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Die Alte Münze
in Auerbach
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Die Alte Münze (Schlosshof
1)
beherbergte zeitweise nach einer
umfassenden Sanierung und Renovierung
- auch des Schlosshofs -
im Erdgeschoß ein gemütliches Lokal.
Im 1. und 2. Stockwerk
war 2012 bis 2018
das Lodes-Museum
mit Gemälden und Grafiken
des aus Auerbach stammenden
Künstlers und Mediziners
Dr. Rudolf Lodes. |
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Es
handelt sich hier um eines der ältesten Anwesen unserer Stadt. Der Chronist Joseph
Köstler meint, dass „dieses Haus nebst der
Pfarrkirche das älteste Gebäude Auerbachs ist“. (1, Seite 122)
Erbaut
als Kastenamtshaus
Schon bald nach der Erhebung des Dorfes Urbach, unserem heutigen Auerbach, zum Markt
im Jahre 1144 wurde hier an dieser Stelle, also wenige Meter außerhalb der
zunächst nur mit Wall und Graben umgebenen Ansiedlung, das Kastenamtsgebäude
errichtet. Erbauer war wahrscheinlich Graf
Gebhard
III. von Sulzbach (um 1114 bis 1188), ein Sohn des Grafen Berengar
I., der bei der Gründung des Klosters Michelfeld anno 1119 von Bischof
Otto
als dessen Schutzvogt bestimmt wurde.
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Die Grafen von Sulzbach
hatten in ihrem Wappen
sechs weiße Lilien
auf rotem Grund.
Das ist heute das Wappen
der Stadt
Sulzbach-Rosenberg. |

Der Kastner
war ein Beamter, der für seinen Herrn die Gilten (Gülten) oder
Steuern, wie z.B. den Zehnt, einzunehmen und sozusagen vor Ort das Finanzwesen stellvertretend für
ihn zu besorgen hatte.

Zehntabgabe, Holzschnitt 1447
Da die Abgaben früher vielfach in Naturalien, also mit
Getreide, Käse, Eiern, Honig usw. zu begleichen waren, brauchte man als Lagerstätte
einen Stadel. Zu einem solchen Gebäude sagte man damals auch Kasten.
Der betreffende Verwalter wurde einfach Kastner
und sein Amt Kastenamt genannt.

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Auf
diesem alten Stadtplan
habe ich das Kastnerhaus (Nr.
182)
- die heutige Alte Münze -
mit 1 gekennzeichnet.
Das erst 1374 von
Kaiser Karl
IV. (reg. 1346-78)
ganz in der Nähe erbaute,
anno 1788 leider eingestürzte
Schloss (Nr. 183 ½) trägt die 2. |
Dieses
Luftbild von 1958
(aus 2, Seite 123)
zeigt u.a. das Kastenamt (182),
das Haus, an dessen Stelle,
früher
das Schloss stand (183 1/2)
und das Gebäude 183 1/3,
wo früher ein
Kastenamtsstadel
war.
Von diesen aus dem Mittelalter
stammenden Gebäuden hat allein
das Kastnerhaus Nr. 182,
die Alte Münze (Schlosshof 1)
in seiner ursprünglichen Form überlebt. |
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Münzwerkstatt
unter König Wenzel von Böhmen
Der Nachfolger und älteste Sohn Kaiser Karls, der in
Nürnberg geborene und in der dortigen Sebalduskirche getaufte spätere König
Wenzel, dem die Geschichtsschreibung auch den Beinamen der Faule
verpasste, richtete um 1390 in Auerbach eine eigene Münzwerkstatt
ein. Unser Auerbach war seit 1373 Hauptstadt von Neuböhmen mit Sitz eines Landgerichts.
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Dieser als Wenzel IV. bezeichnete
böhmische,
und 1376-1400 römisch-deutsche König
hat auch dadurch traurige Berühmtheit erlangt,
dass er 1393 den Johannes Nepomuk,
der Beichtvater
seiner Frau Sophie
von Bayern war,
in Prag in der Moldau ertränken ließ.
Nepomuk
wird seither als Brückenheiliger verehrt.
Sein Standbild steht z.B. in Auerbach
am Stadtweiher beim Anwesen Untere Vorstadt 49,
und in Michelfeld an der Flembachbrücke. |
König Wenzel nutzte für seine neue Münzwerkstätte ein bereits vorhandenes königliches
Gebäude, und funktionierte das Erdgeschoss des Kastenamtsgebäudes einfach um.
Es war wohl der Raum des heutigen Lokals, in dem im ausgehenden 14. Jahrhundert
ein tüchtiger Münzmeister mit seinem Gesellen arbeitete.
Eine alte Sage berichtet darüber.

