Trinkwasser
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Hohe Investitionen
der N-Ergie Nürnberg
in die Trinkwasseranlage Ranna
(Sept. 2016: NN, SRZ)

100 Jahre
Trinkwasser aus Ranna

Seit dem 18. Juli 1912, also seit über 100 Jahren, bezieht die Stadt Nürnberg einen großen Teil ihres Trinkwassers - pro Sekunde sind es rund 450 Liter - aus Ranna. In einer ca. 45 km langen Leitung fließt das kostbare Nass ohne jeglichen Einsatz von Pumpen im freien Gefälle aus dem "Dreiländereck" Mittelfranken, Oberfranken und Oberpfalz in die Frankenmetropole, die damit rund 40 % ihres Trinkwasserbedarfs deckt. Seit 1981 bezieht auch die Stadt Auerbach ihr Wasser aus Ranna.

Zum Jubiläum informierte die Ausstellung
100 Jahre Ranna - Trinkwasser für Nürnberg

Die Vorarbeiten
Bedingt durch die steigende Einwohnerzahl - von ca. 25.000 im Jahre 1810 war die Bevölkerung Nürnbergs auf ca. 230.000 anno 1899 angewachsen - und den allgemein höheren Wasserverbrauch - am 1. Juni 1901 waren es z.B. 29.400 m³ -  (1, Seite 236) beschloss die Stadt Nürnberg Anfang Dezember 1900 den weiteren Ausbau ihrer Wasserversorgung.
"Die Untersuchungen bei Ranna zeigten fortgesetzt günstige Ergebnisse in chemischer und bakteriologischer Beziehung, sowie hinsichtlich der Wassermengen. Die mittlere Ergiebigkeit der drei Quellen (Haselhofquelle mit 233, Felsenquelle mit 7 und Franzenweiherquelle mit 10 Sekundenlitern) wurde zu 250 Sekundenliter festgestellt. (1, Seite 237) Ein Gutachten vom 24.7.1903 gipfelte in der Feststellung: "... Daraus geht hervor, daß das Wasser des Quellgebietes bei Haselhof in chemischer und bakteriologischer Hinsicht nicht nur vollkommen einwandfrei ist, sondern daß auch seine Beschaffenheit in Bezug auf Temperatur und Härte eine sehr gute genannt werden kann. Bei der Verwendung dieses Wassers für die Wasserversorgung Nürnbergs könnte die letztere keine bessere Erweiterung als vorgeschlagen erfahren." (1, Seite 238)

Bau der Wasserleitung
Bereits im Jahre 1902 hatte die Stadt Nürnberg mit dem Erwerb der benötigten Grundstücke begonnen. Dieser wurde nun, vor allem auch für die geplante Leitung, zügig fortgesetzt, teilweise auch über Zwangsenteignungsverfahren.

Vor dem eigentlichen Baubeginn der Quellfassung und der Leitung nach Nürnberg mussten neben der Planung auch umfangreiche und teilweise recht schwierige Verhandlungen wegen der betroffenen Grundstücke geführt werden. Dieses Foto, eine alte Postkarte die 1912 anlässlich der Inbetriebnahme herausgegeben wurde, zeigt den Streckenabschnitt "Roter Fels" bei Rupprechtstegen. Die Bahnlinie (rechts) von Nürnberg nach Bayreuth durch das Pegnitztal war bereits am 15. Juli 1877 in Betrieb gegangen.

Die Arbeiten für den Bau der Quellfassung im Haselhofweiher begannen am 7. April 1905 mit dem Ausheben und Abtransportieren des Bodens für das Fassungsbecken mit einer Fläche von ca. 20.000 m².

Auf der Sohle des ausgehobenen Quellfassungsbeckens wurden zwei Rohrstränge für das Sammeln des Wassers eingebracht, die aus 900 mm lichten Zementröhren mit seitlichen Schlitzen bestanden. Das ganze Becken verfüllte man anschließend mit Dolomitsteinen, deren Größe von unten nach oben abnahm. Über sie oberste Feinschotterschicht  (2-6 cm Korngröße) wurde eine 30 cm hohe Sandschicht aufgebracht, die schließlich mit 20 cm Eisenbeton abgedeckt wurde. Darüber wiederum wurde noch 1,50 hoch Erdreich geschüttet.
Im Hintergrund ist das kurz darauf abgebrochene Haselhofanwesen zu erkennen. (Foto 2)

Ende des Jahres 1908 wurde mit dem Bau der Leitung begonnen. Die beiden folgenden Fotos zeigen die Errichtung des nördlichen (links) und des südlichen (rechts) Mundlochs des Stollens Gotthardt-Höllberg, die von beiden Seiten her gleichzeitig betrieben wurde.

