Hammergänlas
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Hammergänlas

lag 1,5 km nordwestlich Haag im Tal des Bächleins Frankenohe an der alten  Reichsstraße 85 von Amberg nach Bayreuth, gehörte zur politischen Gemeinde Nunkas und wurde bei der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr auf Erlass des Reichkriegministeriums vom 28.2.1936 abgelöst und dem Erdboden gleich gemacht.

Nach Schnelbögl handelt es sich um einen genitivischen Ortsnamen, die unter Weglassung des Wortbestandteiles "-hof" oder "-reuth" nach der Jahrtausendwende entstanden. Gänlas kommt danach vom Personennamen Gnendlein, der "Verkleinerung für  Gnanno. Der Familienname Gnahn (Anm.: auch Gnan) ist heute noch in der Oberpfalz geläufig." (1, Seite 22) In den Urbarien des Klosters Michelfeld findet man 1355 den Namen „Gnendleins“ und 1368 bzw. 1439 „Gneleins“. (Urbar, lateinisch Urbarium, ist ein Verzeichnis über Besitzrechte eines Grundherrn und Leistungen seiner Grunduntertanen (Grundholden) im Mittelalter und in der frühen Neuzeit.)

Der Hammer Gänlas
Es handelte sich bestimmt zunächst nur um eine kleine Ansiedlung, bei der aber bald ein Eisenhammer eingerichtet wurde. Wann das war ist nicht bekannt; in der Urkunde der "großen Hammereinung" vom 7. Januar 1387 wird unter Nummer 30 von insgesamt 64 Unterzeichnern "Chvnrad Pflawn mit dem hamer zu den Gnienleins" aufgezählt. (2, Seite 141)

Die Urkunde der großen Hammereinung von 1387 ist ein bedeutendes Dokument mittelalterlicher Wirtschaftsgeschichte und ein wichtiges Vertragswerk des oberpfälzischen Eisenwesens. (2, Seite 135)

Hermann Schmückner (+ um 1465) aus dem gleichnamigen Auerbacher Hammergeschlecht, war auf dem Hammergänlas beschäftigt (1, Seite 56) bzw. dessen Betreiber.
Im Salbuch des Klosters Michelfeld von etwa 1480 erhielt dieses von Gnenleins, dessen Inhaber Hans Heber war, und fünf weiteren Hämmern Abgaben in Geld. Nach einer Aufzählung der Hämmer des Auerbacher Gebietes von 1488 besaß den Hammer Gnenleins, der ein Schienhammer war und ja schon 1387 zur Hammereinung gehörte, Peter Heber.

Ein Schienhammer fertigte Eisenschienen
(von mhd. schine, ahd. scina
= schmales Stück [Holz, Metall]).
Der im Zerrennherd (Rennherd, Rennofen)
einer Hammermühle gewonnene
teigige Eisenklumpen (Luppe)
wurde auf dem Wellherd
noch einmal stark erhitzt und dann
unter dem wassergetriebenen Hammer
zu länglichen Stücken (Schienen)
ausgeschmiedet.
1 Pfund (= 240 Schien) wog ca. 1.260 kg,
eine Schien demnach ca. 5 kg.

(Foto: 7, Seite 81: ein Schmied, 1426)

"1542 ist Lorenz Heber Hammerbesitzer und betreibt das Eisengeschäft sehr schwunghaft. 1572 wird in der Auerbacher Kastenamtsrechnung außer dem Hammerbesitzer Lorenz Heber, welcher für 2710 Kübel Meilerkohlen den üblichen Waldzins mit 43 fl 3 ß 6 dz zahlte, auch erwähnt Fritz Hauser, Hüter. Die Schaf und den Schefer, heißt es weiter, hat der Heber heuer weggethan." (5, Seite 278) Die Heber betrieben auch während des dreißigjährigen Krieges den Hammer erfolgreich.
Ein Hans Balthasar Heber, Hammerherr von Gänlas und Rothenbruck, verließ 1625 Auerbach, weil er nicht wieder katholisch werden wollte, und zog nach Nürnberg. Zurück blieb seine Frau, eine Tochter des Gastwirts Held, und betrieb "den Hochofen bis zu ihrem Tode flott weiter." (5, Seite 279)
1652 wird Hans Dietrich Wolf, "gewester kaiserlicher Rittmeister, so das Hammergut erst jüngst erkauft hat" (5, Seite 279) als Besitzer des Hammers Gänlas genannt. Er verkaufte das Anwesen bald wieder an den Johann Andrä Merz von Zogenreuth, der es dann 1654 bis 1669 besaß; Merz war Bürger der Stadt Vilseck und ihm gehörte auch der Hammer Hellziechen. Merz übergab Gänlas 1669 seiner Tochter, die Conrad Schreyer von Blumenthal heiratete. Im Besitz dieser Familie blieb der Hammer nun 92 Jahre.

