Nunkas
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Die ehemalige Ortschaft
Nunkas

Das Dorf Nunkas, mundartlich "Unkas", lag etwa auf halbem Weg zwischen Hopfenohe und Haag.
In diese alte Karte von 1938 ist von mir gelb die "Reichsstraße 85 alt" eingezeichnet. Sie führte
früher von Bayreuth über Kirchenthumbach kommend hier vorbei und weiter durch Haag nach Vilseck und Amberg. Wegen der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr wurde die Trasse mit Erlass des OKH vom 8. Mai 1937 in Absprache mit dem Generalinspekteur für das deutsche Straßenbauwesen über Pegnitz, Michelfeld, Auerbach, Edelsfeld usw. als R 85 (neu)  verlegt (heute B 85). Der neue Straßenteil (ca. 30 km lang) wurde am 1. April 1938 seiner Bestimmung übergeben.

Ortsnamen und älteste Geschichte
Nunkas ist nach Schnelbögl (4, Seite 22) ein "genitivischer Ortsname", in dem ein slawischer Personennamen (Hintergrundmelodie!) steckt. Der Wortteil "-reuth" oder "-hof" wurde einfach weggelassen.
Auch nach Griesbach (1, Seite 194) ist der Ort eine uralte wendische Siedlung und wird erstmals 1008 genannt, als er unter Kaiser Heinrich II. (ab 1002 deutscher König, 1014-1024 römischer Kaiser) an das Hochstift Bamberg kam. Nunkas gehörte zum Bamberger Truchsessischen Lehen und wurde um 1100 dem Grafen Friedrich von Hopfenohe übertragen. Als dieser 1119 ohne männlichen Erben starb, fiel auch dieses Dorf an das Hochstift Bamberg zurück. Bischof Otto der Heilige von Bamberg vermachte "Namegast", wie das Dorf in der entsprechenden Urkunde heißt, im gleichen Jahr 1119 dem von ihm gegründeten Benediktinerkloster Michelfeld. Damit unterstand es der Gerichtsbarkeit des Klosters bzw. dessen zuständiger Untervogtei Ebersberg.

Nach Meinung von Experten (z.B. 4, Seite 34) ist mit Namegast in der Gründungsurkunde des Klosters Michelfeld 1119 die Ortschaft Nunkas gemeint. Es könnte aber auch Hamegast heißen, wie ein Vergleich mit den nebenstehenden Orten Hophenahe (Hopfenohe) oder Hagenach (Hagenohe), bzw. in der Zeile darüber Huwenstein (Huwenstein bzw. Gernotestein) zulässt.

Entwicklung von Nunkas
Die Ortschaft "Nongas" hatte 1542 bereits 6 Anwesen und ein Hirthaus, wie aus der Türkensteuerliste jenes Jahres hervorgeht. Die "Haushaltsvorstände" hießen Eckert Hans, Eckert Ulrich, Farkner Hans,

Türkensteuer oder Reichstürkenhilfe
Im Jahre 1453 fiel die oströmische Hauptstadt Konstantinopel (früherer Name Byzanz, seit 1930 Istanbul) in die Hand der Osmanen.

Die Hagia Sophia, erbaut im 6. Jahrhundert als 
byzantinische Kirche, wurde nach der Einnahme von  Konstantinopel 1453 in eine islamische Moschee umgewandelt. Seit 1934 ist die ehemalige Krönungskirche der byzantinischen Kaiser nun ein Museum.

Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 wurden die immer wieder westwärts vorstoßenden türkischen Heere zu einer ständigen Bedrohung für die Herrscher Europas und damit vor allem für das Heilige Römische Reich (HRR). Nahezu im gesamten Zeitraum zwischen 15. und 17. Jahrhundert war diese Bedrohung gegeben. Die Reichstürkenhilfe war eine Reaktion darauf und eine Unterstützung des Kaisers. Diese Hilfe wurde entweder durch Geld oder durch Entsendung von Soldaten im Falle einer akuten Bedrohung der Reichsgrenzen geleistet. Zu diesem Zwecke wurde auch von der Bevölkerung erstmals 1481 eine Türkensteuer (Gemeiner Pfennig oder auch Reichspfennig) erhoben, um die kriegerischen Auseinandersetzungen mit den osmanischen Truppen zu finanzieren. Zur Ermittlung und Erhebung dieser Sonderabgabe wurde die Türkensteuerliste erstellt, in der das abzugebende Geld, dessen Menge sich nach dem Besitz richtete, eingetragen wurde.

Die Anwesenszahl blieb über die Jahrhunderte relativ konstant, auch wenn z.B. im 30jährigen Krieg (1618-48) Nunkas wie fast alle Orte unserer Gegend nahezu völlig verwüstet wurde. Einige Jahr nach diesen Gräueln erholten sich die geschundenen Menschen und bauten ihre Höfe neu auf.

