Dorfkapelle
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St.-Anna-Kapelle in Nasnitz

Das kleine Gotteshaus inmitten von Nasnitz
wird von den Dorfbewohnern liebevoll gepflegt.
St. Anna wurde 1865 errichtet
und von dem aus dem Ort stammenden
Pfarrer Josef Kormann
(geb. 1809 in Haus Nr. 21) gestiftet.
(Foto 2004)

Die Planung des neuen Gotteshauses
Am 4. Januar 1865 wurde erstmals ein Bauplan für die Errichtung einer Kapelle in Nasnitz gefertigt. Joseph Kormann, "dermalen frei resignierter Pfarrer und Administrator der Priesterseminarstiftung zu Neunkirchen am Brand" (1, Seite 168) wollte das Kirchlein  ursprünglich ganz aus  Sandsteinquadern und unverputzt errichten lassen, wie die folgenden Planskizzen zeigen.

Dach und Türmchen sollten mit Schiefer  gedeckt und unter dem Dachansatz ringsherum kleine Rundbögen angebracht werden. Die Fenster und die Eingangstüre sollten  romanische  Rundbogen erhalten.

"Die Königliche Baubehörde Kemnath lehnte aber den Bauplan von Joseph Kormann ab und zeichnete am 2. März 1865 einen neuen Entwurf, der dann später auch verwirklicht wurde. Die Zeichnung unterschied sich darin, dass die Außenwände, welche aus Bruchsteinen bestehen, nunmehr verputzt und angestrichen wurden, die Fenster und die Eingangstüre im gotischen Spitzbogen-Stil und über dem Portal drei lange Glasfenster vorgesehen waren. Auf jegliche Verzierungen der Außenwände wurde verzichtet. Der Altarraum wurde schmäler und niedriger als das Kirchenschiff gestaltet und räumlich etwas abgetrennt.
Joseph Kormann wollte sich aber mit dem Vorschlag der Baubehörde nicht zufrieden geben und schrieb deshalb am 28. März 1865 an das Königliche Bezirksamt, mit der Bitte, die Außenwände mit rein behauenen Sandsteinquadern erbauen zu lassen, weil bei einem Verputz mit Anstrich voraussichtlich öfter Reparaturen stattfinden müssen. Seiner Bitte wurde aber nicht entsprochen.
So kam es dann im Sommer 1865 zum Bau der Kapelle nach dem Vorschlag der Baubehörde Kemnath." (2, Seite 89)

Einweihung der neuen Kapelle
"Unter Beihilfe fast sämtlicher Ortsbewohner von Nasnitz und mehrerer auswärtiger Guttäter“ (2, Seite 87) ging der Bau rasch voran. Die Kapelle wurde "am 12. Februar 1866 – damals Fastnachtsmontag – vom damaligen Pfarrer zu Michelfeld, Herrn Simon Dotterweich, feierlich benediciert, worauf die ergreifende Einweihungsrede und das Hochamt unter Teilnahme einer ungeheueren Anzahl Andächtiger aus der ganzen Umgegend erfolgte.“ (2, Seite 87)
Die Nasnitzer Kapelle wurde der heiligen Anna geweiht; sie ist der Überlieferung nach die Mutter von Maria, welche wiederum die Mutter von Jesus, also "Gottesmutter" ist. Das Ölgemälde des Altares zeigt eine Szene zu diesem Thema.

"In der Mitte des Bildes ist die Hl. Anna als „Erzieherin“ mit einem Buch dargestellt. Vor ihr kniet Maria gottesfürchtig und liest aus dem Buch, welches Texte des alten Testamentes beinhaltet. Zu Marias Füßen sitzen 2 Engelskinder mit Blumenschmuck. Links neben Anna ist der Hl. Joachim ebenfalls mit einem Buch zu sehen, rechts neben Anna 2 Steintafeln mit den römischen Ziffern I bis X, welche die 10 Gebote Gottes symbolisieren. Im oberen Teil des Bildes wurde Gottvater mit dem heiligen Geist in Form einer strahlenden Taube abgebildet, der auf einer Wolke sitzend und mit einer Engelschar umgebend der Hl. Anna den „Kindersegen“ schenkt. Annas Haupt ist mit einer hell strahlenden Gloriole umhüllt.