"1722 und 1740 kaufte der Bauer Georg Graf von Oberweißenbach (Anm.: heute zur Stadt Vilseck gehörend) die Hammergüter Altneuhaus und Altenweiher."

"Nach einigen Jahren veräußerte er den Hammer Altenweiher (Foto oben) und kaufte dafür den Hammer Heringnohe.
Georg Graf von Oberweißenbach hatte zwei Söhne: Georg und Johann Georg. Georg erhielt den Hammer Heringnohe, Johann Georg das Hammergut Altneuhaus. Letzterer kaufte im Jahre 1757 den unter seinem Vorbesitzer Maximilian von Blumenthal stark verschuldeten Hammer Gänlas hinzu." (2, Seite Seite 200)

"Die Hammermühle, der frühere „Untere Hammer“, stand 500 m süd­ostwärts Hammergänlas am Ostufer der Frankenohe. Westlich vorgelagert war der untere Mühlweiher, der in vergangenen Jahrhunderten das Hammerwerk und bis zuletzt die Mühle mit Wasserkraft versorgte." (3, Seite 199)
Der Hammer Gänlas stellte wohl 1861 die Produktion ein. (1, Seite 216)

Die Grafenstein auf Hammergänlas
Seit 1757 gehörte der Hammer dem Johann Georg Graf. Dieser stellte im gleichen Jahr den Antrag, in den Adelsstand erhoben zu werden. "Aus seiner Eingabe ging hervor, daß er zu Oberweißenbach geboren und erzogen wurde und mit Gottes Gnade und Segen sowie durch eigene Klugheit und mühsame Arbeit in den Stand gesetzt worden war, zwei Landsassengüter (Anm.: es handelte sich um  Altneuhaus und Gänlas)  zu erwerben. Er bat den Landesvater um Verleihung des Prädikats Nobilitatis, damit er zu patriotischen Diensten fähiger werde und seinen Gütern und Geschäften besser vorstehen könne. Zugleich bat er, daß er außer mit dem Adelsprädikat auch mit dem Namen Johann Georg Graf von Grafenstein begnadigt werde. " (3, Seite 200)

Der bayerische Kurfürst
Max III. Joseph (reg. 1745-77)
kam der Bitte im Frühjahr 1758 nach:
aus dem Johann Georg Graf
war per Dekret nun
Johann Georg, Graf von Grafenstein
geworden.
Er ist der Stammvater
des Geschlechtes
derer von Grafenstein auf Gänlas.

"Als Johann Georg von Grafenstein 1757 den Hammer Gänlas kaufte, war er bereits Landrichter in Parkstein und seit 1740 verheiratet. In Altneuhaus wurden ihm zwei Söhne geboren. Johann Georg (jun.), welcher im Januar 1767 Nachfolger seines Vaters als Landrichter von Parkstein wurde, sowie Simon Andrä, der 1784 Landrichter in Auerbach wurde." (3, Seite 201)

Die Grabtafeln von Simon Andrä von Grafenstein und seiner Gemahlin Theres befinden sich in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Auerbach beim Übergang vom Chorraum zum Schiff.

"Durch Tüchtigkeit und glückliche Heirat vergrößerten die Grafensteins ihren Besitz in der Folgezeit erheblich. Im Jahre 1809 sind die Grafensteinschen Güter in (Anm.: Joseph Anton von)  Destouches „Beschreibung der Oberpfalz“ beschrieben. Sie bestanden aus:
1. Gänlas mit Schloß, einem Eisenhammer und einer Mühle, dazu 2 Gütern in Dörnlasmühle , 3 zu Haag, 8 zu Nunkas, 5 zu Wolframs und 3 zu Sackdilling.
2. Röthenbach mit 10 Häusern und 103 Einwohnern, Äckern, Wiesen, Waldungen und Weihern.
3. Krummenaab mit 43 Häusern und 284 Einwohnern, Wiesen, Wald und Weihern.
4. Kürmreuth mit 61 Häusern und 237 Einwohnern. Äckern, Wiesen und Waldungen."
(3, Seite 201)

Auch Altneuhaus
musste 1936
dem Truppenübungsplatz
weichen.
Der Ort stand etwa
im Bereich des heutigen
Südlagers Vilseck.

