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Bader Der Beruf Bader ist seit dem Mittelalter bekannt. Einerseits waren Bader die „Ärzte der kleinen Leute“, die sich keinen Rat bei den studierten Ärzten leisten konnten. Andererseits waren sie aber bis ins 18. Jahrhundert wichtige Gehilfen der akademisch gebildeten Ärzteschaft (siehe Stellung und Rechte).(Quelle) Obwohl die Bader für das Wohlbefinden des mittelalterlichen Menschen eine ganz wichtige Rolle spielten, hat ihr Beruf, ähnlich wie der des Henkers oder Schinders (Abdeckers) lange Zeit als unehrlich gegolten.
(Aderlass in der Badstube, kolorierter Holzstich um 1500) "Im Gegensatz zum Barbier, der häufig etwas ganz ähnliches tat, nicht aber an seine Scherstube gebunden war, durfte der Bader seine Praxis ehemals nur in der Badstube ausüben. Doch entwickelte sich dieser Beruf in Ermangelung der alten Örtlichkeiten immer mehr zu einer Art ländlichem Volksarzt zweiter Klasse. Und wenn er geschickt war, macht er den ausgebildeten Wundärzten unliebsame Konkurrenz. Der Bader behandelt Brüche und Verrenkungen, kuriert Wunden und Geschwüre und schient die gebrochenen Glieder. Er setzt Schröpfköpfe und nimmt den Aderlaß vor, er besieht Aussätzige und Erschlagene und versorgt die Leichen." (Quelle)
Die Badstuben Es liegt sicher in der Natur des Menschen, seinen Körper zu reinigen. Wasser erkannten unsere Vorfahren schon früh als geeignetes Mittel dazu. "Der erste Mansch war - wenn wir voraussetzen, daß er überhaupt badete - auf die freie Natur ... angewiesen. Wenn auch in der Bibel mit keinem Wort erwähnt wird, daß Adam und Eva gebadet haben, können wir nach der Beschreibung des Garten Edens doch annehmen, daß er, von vier Flüssen begrenzt, einen herrlichen Badestrand geboten haben muß." (1, Seite 9)
Die Bäder oder Badstuben entstanden zur
Zeit der
Kreuzzüge etwa zwischen
1095 und dem 13. Jahrhundert. Sie wurden damals für eine
unentbehrliche Einrichtung des öffentlichen Lebens
gehalten. "Die Bewohner von Auerbach und Umgebung waren besonders stark
beteiligt am II. Kreuzzug anno 1147, am III. anno 1190 und am V. Zug anno 1217.
Fast jede Familie stellte zu diesen Zügen einen kampftüchtigen Mann, und wo kein
kriegstauglicher Vater oder Sohn vorhanden war, mietete man um teures Geld einen
Ersatzmann. Die Kreuzfahrer zogen frisch und gesund und mit hoher Begeisterung
fort und - sahen selten ihre Heimat wieder. Die Wenigen, die
zurückkehrten, waren sehr verzagt und kleinmütig, denn das Einzige, was sie
erobert hatten, waren ekelhafte ansteckende Krankheiten und lasterhafte
Lebensgewohnheiten. Der Aussatz wurde so häufig, daß
man fast in jeder größeren Ortschaft ein 'Leprosenhaus'
errichten mußte."
Dr. Schnelbögl, der ehemalige Direktor des Staatsarchivs Nürnberg schreibt in seiner Chronik von Auerbach u.a..: "Noch sei hier ein uraltes Gewerbe genannt, welches einstmals unentbehrlich in der Stadt war und in der neueren Zeit seiner ursprünglichen Funktion enthoben wurde, das der Bader. In Auerbach wirkten seit dem Mittelalter zwei Bader. Ihre beiden Stuben lagen an der Bachgasse, sie benötigten ja für ihren Badebetrieb das daran vorbeilaufende frische Wasser. ... In den Badstuben wurde warmes Wasser verabreicht, man nahm aber auch Schwitzbäder, welche als ein vorzügliches Mittel gegen den Aussatz galten."(5, Seite 229)
"Einen Einblick in das Badewesen der damaligen Zeit gewähren die bekannten Bilder Männerbad und Frauenbad von Albrecht Dürer. In der Pfalz, also auch in Auerbach, gab es ursprünglich offenbar keine Trennung nach Geschlechtern. Erst 1636 verordnete die oberpfälzische Regierung, daß in den Bädern die Manns- und Weibspersonen nicht mehr beisammen geduldet werden, und daß jedes Geschlecht in abgesonderten Stuben oder zu verschiedenen Zeiten baden solle." (5, Seite 229)
"In Auerbach bestanden schon seit 1144 zwei Badstuben, welche beide in der
Bachgasse gelegen waren.
Die obere Badstube war für das I. und IV. Viertel der Stadt bestimmt und an der
Stadtmauer im Haus Nr. 197 (Anm.: heute Bachgasse 35) etabliert.
Die untere Badstube war im Haus Nr. 189 (Anm.: heute Bachgasse 21) und gehört
für das II. und III. Stadtviertel."
Beide Badstuben (Hausnummern 189, heute Bachgasse 21, und 197, heute
Bachgasse 35) lagen wie schon gesagt in der
Bachgasse.
