrere Brunnen einen großen Teil der
Wasserversorgung von Auerbach.

Wasser
vom Zogenreuther Berg
Seit dem Jahr 1551 lief das am Zogenreuther Berg in fast 500 m Höhe aus
mehreren Quellen sprudelnde Wasser im Gebiet
Kessel im freien Gefälle in die Stadt Auerbach
herein. Der obere Marktplatz hat übrigens eine Meereshöhe von + 435 m NN.

Gespeist
von dieser Wasserleitung aus Holz waren zunächst nur die öffentlichen Brunnen, die Tag
und Nacht liefen.
Hauswasserleitungen
gab es ja bis zu Beginn
des 20. Jahrhunderts nicht. Erst ab dem Jahr 1897 wurden in Auerbach auch die
einzelnen Häuser angeschlossen.
Die Bewohner der Innenstadt
versorgten sich bis dahin mit Trink-
und Brauchwasser aus den vier Lauf- oder Röhrenbrunnen, deren Standorte
in dieser Skizze eingezeichnet sind.
Die Bewohner außerhalb der
Stadtmauer mussten sich anderweitig mit dem
lebensnotwendigen Nass versorgen.
z.B. nutzte die ganze Untere Vorstadt früher den Spitalbrunnen.
Josef Köstler schreibt über das Ende desselben: "Als
Anhang will ich erzählen, wann u. warum der Spitalsbrunnen einging. - Neben dem
Eingang in den Schulgarten (Anm.: hinter dem Bürgerspital war ein sog.
Schulgarten) war ein Ziehbrunnen, der sehr tief und mindestens 500 Jahre
alt war. Dieser Brunnen versah die ganze untere Vorstadt mit Trinkwasser.
Am Himmelfahrtstag d. J: 1879 (Anm.: Donnerstag, 22. Mai 1879) nachmittags war
ich, Lehrer Köstler, im Schulgarten u. da mein kleines Töchterlein zu trinken
verlangte, wollte ich am Brunnen Wasser holen. Es gelang mir aber nicht den
Eimer heraufzuziehen; der Eimer schien unten von einer geheimnisvollen Hand
festgehalten zu werden. Erst als der Spitalhausmeister Neubig mithalf,
gelang es nach längerem Bemühen, den Eimer heraufzubringen. Aber zu unserem
Entsetzen hing am Eimer der Leichnam eines ertrunkenen Soldaten, eines königl.
bayr. Infanteristen. Es war der Botensohn Georg Trenz HsNr 288 (Anm.:
heute Obere Vorstadt 27) v. Auerbach, der sich am Stephanstag (Anm.: 26.
Dezember) des vorhergehenden Jahres aus Alteration (Anm.: geistige
Verwirrung) in den Brunnen gestürzt hatte u. also etwa 21 Wochen im Wasser lag.
Der Leichenfund erregte großen Auflauf u. wer von dem Brunnenwasser getrunken
hatte, empfand tiefen Ekel; viele mussten sich erbrechen, manche wurden
ernsthaft krank. Die Spitalpfründner aber benützten die Gunst des Augenblicks u.
holten sich aus der Apotheke zur Kur ganze Flaschen voll Spirituosen. - Der
Brunnen aber wurde von Polizei geschlossen u. nicht mehr geöffnet. Seit 1897
wurde er ganz u. gar zugeschüttet und zu einem Waschhaus umgestaltet.“ (Köstler
Band V, Seite 402f)

Das 1948 bezogene Caritasheim (heute
St. Hedwig), sowie rechts das
Bürgerspital Auerbach mit der um 1900 über dem uralten
Spitalbrunnen erbauten Waschküche im früheren Schulgarten.
Dazwischen spitzt das Türmchen der Spitalkirche
St. Katharina heraus.