"Hauptstraße" in Nunkas von Westen um 1930 (aus 1, Seite 195)

In der Steuerliste von 1650 sind mit dem Hirthaus 8 Anwesensbesitzer genannt (nach 2, Seite 273):

1 Cunz Stauber, Gutswert 186 fl, Steuer 1 fl 23 kr, Michlfeld’sches Lehen
2

Hans Stauber, Vilseck’sches Lehen.
Er hat 4 Pferd (Wert: 50 fl), 6 Kühe (30 fl), 3 zweijährige Rinder (6 fl), 4 Schafe (4 fl), 1 Geiß (1 fl), 10 Schwein (10 fl), 5 Immen (5 fl). Gutswert 692 fl, Steuer 5 fl 11 kr

3 Paulus Hartmann, Michelfeld’sches Lehen, Gutswert 170 fl, Steuer 1 fl 16 kr
4

Hans Schleicher, Michlfeld’sches Lehen, Gutswert 585 fl, Steuer 4 fl 23 kr
Er besitzt 4 Pferd 48 fl, 1 Fohlen 6 fl, 8 Kühe 40 fl, 2 zweijährige Rinder 8 fl, 2 heurige Rinder 2 fl, 1 Schweinsmutter 2 fl, 1 geschnittenen Bären 2 fl,3 Frischling 3 fl

5

Hans Wiesner, Michelfeld’sches Lehen, Gutswert 164 fl, Steuer 1 fl 13 kr
An Vieh besitzt er 3 Pferd 30 fl, 3 Kühe 15 fl, 2 zweijährige Rinder 6 fl, 3 heurige Rinder 3 fl, 1 Geiß 1 fl, 1 Schweinsmutter 2 fl

6

Hans Kolb, Zogenreuther Lehen, Gutswert 66 fl, Steuer 30 kr
Er besitzt bloß 1 Kuh und 2 Kalben, welche miteinander 13 fl wert sind

7 Gemeindeschmiede, Gutswert 100 fl, Steuer 45 kr
8 Hirthaus, Gutswert 100 fl, Steuer 12 kr

Aus dieser Aufstellung (fl bedeutet Gulden, kr Kreuzer) kann man auch erkennen, dass fast alle Höfe dem Kloster Michelfeld abgabepflichtig waren.

Bei der Ablösung 1938 hatte Nunkas 10 Hausnummern und folgende Besitzer (Plan und Aufstellung nach 1, Seite 194):

Nr. Hausname Eigentümer
1 Steibl Krieger Georg und Anna
2 Eckhardt Kraus Margarete
3 Schmiedpaulus Bernhard Georg und Margarete
4 Schneiderbauer Fronhöfer Johann und Therese
5 Schmie Hupfer Anna
6 Lienlhansn Sporrer Franz und Kunigunde
7 Schuster Kugler Georg und Katharina
8 Petern Eckert Georg und Margarete
9 Maurer Vogl Johann und Maria
10 Hirthaus Gemeinde Nunkas

Anwesen Nr. 1, "beim Steibl" (aus 2, Seite 275)

Anwesen Nr. 2, "beim Eckhardt" (aus 2, Seite 277)

Anwesen Nr. 5, "beim Schmie" (aus 2, Seite 282)

Auf diesem Hof übten die Hupfer über Jahrhunderte das Schmiedhandwerk aus.

(aus 2, Seite 284)

Das Ende von Nunkas
Wie viele andere Anwesensbesitzer erhielten auch die in Nunkas spätestens 1938 einen solchen "gelben Brief" (aus 6) von der RuGes.

Darin wurde den Eigentümern mitgeteilt, dass die Ortschaft bis zu einem bestimmten Zeitpunkt geräumt und damit ihr Anwesen und die dazugehörigen Grundstücke verlassen werden müssten. Für Nunkas bedeutete dies das Ende seines Bestehens.

Heute erinnert nur noch der Eintrag "Dorfstelle Nunkas" in Landkarten an die ehemalige Ansiedlung. (siehe z.B. Karte von 3) Dort, wo über Jahrhunderte Menschen wohnten und ihre Felder bearbeiteten, ist heute ein großer Steinbruch, der von den Amerikanern genutzt wird. Das hier abgebaute Material wird zu Kalkschotter weiterverarbeitet und hauptsächlich für den Straßenbau im Truppenübungsplatz Grafenwöhr verwendet. Das Luftbild aus der gleichen Quelle (3) ist deckungsgleich mit der eben angegebenen Karte.  

verwendete Quellen

1 Griesbach, Eckehart, Truppenübungsplatz Grafenwöhr, Behringersdorf 1985
2 Kugler, Hans-Jürgen, Hopfenohe, Auerbach, 1997 (Bezugsquelle)
3 BayernViewer, Bayerische Staatsregierung, Vermessungsverwaltung
4 Schnelbögl, Fritz, Auerbach in der Oberpfalz, Auerbach 1976
5 Chronik der Standortverwaltung Grafenwöhr, mehrere Ordner, unveröffentlicht
6 Archiv Willi Zinnbauer, Sorghof
Mädl, Helmut, Die Geschichte des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr, 1980
Dvořák, Antonín (1841-1904)
slawischer Tanz, Opus 46 Nr. 1

Für Ergänzungen, Korrekturen usw.
bin ich sehr dankbar.
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letzte Bearbeitung dieses Artikels am 7. Mai 2010

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