Es ist noch anzumerken, dass Anna und Joachim keine Kinder gebären konnten. Der Hl. Anna erschien unter einem Feigenbaum ein Engel mit der Botschaft: „Du wirst eine Tochter empfangen und ihr den Namen Maria geben, diese wird voll der Gnade, die Verwunderung aller sein und von Kindheit an dem Herrn dienen.“ Rechts neben Anna erinnert ein blühender Feigenbaumzweig in einer Vase an diese Erscheinung. Auch Joachim empfing die Botschaft des Engels.
Das Ölgemälde ist in einem verzierten und vergoldeten Holzrahmen eingefasst, der Name des Malers ist aber unbekannt." (2, Seite 90f)

Im Pfarrarchiv Michelfeld ist bzw. war eine Schrift, in der Joseph Kormann auch seine Beweggründe für sein Stiftung angab. Dort heißt es: die Gründe seien „der Drang seines Herzens zur Anbetung Gottes“, „die Pflicht der Dankbarkeit gegen Gott, der ihn, vielleicht als den Ersten unter allen zu Nasnitz Geborenen zum hohen Priesterstande berufen habe und die Liebe zu seiner Ortsgemeinde.“ (1, Seite 168)

Pfarrer Joseph Kormann
Josef und Dietmar Haberberger aus Nasnitz
haben im Diözesanarchiv Bamberg
dieses Bild des aus ihrem Dorf
stammenden Geistlichen gefunden.
Es zeigt Pfarrer Kormann
als Verwalter der Seminarstiftung Neunkirchen,
und ist um 1870 entstanden.
Im General-Personal-Schematismus
der Erzdiözese Bamberg 1007-1907

steht unter der laufenden Nummer 5546:
"Kormann, Joseph aus Nasnitz, geb. 14. Juli 1809,
ord. 23. Aug. 35, Koop. Neunkirchen a. Br.
30. Jan. 36, Kpl. Hopfenohe 15. Juli 39,
Neunkirchen a. Br. 8. Jan. 43
(Pf.-V. in M.-Bibart 1848/49);
Pfr. Ludwigschorgast 28. April 51,
Verwalter der Seminarstiftung Neunkirchen a. Br.
17. Aug. 54, + das. 4. Okt. 1886" (3)

Inneneinrichtung
In diesem Schreiben vom 28. März 1865 legte Pfarrer Kormann auch einige Angaben zur Innenausstattung des Kirchleins nieder.
Über den Altar kann man lesen: „In der Klosterkirche von Michelfeld stand im Seitengang ein Altar, Anna Altar, der den Gang beengte und deshalb eingelegt wurde. Diesen Altar hat das erzbischöfliche Ordinariat Bamberg, auf gestellte Bitte, der zu erbauenden Kapelle in Nasnitz geschenkt und soll nach vollzogener neuer Fassung durch Maler und Vergolder Mayer zu Bamberg in die Kapelle zu Nasnitz transferiert werden.“ (2, Seite 90) So ist es wohl auch geschehen.

In der Baugenehmigung vom 2. März 1865 wurde auch die Form der Wangen für das Gestühl genau vorgegeben; ein Schreiner aus Auerbach fertigte danach die Kirchenbänke.

Diese beiden Glasfenster im Altarraum zeigen eine Herz-Jesu-Darstellung (Ostfenster) und ein Marienbild auf der gegenüberliegenden Seite.
(Fotos: 2, Seite 93)

"An der Scheidewand zwischen Schiff und Chor sind seit der Erbauung der Kapelle rechts und links im Schiff die Statuen des Heiligen Johannes des Täufers und von Johannes von Nepomuk, altdeutsche Figuren aus Holz in entsprechender Höhe auf Postamenten aufgestellt.

Johannes der Täufer,
dargestellt als bärtiger Mann im Fellgewand mit Kreuzstab, an dem ein Spruchband „ECCE AGNUS DEI“ („Seht das Lamm Gottes“) befestigt ist und der ein Buch mit einem Lamm in den Händen hält.

Johannes von Nepomuk,
als Priester mit Chorrock, der mit beiden Händen ein Kruzifix hält und dieses liebevoll betrachtet." (Text und Fotos: 2, Seite 91 f)

Eine besondere Verehrung genoss in alter Zeit Nikolaus in unserer Gegend; so stand im nahen Dorf Pferrach sogar ein diesem beliebten Heiligen geweihtes Schwesternkloster.

"An der Westseite zwischen 2 Fenstern hängt eine ca. 50 cm große Figur des Hl. Nikolaus von Myra. Dargestellt wird der Heilige als Bischof mit Hirtenstab. In der rechten Hand hält er ein offenes Buch mit 3 Goldkugeln darauf, symbolisierend für die Legende von der Errettung der 3 Jungfrauen. Nikolaus soll demnach einem verarmten adeligen Mann 3 mal heimlich eine große Summe Geld durch ein offenes Fenster geworfen haben, um seine 3 gut erzogenen Töchter zu retten. Als Nikolaus beim 3. mal aufgespürt wurde, gab er an, nur die Pflicht eines Christen erfüllt zu haben." (Text und Foto: 2, Seite 92)

An der Ostseite der Innenwand hängt diese Holztafel
zur Erinnerung an die Nasnitzer Kriegsopfer.
Sie wurde von Anton Berger aus Lobensteig gefertigt
und 1958 bei der Fahnenweihe
der Freiwilligen Feuerwehr Nasnitz angebracht. 

