Bader/Arzt
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Badstuben
und Bader
in alter Zeit

Jost Amman
Ständebuch 1568

 

Bader

Der Beruf Bader ist seit dem Mittelalter bekannt. Einerseits waren Bader die „Ärzte der kleinen Leute“, die sich keinen Rat bei den studierten Ärzten leisten konnten. Andererseits waren sie aber bis ins 18. Jahrhundert wichtige Gehilfen der akademisch gebildeten Ärzteschaft (siehe Stellung und Rechte).(Quelle)

Obwohl die Bader für das Wohlbefinden des mittelalterlichen Menschen eine ganz wichtige Rolle spielten, hat ihr Beruf, ähnlich wie der des Henkers oder Schinders (Abdeckers) lange Zeit als unehrlich gegolten.

(Aderlass in der Badstube, kolorierter Holzstich um 1500)

"Im Gegensatz zum Barbier, der häufig etwas ganz ähnliches tat, nicht aber an seine Scherstube gebunden war, durfte der Bader seine Praxis ehemals nur in der Badstube ausüben. Doch entwickelte sich dieser Beruf in Ermangelung der alten Örtlichkeiten immer mehr zu einer Art ländlichem Volksarzt zweiter Klasse. Und wenn er geschickt war, macht er den ausgebildeten Wundärzten unliebsame Konkurrenz. Der Bader behandelt Brüche und Verrenkungen, kuriert Wunden und Geschwüre und schient die gebrochenen Glieder. Er setzt Schröpfköpfe und nimmt den Aderlaß vor, er besieht Aussätzige und Erschlagene und versorgt die Leichen." (Quelle)

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Die Badstuben

Es liegt sicher in der Natur des Menschen, seinen Körper zu reinigen. Wasser erkannten unsere Vorfahren schon früh als geeignetes Mittel dazu. "Der erste Mansch war - wenn wir voraussetzen, daß er überhaupt badete - auf die freie Natur ... angewiesen. Wenn auch in der Bibel mit keinem Wort erwähnt wird, daß Adam und Eva gebadet haben, können wir nach der Beschreibung des Garten Edens doch annehmen, daß er, von vier Flüssen begrenzt, einen herrlichen Badestrand geboten haben muß." (1, Seite 9)

Die Bäder oder Badstuben entstanden zur Zeit der Kreuzzüge etwa zwischen 1095 und dem 13. Jahrhundert. Sie wurden damals für eine unentbehrliche Einrichtung des öffentlichen Lebens gehalten. "Die Bewohner von Auerbach und Umgebung waren besonders stark beteiligt am II. Kreuzzug anno 1147, am III. anno 1190 und am V. Zug anno 1217. Fast jede Familie stellte zu diesen Zügen einen kampftüchtigen Mann, und wo kein kriegstauglicher Vater oder Sohn vorhanden war, mietete man um teures Geld einen Ersatzmann. Die Kreuzfahrer zogen frisch und gesund und mit hoher Begeisterung fort und  - sahen selten ihre Heimat wieder. Die Wenigen, die zurückkehrten, waren sehr verzagt und kleinmütig, denn das Einzige, was sie erobert hatten, waren ekelhafte ansteckende Krankheiten und lasterhafte Lebensgewohnheiten. Der Aussatz wurde so häufig, daß man fast in jeder größeren Ortschaft ein 'Leprosenhaus' errichten mußte." (4, Band 8, Seite 45f)
In Auerbach stand dieses erste Haus für die Sondersiechen weit vor den Mauern am heutigen Kellerberg bei der Abzweigung zur Rußhütte. Der alte Flurnamen gab der ganzen Siedlung jenseits der B 85 den Namen Siechen. 

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Dr. Schnelbögl, der ehemalige Direktor des Staatsarchivs Nürnberg schreibt in seiner Chronik von Auerbach u.a..: "Noch sei hier ein uraltes Gewerbe genannt, welches einstmals unentbehrlich in der Stadt war und in der neueren Zeit seiner ursprünglichen Funktion enthoben wurde, das der Bader. In Auerbach wirkten seit dem Mittelalter zwei Bader. Ihre beiden Stuben lagen an der Bachgasse, sie benötigten ja für ihren Badebetrieb das daran vorbeilaufende frische Wasser. ... In den Badstuben wurde warmes Wasser verabreicht, man nahm aber auch Schwitzbäder, welche als ein vorzügliches Mittel gegen den Aussatz galten."(5, Seite 229)

Männerbad (Dürer) Frauenbad (Dürer)