Beim Bau dieses Stollens bei Lungsdorf durch das Dolomitgestein kamen die Arbeiten am Tag von beiden Seiten jeweils 0,72 m voran. Am 16. September 1909 erfolgte schließlich der Durchschlag. (Foto 2)

Ähnlich verlief auch die Errichtung der fünf anderen Bergdurchbrüche (Kugelberg zwischen Neuhaus und Rothenbruck, Haidenhübel bei Velden, Hufstätte bei Lungsdorf, Buchenberg-Wallstein zwischen Rupprechtstegen und Artelshofen und Viehberg bei Hersbruck): Große Teile des Vortriebs in den Fels mussten von den Männern in schwerer Handarbeit erledigt werden. (1, Seite 287; Foto 2)

Inbetriebnahme 1912
"Während das bei Ranna gefaßte Wasser schon im Jahre 1906 in die Pegnitz abgeleitet werden konnte, hat die betriebsfertige Herstellung der Zuleitungsanlagen von Ranna nach Nürnberg wesentlich längere Zeit in Anspruch genommen, was in erster Linie durch die Schwierigkeiten bei der Herstellung des Stollens Buchenberg veranlaßt wurde. Am 16. November 1911 ging man daran, den oberen Teil der Zuleitung von Ranna bis zum Stollen Buchenberg bei Rupprechtsstegen in Betrieb zu nehmen, wobei sich keine Störung ergab; das Wasser floß seitdem dort in die Pegnitz ab. Die Inbetriebnahme der ganzen Anlage und die Versorgung der Stadt mit Wasser von Ranna begann am 8. Juni 1912." (1, Seite 313)


(WW bedeutet Wasserwerk, HB Hochbehälter) (3, Seite 45)

"Rund 40.000 m³ bestes Trinkwasser kommen ohne Aufbereitung und ohne Energieeinsatz aus dem „Veldensteiner Forst“. Die 45 km lange Leitung aus dem Quellgebiet „Ranna“ … folgt seit 1912 mit sechs Dükern (Anm.: Ein Düker ist ein Kreuzungsbauwerk, mit dem innerhalb eines Rohrnetzes ein Hindernis unterfahren wird, z. B. ist  eine Flussunterquerung mit einer Rohrleitung ein Flussdüker.) und sechs bis zu 2,4 km langen Stollen weitgehend dem Lauf der Pegnitz und mündet in dem 75.000 m³ fassenden Hochbehälter „Haidberg“ am nördlichen Stadtrand. Ein Teil des Quellwassers wird auch in den oberhalb des Tiergartens gelegenen Speicher am „Schmausenbuck“ geleitet. Auf dem zentralen Hausberg der Nürnberger befinden sich seit 1918 drei Behälter mit einem Speichervolumen von insgesamt ca. 70.000 m². " (3, Seite 45)

"Eine deutschlandweit einmalige, geniale Anlage:
Bis Hersbruck fließt das Wasser mit einer Geschwindigkeit von 50 Zentimetern pro Sekunde in einem offenen Kanalsystem, das teilweise in Tunneln unter Bergen hindurchführt und mehrmals die Pegnitz unterquert. Erst hinter Hersbruck wird der hydrostatische Druck so groß, dass man das Wasser in einer 90 Zentimeter dicken Gusseisenleitung bändigen muss." (4, Seite 2)


"Eine schmale Wanne im mit Beton ausgekleideten Fels: so
sieht der Stollen Buchenberg-Wallenstein aus." (5, Seite 32)

"Etwa alle zwei bis drei Jahre steigen Mitarbeiter ... ins Schlauchboot und kontrollieren den Zustand des Bauwerkes - der Fels drumherum arbeitet schließlich manchmal. ... Der Stollen ist ausbetoniert ... In den Stollen ist eine Betonwanne eingelassen, in der das Wasser fließt. ... Wasser gibt es auch um den Stollen herum genug: Für dieses Bergwasser wurde ein zweiter, kleinerer Stollen angelegt, unterhalb des Trinkwasserkanals. Von dort wird es nach außen abgeleitet." (5, Seite 31 f)

Wasserschutzgebiet = Naturschutzgebiet
Natürlich hat es den unmittelbar Betroffenen sehr weh getan, als sie im Zuge der Errichtung und Ausweitung des Wasserschutzgebietes für die Ranna-Quellen z.B. ihre angestammten Heimatorte Fischstein, Rauhenstein usw. verlassen mussten oder die Felder nicht mehr in der bisher gewohnten Form bearbeitet werden durften.
Aber: "Ein riesiges Wasserschutzgebiet rund um die Pegnitz, das gleichzeitig auch Naturschutzgebiet ist, wird von n-ergie in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz betreut und ist unter anderem Reservat für seltene Wasservögel." (4, Seite 2) Auch als Naherholungsgebiet ist die erweiterte Wasserschutzzone von Bedeutung, insbesondere auch die Kammerweiher.

verwendete und weiterführende Quellen

1 Die Wasserversorgung der Stadt Nürnberg von der reichsstädtischen Zeit bis zur Gegenwart, Festschrift zur Eröffnung der Wasserleitung von Ranna, Nürnberg 1912
2 Hundert Jahre Ranna-Wasser in Nürnberg, Pressemitteilung der N-ERGIE vom 5.4.2005
3 Mohr, Ulrich, 150 Jahre öffentliche Trinkwasserversorgung in Nürnberg, in DWA Landesverband Bayern, Mitglieder - Rundbrief 2/2006, Seite 44 ff
4 Mohr, Harald, Wasser für die Frankenmetropole, in OWZ, Ausgabe AM-AS, 6./7. September 2006, Seite 1 f
5 Schwab, Dieter, Wasser für Nürnberg, in Nürnberg heute, Ausgabe 37/1984, Seite 31 ff
6 Einige Millionen Euro schlummern unter Rannas Erde, Artikel NN, 9. September 2016
7 Bis zu 164 Liter pro Sekunde, Artikel SRZ, 12. September 2016

Wassermusik von Georg Friedrich Händel (1685-1759)

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 12. September 2016

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