Auerbacher Pfennige und Goldgulden
wurden in der hiesigen Münze geprägt. Dazu wurde zunächst in einem Schmelztiegel, der ins Feuer gestellt wurde, das für die Münzen
benötigte Edelmetall weich und dadurch schmiedbar gemacht. Danach wurden Rohlinge oder
Schrötlinge geformt. Je nachdem, ob man einseitige oder zweiseitige Münzen haben
wollte, wurde das Münzbild mit einem Prägestempel in diese eingeschlagen.
In Auerbach wurden u.a. Pfennige aus Silber (Auerbacher Pfennige)
und Dukaten aus Gold geprägt. Da die Auerbacher Münze insgesamt nur etwa 10
Jahre arbeitete, sind die überkommenen Funde nur relativ selten. Allerdings
wurden bei einem Münzfund in Kastl 1967 unter über 2.000 Objekten 126 Auerbacher
Pfennige entdeckt.

Auf den meisten der Auerbacher Silberpfennige ist auf
einer Seite ein W (für Wenzel) oder ein A
(für Auerbach) zu sehen.

Seit 1964, dem Jahr der 650-jährigen Wiederkehr
der Erhebung unserer Gemeinde zur Stadt, tragen die
Bürgermeister von Auerbach zu bestimmten Anlässen diese Bürgermeisterkette.
Der damalige Ehrenbürger Adolf
Friedriech vom Endt hatte sie zum Stadtjubiläum gestiftet. In
ihr ist ein Original eines Auerbacher Pfennigs eingearbeitet, wie sie etwa
1390-1400 hier in der Alten Münze geprägt
wurden.- In diesem Zusammengang sei auch an eine alte Sage erinnert.

Die Goldmünzen haben auf der Vorderseite das Bildnis von König Wenzel
mit dem a für die Prägestätte Auerbach. Auf der Rückseite zeigen sie das
böhmische Wappen mit dem doppelschwänzigen Löwen. Beide Seiten tragen eine
Umschrift.


Ende der Münze in Auerbach
Obwohl er für unser Auerbach sehr viel getan hat, war Wenzel nun als
römischer (seit 1376), sowie als böhmischer und deutscher (seit 1378) König doch
wohl nicht der richtige Mann.
Auch in seinem Stammland Böhmen überwarf er sich mit dem Adel und vor
allem mit der Geistlichkeit. So
zerstritt er sich 1393 mit dem Prager Erzbischof und ließ einige seiner Berater
Nepomuk verhaften, foltern und schließlich in der Moldau ertränken.
Dabei soll Wenzel selbst mit Hand angelegt haben.
Aus dem anfangs gerechten und gutgesinnten Herrscher war, wie verschiedene
Geschichtsbücher sagen, ein der Trunksucht verfallener, jähzorniger und unberechenbarer
Mann geworden.
Am 20. August des Jahres 1400 kamen vier der insgesamt sieben Kurfürsten,
nämlich die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln, sowie Ruprecht, der Pfalzgraf
bei Rhein, auf der Burg Lahneck in
Oberlahnstein zusammen.
Sie bezeichneten Wenzel als eynen unnüczen, versümelichen, unachtbaren entgleder
und unwerdigen hanthaber des heiligen Romischen
richs, d. h. als
einen unnützen, trägen, unachtsamen Entgliederer und unwürdigen Inhaber des
Heiligen Römischen Reiches. Die vier Kurfürsten erklärten
Wenzel als König des Heiligen Römischen Reichs für abgesetzt.
Wenzel blieb aber als Wenzel IV. bis u seinem
Tod am 16. August 1419 König von Böhmen, das er seit seiner Krönung im frühen
Kindesalter 1363 war. Wenzel war
nämlich am 26. Februar 1361 in Nürnberg zur Welt gekommen.
Pfalzgraf Ruprecht aus
dem Haus Wittelsbach, der ja selber Kurfürst war und die Absetzung Wenzels mit
betrieben hatte, wurde am nächsten Tag (21.8.1400) in Rhense von den gleichen
drei Kurfürsten und von sich selbst als vierter Stimme der insgesamt 7
wahlberechtigten Kurfürsten zum neuen deutschen König gewählt.

Der neue König Ruprecht von
der Pfalz (1400-1410), wurde 1352 in Amberg geboren. 1374 heiratete er Elisabeth
von Hohenzollern-Nürnberg (Bild).
Gleich nach seiner Wahl zum deutschen König setzte er alles daran, die Reste
Neuböhmens und damit auch unsere Heimat unter seine Herrschaft zu bekommen. Nach
etwa 10 Jahren endete damit die Münzprägung in Auerbach und die
Neuböhmische Zeit.


verwendete
und weiterführende
Quellen
| 1 |
Köstler,
Joseph, Chronik der Stadt Auerbach, 27 handgeschriebene Bände, Band VII,
Lagerort Stadtarchiv |
| 2 |
Kugler,
Hans Jürgen, Auerbach in der Oberpfalz – Die Geschichte seiner Häuser
und Familien, Band 2, Auerbach 2010 |
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letzte Bearbeitung dieses Artikels am 7.
märz 2026

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