"Im Erbauungsjahr 1865 wurde eine 85 Pfund schwere Glocke im Türmchen angebracht. Insgesamt 87 Wohltäter hatten sie gestiftet. Am 31. Januar 1918 schrieb - lt. Pfarrer Franz Wolfring - eine unbekannte Person in das Manuskript „Die Kapelle zu Nasnitz“ von Pfarrer Joseph Kormann, folgenden Text: „Durch Verfügung der Heeresleitung muss dieselbe am 30. Januar 1918 abgenommen und eingeliefert werden. Eine traurige Erinnerung für die Nachwelt an den Weltkrieg 1914-18, wodurch die Glocke ... als Gegenstand zum Kriegsdienst und zum Menschenmorden bestimmt wird.“ Zwischen dem I. und dem II. Weltkrieg war zwar eine Glocke im Turm, es ist aber nicht bekannt, wer diese stiftete. Im II. Weltkrieg wurde das Geläut wieder vom Turm geholt. Zusammen mit einem Geläut, welches am Hause Kormann hing und einen Riss hatte, brachte man sie nach Michelfeld und lagerte sie an der St. Leonhardskirche zwischen, ehe man sie zum Schmelzen abtransportierte. Auf die Kapelle kam eine billige Kriegs-Ersatzglocke. 2 junge Nasnitzer nahmen eine der Glocken in der Dunkelheit mit und versenkten sie in Nasnitz in einem kleinen Teich. Leider mussten sie aber zuhause feststellen, dass sie die falsche, nämlich die mit Riss vom Hause Kormann zurückgeholt hatten. Da sich der Wasserspiegel immer weiter senkte und die Glocke schon herausschaute, wurde sie in einer Fuhre Mist auf einen Acker gebracht, wo sie in einem Misthaufen auf das Kriegsende wartete. Danach hatte man sie in einem nahegelegenen Gebäude untergestellt.
Und so läutet den Nasnitzern bis zum heutigen Tag die Ersatzglocke früh, mittags, abends und im Sommer zu den Andachten jeden Sonntag um 12.45 Uhr. Der Klang ist aber von einem normalen Geläut nur geringfügig zu unterscheiden." (2, Seite 94)

Besondere kirchliche Feste in Nasnitz
"Im Mai jeden Jahres findet ein Bittgang von Michelfeld nach Nasnitz und am 26. Juli das Fest der Hl. Anna und des Hl. Joachim mit dem Pfarrer von Michelfeld statt." (2, Seite 97)

Friedhofskirche in Neunkirchen am Brand
Wie schon ausgeführt war der Stifter der Kapelle in Nasnitz der aus dem Ort stammende Pfarrer Joseph Kormann. Er war freiresignierter Pfarrer von Ludwigschorgast und Verwalter der erzbischöflichen Seminarstiftung Neunkirchen am Brand.

Dietmar Haberberger aus Nasnitz hat vor kurzem auf dem Friedhof von Neunkirchen am Brand das gut gepflegte Grab seines vor über 120 Jahren verstorbenen Landsmannes und Stifters der St-Anna-Kapelle gefunden.

Was ihn noch mehr erstaunte war die Kapelle dahinter: sie entspricht fast haargenau dem ursprünglichen Bauplan Kormanns für das Gotteshaus in seiner Heimatgemeinde. (Planskizze siehe weiter oben)
Die Außenfassade der Friedhofskapelle in Neunkirchen am Brand ist aus unverputzten Sandsteinquadern, was für Kormanns Stiftung in Nasnitz nicht genehmigt worden war, und auch sonstige Details und die Maße stimmen nahezu vollständig mit dem Plan von 1865 überein.
Sollte Pfarrer Kormann, der 1859 bis zu seinem Tod am 4. Oktober 1886 hier als Seelsorger wirkte, seinen ursprünglichen Plan doch noch verwirklicht haben - wenn auch an einem anderen Ort? Oder ist diese große Ähnlichkeit der Kapelle auf dem Neunkirchner Friedhof mit dem ursprünglichen Plan des Pfarrer Kormann Zufall?

verwendete Quellen

1 Wolfring, Franz, Die Pfarrei Michelfeld und ihre Geistlichen
unveröffentlichtes Manuskript, 1981
2 Haberberger, Dietmar und Josef, Die St. Anna Kapelle in Nasnitz
in Festschrift "50 Jahre Freiwillige Feuerwehr Nasnitz mit Gerätehauseinweihung, 30. April bis 2. Mai 2004"
3 General-Personal-Schematismus der Erzdiözese Bamberg  1007-1907, Seite 269

Ein besonderes Dankeschön gilt Dietmar und Josef Haberberger aus Nasnitz. Sie trugen das Material für die o. a. Festschrift zusammen und stellten Text und Bilder für diese Seite zur Verfügung.

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 2. Mai 2012

Bach, Johann Sebastian (1813-1883)
Alles ist an Gottes Segen, und an seiner Gnad gelegen (BWV 263)
(Motettenchor Paderborn, Archiv Klaus Thon)

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