"Einen Einblick in das Badewesen der damaligen Zeit gewähren die bekannten Bilder Männerbad und Frauenbad von Albrecht Dürer. In der Pfalz, also auch in Auerbach, gab es ursprünglich offenbar keine Trennung nach Geschlechtern. Erst 1636 verordnete die oberpfälzische Regierung, daß in den Bädern die Manns- und Weibspersonen nicht mehr beisammen geduldet werden, und daß jedes Geschlecht in abgesonderten Stuben oder zu verschiedenen Zeiten baden solle." (5, Seite 229)

"In Auerbach bestanden schon seit 1144 zwei Badstuben, welche beide in der Bachgasse gelegen waren. Die obere Badstube war für das I. und IV. Viertel der Stadt bestimmt und an der Stadtmauer im Haus Nr. 197 (Anm.: heute Bachgasse 35) etabliert. Die untere Badstube war im Haus Nr. 189 (Anm.: heute Bachgasse 21) und gehört für das II. und III. Stadtviertel." (4, Band 8, Seite 51f)

Beide Badstuben (Hausnummern 189, heute Bachgasse 21, und 197, heute Bachgasse 35) lagen wie schon gesagt in der Bachgasse. Dort floss nämlich der Speckbach bis zur Kanalisierung derselben anno 1964 in einem offenen Gerinne entlang der Häuser zur Stadtseite hin. Ein Arm des Speckbachs war Mitte des 12. Jahrhunderts kurz nach der Markterhebung (1144) bei der Neumühle abgeleitet worden. Dieser Arm des Speckbachs wurde also näher an die Siedlung Urbach herangeführt.

"Die Badstuben waren ursprünglich Gemeindeanstalten und gingen bald in Privatbesitz, bald wieder in Gemeindebesitz über. 1536 mußte z.B. jeder Bader wöchentlich 36 Pf Zins für die Badstuben an die Stadtkammer bezahlen." (4, Band 8, Seite 45)

In den Badehäusern, die heutigen Hygienevorstellungen bei weitem nicht entsprachen, wurden auch Tätigkeiten wie Zahnziehen, Haarschneiden, Rasur sowie kleinere chirurgische Eingriffe wie Aderlass und Schröpfen durchgeführt.

Einblicke in die früheren Badstuben oder -häuser bieten auch die einschlägigen Museen, z.B. in Kulmbach, in Pommelsbrunn oder andernorts.

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Das untere Bad in Auerbach

Hausnummer  189a und 190 im März 1953 (8, Seite 149)

Das Haus Nr. 189 war zusammen mit 189a seit etwa 1144 das untere Bad. Beim großen Brand von 1868 brannten beide ob und wurden mit gemeinsamem Dach wieder aufgebaut. Das hohe Gebäude rechts war das Brauhaus.

Die Namen der unteren Bader in ältester Zeit sind nicht bekannt. Los geht es erst mit 1503. (nach bzw. aus 8, Seite 146)

1670-1699 war Hans Georg Wolf, Badergeselle aus Königshofen i. Gr., unterer Bader in Auerbach. Er heiratete 1671 die Bader-Witwe Anna Schmid aus Auerbach. (nach  9)

Um 1700 ging beider Sohn Sebastian Wolf als  Bader nach Neukirchen bei Sulzbach-Rosenberg.  

"Von 1699-1739 war Hans Michel Wolf unterer Bader und seine Witwe, von 1739-1770 übernahm sein Sohn Johann Georg Wolf und dann dessen Witwe Margareta das untere Bad. Sein Bruder Friedrich Wolf gründet 1739 eine dritte Baderei, welche bis circa 1840 im Haus Nummer 260 (Anm.: heute Kirchstraße 5 beim Burtlerwolfl) bestand.

Von 1771-1773 war Josef Anton Wolf unterer Bader, er heiratete 1773 nach Haus Nr. 243 (heute Dr.-Heinrich-Stromer-Straße 11). Seine Frau war die Witwe Margarete Neumüller, nach deren Tod 1815 heiratete er die Metzgersmeistertochter Margaretha Merkl.

Von 1798-1813 war Josef Wolf Bürgermeister in Auerbach. Er erwarb 1809 die städtische Ziegelhütte. Sein Sohn Michael Wolf, Bader und Chirurg (geb.1775), führte von 1809-1851 die Baderei im Haus 243 (Anm.: heute Dr.-Heinrich-Stromer-Straße 11) weiter, von 1851-1873 seine Witwe Margareta Wolf (geborene Schrembs).

