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Haager Chroniken
Das sehr umfangreiche Werk (über 500 Seiten) trägt den Untertitel Gewidmet den Alt-Haagern und allen Ausgesiedelten und ihren Nachkommen im 75. Jahr des Verlustes der Heimat. (Bezugsquelle, oder Frau Hammer in Vilseck, Tel. 09662 1212)
Das ehemalige Dorf
Das einstige Pfarrdorf Haag (Foto aus 3) oder wie es im Volksmund hieß „Hoch“ wurde 1938 ab- und aufgelöst, weil es im Kerngebiet der Erweiterungsfläche des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr lag.
Auf dieser alten Karte aus der Zeit vor der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr sind viele der ehemaligen Orte eingezeichnet. Von Haag entfernt lagen (Luftlinie) Auerbach gut 9 km nordwestlich (nw), Grafenwöhr ca. 10 km nordöstlich (nö), Eschenbach ca. 11 km nö, Kirchenthumbach ca. 9,2 km nördlich (n), Vilseck ca. 7,8 km südöstlich (sö), Hopfenohe ca. 5,5 km nw, Pappenberg ca. 4 km nö, Oberfrankenohe ca. 5 km n, Bernreuth gut 6 km westlich (w), Langenbruck knapp 4 km sö, Hellziechen knapp 2 km sö, Dornbach ca. 7,2 km nw, Ebersberg knapp 5,5 km w und Kaundorf ca. 2,5 km nw. (siehe auch BayernAtlas)
Ortsnamen und älteste
Geschichte
Auch einige der umliegenden Ortschaften haben in dieser über 400 Jahre alten Landkarte noch andere bzw. anders geschriebene Namen als heute. Haag entstand wohl, wie zahlreiche andere Ortschaften der Gegend, im 9./10. Jahrhundert als fränkische Gründung. Wahrscheinlich deshalb wird in den ältesten Zeugnissen die Ortschaft auch Frankenhag genannt.
Das Haus links, das sich wie die Kirche im Weiher spiegelt, trug die Nummer 46 (beim Binder) und wurde erst im 19. Jahrhundert von den Ostermanns (Nr. 7, beim Oazgrober) errichtet.
Ein weiteres altes Zeugnis über Haag stammt aus dem Jahr 1487. Am 3. Oktober jenen Jahres genehmigte der Bamberger Fürstbischof Heinrich III. Groß von Trockau (reg. 1487-1501) eine Frühmesse in der Kapelle des hl. Veit. (siehe hier)
Einzelne Anwesen in Haag Hausnummer 19, beim Wintertoni (früher beim Lenz)
Sterbebild des Wintertoni (aus 7)
Hieran arbeite ich noch!
Haag (Foto aus 3) war zuletzt eine selbständige
Pfarrei (erst seit 1876; vorher gehörte es zu Hopfenohe) und hatte selber eine
Schule, die wahrscheinlich zwischen 1554 und 1557 unter Kurfürst Ottheinrich
als „deutsche Schule“ gegründet worden war.
Die Anwesen von Haag lagen praktisch zu beiden Seiten der alten Reichsstraße 85, die hier gelb markiert ist. (grün ist die heutige B 85, rot die westliche Grenze des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr)
Archiv Richard Götz, Pegnitz
Haag war sozusagen der wirtschaftliche und der kulturelle Mittelpunkt für die ländliche Bevölkerung der umliegenden Ansiedlungen wie Dorfgänlas, Dörnlasmühle, Frohnhof, Hammergänlas, Hebersreuth, Kaundorf, Leuzenhof, Ober-, Unter- und Schlossfrankenohe, Sommerhau, Wolframs und Zeltenreuth.
Auch in Hebersreuth, knapp einen Kilometer westlich von Haag gelegen, wurden aus einst stolzen Anwesen (links) kümmerliche Ruinen (rechts). Beide Fotos zeigen nämlich das Anwesen Nr. 5 (Mätzner, Hausname "beim Bannat"), zu dem vor der Ablösung 140 Tagwerk Grund und eine Fischzucht mit 20 Tagwerk Fischwasser gehörten.