Dort floss nämlich der Speckbach bis zur Kanalisierung derselben anno
1964 in einem offenen Gerinne entlang der Häuser zur Stadtseite hin.
"Die Badstuben waren ursprünglich Gemeindeanstalten und gingen bald in
Privatbesitz, bald wieder in Gemeindebesitz über. 1536 mußte z.B. jeder Bader
wöchentlich 36 Pf Zins für die Badstuben an die Stadtkammer bezahlen. In den Badehäusern, die heutigen Hygienevorstellungen bei weitem nicht entsprachen, wurden auch Tätigkeiten wie Zahnziehen, Haarschneiden, Rasur sowie kleinere chirurgische Eingriffe wie Aderlass und Schröpfen durchgeführt. Einblicke in die früheren Badstuben oder -häuser bieten auch die einschlägigen Museen, z.B. in Kulmbach, in Pommelsbrunn oder andernorts.
Das untere Bad in Auerbach
Hausnummer 189a und 190 im März 1953 (8, Seite 149)
Um 1700 ging beider Sohn Sebastian Wolf als Bader nach Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg. "Von 1699-1739 war Hans Michel Wolf unterer Bader
und seine Witwe, von 1739-1770 übernahm sein Sohn Johann Georg Wolf und
dann dessen Witwe Margareta das untere Bad. Sein Bruder Friedrich
Wolf gründet 1739 eine dritte Baderei, welche bis circa 1840 im Haus Nummer
260 (Anm.: heute Kirchstraße 5 beim Burtlerwolfl) bestand. Von 1771-1773 war Josef Anton Wolf unterer Bader, er
heiratete 1773 nach Haus Nr. 243 (heute Dr.-Heinrich-Stromer-Straße 11). Seine
Frau war die Witwe Margarete Neumüller, nach deren Tod 1815 heiratete
er die Metzgersmeistertochter Margaretha Merkl. Von 1798-1813 war Josef Wolf
Bürgermeister in Auerbach.
Er erwarb 1809 die städtische Ziegelhütte. Sein Sohn Michael Wolf,
Bader und Chirurg (geb.1775), führte von 1809-1851 die Baderei im Haus 243
(Anm.: heute Dr.-Heinrich-Stromer-Straße 11) weiter, von 1851-1873 seine Witwe
Margareta Wolf (geborene Schrembs) Von 1873-1909 war Josef Wolf Bader und
Leichenbeschauer für Auerbach, Gunzendorf, Ohrenbach, Göttersdorf und
Steinamwasser.
Der Vater Jakob Wolf, nämlich Godefried Wolf
(1785-1827) war bereits Landarzt in Auerbach.
Damit war die Familientradition
der Bader Wolf in Auerbach, die 1670 begonnen hatte, beendet. "Ein Zweig der Familie Wolf (vermutlich ab ca. 1700) führte
das Handwerk der Baderei bis in die 60er Jahre des 20.JH in Neukirchen b.
Sulzbach und darüberhinaus bis heute als Ärzte und Zahnärzte in Neukirchen und
Sulzbach weiter.
"Seit alter Zeit waren die
Bader nebenbei auf dem Gebiete der Heilkunde tätig und waren
damit dem amtierenden Stadtarzt jahrhundertelang ebenso lästige Konkurrenten wie
der ortsansässige Apotheker und - der Stadtflurer (Schinder). Den Badern auf der
Oberen Badstube namens Gerzner wie auch den Badern Wolf auf
dem Unteren Bad gelang im 19. Jahrhundert der Aufstieg zum Arztberuf.
Sie begannen als Wundärzte und ließen dann ihre Söhne Medizin studieren. Man
kann diese Erscheinung in vielen Orten beobachten.
Das obere Bad in Auerbach
Die Häuser Nr. 197 und folgende um 1910 (8, Seite 169) Das obere Bad, heute Bachgasse 35 (alt 197), und seine Betreiber sind schon länger nachgewiesen. (8, Seite 169)
"Die Badstuben waren ursprünglich Gemeindeanstalten und gingen bald in
Privatbesitz, bald wieder in Gemeindebesitz über. 1536 mußte z.B. jeder Bader
wöchentlich 36 Pf Zins für die Badstuben an die Stadtkammer bezahlen.
Badstuben „spielten im Mittelalter eine große Rolle. Als der Aussatz aus dem
Orient sich in Europa verbreitete, wurde das Warmbaden unter allen Klassen der
städtischen Bevölkerung stark betrieben. Von der Obrigkeit wurden Badstuben
angelegt, um das Baden aus sanitären Rücksichten zu fördern. Die Badstuben waren
auch unter den besonderen Schutz des Gerichts gestellt, indem man sie zu den
befriedeten Orten zählte. … Es kam aber auch vor, daß
Barbiere
(Barbitonsores) Badstuben pachteten und dort ihre Geschäfte etablierten, das im
Haarschneiden, Rasieren auch in chirurgischen Operationen bestand; mit letzterem
Geschäft befaßten sich auch die Badstüber, Bader.
verwendete und weiterführende Quellen
letzte Bearbeitung dieses Artikels am 22. Januar 2026
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