Von 1873-1909 war Josef Wolf Bader und Leichenbeschauer für Auerbach, Gunzendorf, Ohrenbach, Göttersdorf und Steinamwasser. Er verkaufte 1909 das Anwesen (Anm.: Nr. 243) und verstarb 1919 in Nürnberg. Sein Sohn Joseph Wolf (1875-1958) war Stadtpfarrer in Nürnberg." (9) Ein Sterbebild von Pfarrer Wolf findet man bei Kugler. (8, Seite 315)

"Die dritte Baderei, die 1739 durch Friedrich Wolf im Haus Nr. 260 (Anm.: heute Kirchstraße 5) begründet worden war, wurde bis 1840 fortgeführt, der letzte Bader war Jakob Wolf (geb.1819). Er verkaufte das Haus 1848 und verzog nach Amberg." (9)

Der Vater Jakob Wolf, nämlich Godefried Wolf (1785-1827) war bereits Landarzt in Auerbach. Damit war die Familientradition der Bader Wolf in Auerbach, die 1670 begonnen hatte, beendet.

"Ein Zweig der Familie Wolf (vermutlich ab ca. 1700) führte das Handwerk der Baderei bis in die 60er Jahre des 20.JH in Neukirchen b. Sulzbach und darüberhinaus bis heute als Ärzte und Zahnärzte in Neukirchen und Sulzbach weiter." (9)

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"Seit alter Zeit waren die Bader nebenbei auf dem Gebiete der Heilkunde tätig und waren damit dem amtierenden Stadtarzt jahrhundertelang ebenso lästige Konkurrenten wie der ortsansässige Apotheker und - der Stadtflurer (Schinder). Den Badern auf der Oberen Badstube namens Gerzner wie auch den Badern Wolf auf dem Unteren Bad gelang im 19. Jahrhundert der Aufstieg zum Arztberuf. Sie begannen als Wundärzte und ließen dann ihre Söhne Medizin studieren. Man kann diese Erscheinung in vielen Orten beobachten." (5, Seite 230)

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Das obere Bad in Auerbach

Die Häuser Nr. 197 und folgende um 1910 (8, Seite 169)

Das obere Bad, heute Bachgasse 35 (alt 197), und seine Betreiber sind schon länger nachgewiesen. (8, Seite 169)

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"Die Badstuben waren ursprünglich Gemeindeanstalten und gingen bald in Privatbesitz, bald wieder in Gemeindebesitz über. 1536 mußte z.B. jeder Bader wöchentlich 36 Pf Zins für die Badstuben an die Stadtkammer bezahlen.
Am frequentesten war der Besuch der Badstuben ... von 1144 bis 1498. Von da ab verringerte sich wegen der Ansteckungsgefahr mit Syphilis die Frequenz, auch ging es von da ab in den Badstuben etwas ehrsamer zu." (4, Band 8, Seite 51f)

Blick in eine Badstube um 1530 (7)

Badstuben „spielten im Mittelalter eine große Rolle. Als der Aussatz aus dem Orient sich in Europa verbreitete, wurde das Warmbaden unter allen Klassen der städtischen Bevölkerung stark betrieben. Von der Obrigkeit wurden Badstuben angelegt, um das Baden aus sanitären Rücksichten zu fördern. Die Badstuben waren auch unter den besonderen Schutz des Gerichts gestellt, indem man sie zu den befriedeten Orten zählte. … Es kam aber auch vor, daß Barbiere (Barbitonsores) Badstuben pachteten und dort ihre Geschäfte etablierten, das im Haarschneiden, Rasieren auch in chirurgischen Operationen bestand; mit letzterem Geschäft befaßten sich auch die Badstüber, Bader. ... Die Badstuben waren aber nicht allein Lokale zur Reinigung des Körpers und zur Heilung von Patienten, sondern auch oft die Schauplätze wüster Gelage." (6, Seite 16)

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verwendete und weiterführende Quellen

1 Luz, Wilhelm August, Das Büchlein vom Bad, Berlin 1958
2 Ärzte, Bader und Barbiere, Publikation mit verschiedenen Aufsätzen zur gleichnamigen Ausstellung in Schwäbisch-Hall und Tuttlingen, 2011
3 Pictorius, Georgius, Badenfahrtbüchlein, 1560; Nachdruck Freiburg im Breisgau, 1980
4 Köstler, Joseph, (1849-1925), Chronik der Stadt Auerbach, Band 8 des handgeschriebenen siebenundzwanzigbändigen Werkes, Lagerort Archiv der Stadt Auerbach i.d.OPf.
5 Schnelbögl, Fritz, Auerbach in der Oberpfalz, Auerbach 1976 (vergriffen)
6 Mettig, Constantin, Zur Geschichte der Rigaischen Gewerbe im 13. und 14. Jahrhundert; Riga 1883, digitalisiert
7 https://berufe-dieser-welt.de/die-bader/ , von mir letztmals aufgerufen am 11.1.2026
8 Kugler, Hans-Jürgen, Auerbach in der Oberpfalz - Die Geschichte seiner Häuser und Familien, Band 2, Auerbach 2010
9 Wolf, Peter, privates Archiv des HNO-Facharztes i.R., Sulzbach-Rosenberg

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Ich bin der Doktor Eisenbarth

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 22. Januar 2026

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