"5. Altneuhaus mit dem Hammergut, dem Birnhof, dem Mühlanwesen und dem Wirtsanwesen Kellerbühl, dazu Feldern, Wiesen, Weihern und Wald, eingeschlossen 93 Tagwerk Wald im Vilsecker Bürgerwald." (3, Seite 201)

Das 1758 verliehene Wappen
des Adelsgeschlechts
derer von Grafenstein:
"In Rot ein von zwei silbernen Lilien
begleiteter goldener Schrägrechtsbalken,
der mit einem schwarzen Löwen
belegt ist, welcher
einen silbernen Quaderstein
in den Pranken hält." (4, Seite 315)

"Allein die Hofmark Hammergänlas aus dem Jahre 1812 bestand aus folgenden Teilen:
1. dem Schloß mit den Gärten,
2. dem Brauhaus nebst Keller und Wohnung,"
(3, Seite 201)

Die Schloß-Bräu Gänlas
wurde 1724 gegründet.
Damals gehörte der Ort
der Familie
Schreyer von Blumenthal,
die das Gut 1669 durch Heirat
erworben hatte
und bis 1757 besaß.

"3. dem Malzhaus,
4. dem Hirtenhaus,
5. dem Jägerhaus mit angebauter Schmiedewerkstätte,
6. dem Wirtshaus,"
(3, Seite 201)

"7. dem Maierhaus mit Ökonomiegebäuden,
8. aus vielen Feldern, Wiesen, Wäldern und Weihern,
9. der oberen Hammerhütte,
10. der Zerrennhütte,
11. dem Hammerhaus nebst Gärtl,
12. dem Taglöhnerhaus,
13. einer Hammerschmiedewohnung,
14. einem Meilerbrennerhaus,
15. der Hammermühle mit Stall und Stadel,
16. dem Weberhaus,
17. der kleinen Jagd in Gänlas, Nunkas und Wolframs,
18. dem öden Hof in der Gemeinde Haag,
19. aus einem Lehen der Pfarrei Hopfenohe,
20. aus dem Haager Weiher zur Hälfte,
21. aus dem Wirtshaus in Haag mit vielen Feldern und Wiesen,
22. aus dem Tagwerkerhaus in Haag,
23. aus der niederen Gerichtsbarkeit,

24. vielen Reutmaßen, Gilten und Zehenten in Auerbach, Welluck, Nitzlbuch, Thurndorf, Sackdilling, Speckmühle und anderen Steuerdistrikten." (3, Seite 201)

Das Schloss
Hammergänlas
der Grafenstein
auf einer alten Postkarte ...

... und
von Nordwesten,
wo der große Schlossteich
vorgelagert war.

"Sämtliche Besitzungen waren allodial (Anm.: der Eigentümer konnte darüber frei verfügen und es frei vererben) und zehentfrei. Die jährliche Rittersteuer betrug 64 Gulden. Von 1308 -1812 mußte der Zehent des Dorfes und des Hammers Gänlas an das Kloster Michelfeld entrichtet werden." (3, Seite 201)

Bei der Ablösung ab 1936
im Zuge der Erweiterung
des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr
war ganz Hammergänlas
Eigentum der Familie von Grafenstein.
Das Gut gehörte wie schon gesagt
zur politischen Gemeinde Nunkas
und zur Pfarrei Haag.
Die Kinder gingen nach Haag in die Schule.

Am 1.4.1936 übernahm der Staat das gesamte Gut mit dem Hof Hub (Luisenhof). "189 Jahre saß hier die Grafenstein´sche Familie, 7 Generationen gingen hier ein und aus." (6, Seite 39)
Mit einem Teil des Geldes, das Dr. Adolf Rupert Gustav von Grafenstein bei der Ablösung von Hammergänlas  bekam, kaufte er die Löwenbrauerei in Grafenwöhr. Diese besteht heute nicht mehr.
Ein anderes, ebenfalls damals erworbenes Gut in Obersteinbach (Markt Taschendorf) bewirtschafte heute Enkel Christoph von Grafenstein mit seiner Familie.

verwendete Literatur

1 Schnelbögl, Fritz, Auerbach in der Oberpfalz, Auerbach 1976
2 Die Oberpfalz, ein europäisches Eisenzentrum - 600 Jahre Große Hammereinung, Band 12/1 der Schriftenreihe des Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern, Theuern 1987
3

Griesbach, Eckehart, Truppenübungsplatz Grafenwöhr, Geschichte einer Landschaft, Behringersdorf 1985

4 Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser, Gotha/Thüringen 1911, S. 315
5 Köstler, Joseph, Chronik von Auerbach, Band XXVI, Lagerort Rathaus Auerbach
6 Kopf, Josef, Die pfälzischen Hammergüter um Vilseck, in Die Oberpfalz, 1954
7 Treue, Goldmann und andere, Das Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung zu Nürnberg, Bildband, München 1965

Bad moon rising

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 23. Februar 2011

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