Die nächste Eisenbahnstation war der Bahnhof Langenbruck, ca. 6 km südöstlich gelegen. Arzt und Apotheke suchten die „Hocher“ in Vilseck auf. Rentamt (heute Finanzamt) und Amtsgericht lagen im ca. 9 km nordwestlich entfernten Auerbach, das zuständige Bezirksamt (heute Landratsamt) war in Eschenbach.
Archiv Richard Götz, Pegnitz
Hauptstraße von Haag um 1910 (Foto aus 7)
Das Halsgericht Auerbach
Diese Karte (5, Seite 63)
zeigt einmal den Umfang des Landgerichts Auerbach,
das z.B. bis vor die Tore Erlangens und Forchheims reichte. Das Halsgericht
Auerbach umfasste nur einen kleinen Teil des Landgerichtsbezirks. Die
Grenze des Halsgerichts Auerbach – der Galgen
stand auf dem Sandsteinfelsen Rabenstein (heutige Straßennamen Galgenberg und
Am
Rabensteig) – wird anno 1449 so beschrieben: Dorf Hage (Haag), wo Straß
von Pappenberg zur Hellziechen gehet – Hebersreut – Zentenreut –krumme
Linten – Meinfellt hinter Grunreut – Flus Pegnitz zu Berg bei Weidelwang –
zu Berg bei Hamer Legantz (Ligenz) Muledorrff (Mühldorf) – Krausmühle –
Newenzirckendorff – zwischen Dagmans (Tagmanns) und Höfleins (Höflas) –
Somerhave (Sommerau) – Ernstfelt - Portenreut – an der Frankenohe hinterm
Gnenleins (Gänlas) – Haag.
Wie bedeutend die Ortschaft Haag einst war zeigt auch die Tatsache, dass der Auerbacher Chronist Köstler ihm um 1900 ein Buch (mit über 300 Seiten) seiner 27bändigen handgeschriebenen Chronik gewidmet hat. (6) Eine leichter als das Original lesbare Transskription findet man in den Haager Chroniken. (8, Seite 165 ff)
Zeitzeugnis von 1898 (aus 4)
Die
Haager Bader
Die
Bader waren nicht nur für den Betrieb in der Badstube zuständig, sondern sie
entwickelten sich im Laufe der Zeit auch zu Heilkundigen, die zumindest kleinere
Blessuren behandeln konnten.
Hier arbeite ich noch!
Das
Ende von Haag
Die Hocher nahmen auch am großen Geschehen Anteil, wie diese Aufnahme (aus 1, Seite 114) vom Festzug am 1. Mai 1933 zeigt. (Das markante Gebäude hinten ist das Schulhaus.) Doch 1936 nahte das Ende: Das Reichkriegministerium
ordnete mit Erlass vom 28.2.1936 die umgehende Erweiterung
des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr nach Westen hin an. Mit dem Grunderwerb
und der Aussiedlung der Bevölkerung aus Haag und den anderen betroffenen
Ortschaften wurde die RUGES
(Reichsumsiedlungsgesellschaft) beauftragt.
In diesen Ortsplan von Haag (1, Seite 105) habe ich zur besseren Orientierung die Kirche St. Veit (HNr 40) gelb, das Pfarrhaus (HNr 16) rot, die Schule (HNr 41) grün und den Friedhof blau eingezeichnet. Das Bächlein Frankenohe fließt hier fast diagonal von links oben (Nordwesten) nach rechts unten (Südosten). Etwas weiter südwestlich davon lief fast parallel zur Frankenohe die Reichsstraße 85, deren Verlauf auf dem Luftbild noch gut zu erkennen ist.
Erhard Trummer von Nr. 27, genannt "der alt Dohler", schrieb sein
(2, Seite 32)
(letzter) Gruß aus Haag (aus 3)
Einige wenige Ruinen, der wiederhergestellte Friedhof, der Name „Dorfstelle Haag“ in (militärischen) Landkarten und diese Tafel erinnern an die uralte Ortschaft.
Diese Tafel steht seit kurzem vor dem alten Mühlweiher, der aber heute viel größer ist als bei der Ablösung des Dorfes.
verwendete und weiterführende Quellen
letzte Bearbeitung dieses Artikels am 1. Juni 2026
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