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Im November 2014 drehte das Bayerische Fernsehen einen Clip über den Kanonier von Weidlwang unter Beteiligung zahlreicher Dorfbewohner. Die Aufzeichnung dieses kurzen Videos konnte hier angeschaut werden, was leider heute nicht mehr möglich ist. (Sendereihe Wir in Bayern)
Weidlwang
und sein Kanonier Fährt man von Pegnitz (Oberfranken) auf der heutigen Staatsstraße St 2162 über Hainbronn nach Auerbach, so begrüßt einen gleichsam an der Grenze zum Regierungsbezirk Oberpfalz auf einem steil aufragenden Felsen der Kanonier von Weidlwang. Scherzhaft könnte man natürlich auch sagen, der streitbare Gesell wacht darüber, dass kein Unbefugter aus dem Fränkischen herein zu uns in die Oberpfalz kommt.
Weidlwang (Luftbild, BayernAtlas) ist ein kleiner Ort mit 46 Einwohnern (Stand 1.1.2018). Das Dorf liegt an der Staatsstraße St 2162 nach Pegnitz, ca. 6 km nordwestlich von Auerbach bzw. gut 3 km südöstlich von Pegnitz. Diese Straße verlief bis 1931 praktisch weiter westlich, und wurde erst ab jenem Jahr auf ihre heutige Trassierung fast Parallel zur Bahnlinie (errichtet 1874-1877) gebracht. Die alte Straße führte u.a. viel näher an der Weidlwanger Mühle vorbei, an der seit 2001 die sehenswerte Kapelle zum guten Hirten steht. Es gab also bis 1931/32 keine direkte Verbindung zwischen den Dörfern Weidlwang und Hainbronn. An der heutigen Staatsstraße finden wir kurz
hinter Weidlwang direkt neben der Fahrbahn eine Öffnung der
Teufelsberghöhle am Fuß eines vielbesuchten
Kletterfelsens.
Eigentümerin ist heute die Stadt Auerbach, Sie musste schon mehrmals diesen
Höhleneingang vom
Schutt befreien. Bis zum 1. Mai 1978 gehörte das Dorf Weidlwang zur polirischen Gemeinde Nasnitz. Seit der Gemeindegebietsreform ist es ein Ortsteil der Stadt Auerbach i.d.OPf.
Bei Weidlwang gemachte Funde deuten darauf hin, dass schon in der Mittleren (ca. 8.000 bis 4.000 v. Chr.) und in der Jüngeren Steinzeit (ca. 4.000 bis 1.800 v. Chr.) hier am Pegnitzufer vereinzelt Menschen gewohnt haben; eine geregelte Besiedelung erfolgte sicher erst später.
Auch die zweite Silbe des Ortsnamens -wang lässt auf eine für unsere Gegend relativ frühe Ansiedlung schließen. Ein mit Weiden bewachsener Wiesengrund, so kann man den Ortsnamen übersetzen.
Das Wahrzeichen von Weidlwang ist der Kanonier
Bilder ähnlich diesem gingen den Dorfbewohnern durch den Kopf, denn die Soldaten beider Seiten fackelten nicht lange. Und besonders von den Schweden hatten auch die Weidlwanger schon Schreckliches gehört, z.B. die Sache mit dem später so genannten Schwedentrunk.
Ein bei einem früheren Überfall verletzter kaiserlicher Soldat
war im Dorf zurück geblieben und riet jetzt den Weidlwangern zu einem Täuschungsmanöver:
Auf eine ähnliche List wie in Weidlwang sollen die Schweden schon zwei Jahre zuvor, als sie die Stadt Creußen besetzt hatten, hereingefallen sein: "Am 25. März (Anm. 1633) griff er (Anm. der bayerische Reiterführer Johann von Werth) Creußen zum 4. Mal mit 5.000 – 6.000 Mann an. Er ließ die Nachricht verbreiten, daß er 2 sehr große Geschütze, die bisher in Auerbach standen, mitbringen werde und ließ zur Täuschung des Gegners 2 hölzerne Brunnenrohre auf Lafetten mitfahren. Die Schweden ließen sich wirklich irreführen und zogen nach Bayreuth ab. Creußen wurde geplündert und bis auf die Pfarrkirche und eine Kapelle ganz niedergebrannt." (3, Seite 132)
Ein Jahr nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges (1618-48), der Überlieferung nach am 12. Mai 1649, errichteten die Weidlwanger zur Erinnerung an den verwundeten Soldaten, der ihnen damals in ihrer Not geholfen hatte, ein Denkmal auf dem Felsen: sie stellten einen überlebensgroßen bairischen Soldaten aus Holz mit Kanone und Fahne auf.
Diesen Stich fertigte um 1835 der Nürnberger Stahl- und Kupferstecher Christian Leonhard Daumerlang (1812-59). Er zeigt das Dorf Weidlwang mit dem Kanonierfelsen und als Detail eingebaut den Hawerlstaa, einen auffälligen Felsen zwischen Nasnitz und Weidlwang.
Der Kanonierverein Großes Fest im
Juli 2002
Mit einem Festbetrieb unter den Augen und im Schutz des neuen Kanoniers gleichsam ließen der Kanonierverein, die Dorfbewohner und zahlreiche Gäste aus Nah und Fern das große Ereignis der Wachablösung anlässlich des (vorgezogenen) Vereinsjubiläums im Juli 2002 ausklingen.
Für einige Jahrzehnte wird der neue Kanonier "als Mahnmal des Friedens", wie der damalige Landrat Armin Nentwig bei der Feier am 14. Juli 2002 sagte, nun bestimmt wieder an der Nahtstelle zwischen Oberfranken und der Oberpfalz den traditionellen Wachdienst über Weidlwang ausüben. (Luftbild Laumer)
Die Weidelwanger Mühle mit ihrer sehenswerten Kapelle Zum Guten Hirten liegt auf der anderen Seite der Pegnitz und damit in Oberfranken.
verwendete und weiterführende Quellen
letzte Bearbeitung dieses Artikels am 18. Januar 2026
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