Landrichter
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Die Landrichter
von Auerbach

Mit der Verlegung des Landgerichts von Sulzbach nach Auerbach durch Kaiser Karl IV. im Jahre 1373 (18. August) wurden hier natürlich auch Landrichter tätig und ansässig. Zu jedem von ihnen gäbe es viel zu sagen und zu schreiben; es waren in ihrer Zeit wichtige Persönlichkeiten der Stadt und weit darüber hinaus.
Die folgende Aufstellung muss sich auf Weniges beschränken, will aber dennoch einen kleinen Einblick geben in die mittelalterliche Rechtssprechung und in die geschichtlichen Zusammenhänge - und dazu auch die eine oder andere unbedeutende menschliche Schwäche der hohen Herrn einfließen lassen.

Das nebenstehende Siegel aus der Zeit, als das Landgericht noch in Sulzbach war, gebrauchte der Landrichter weiter, als er 1373 nach Auerbach umzog. Es zeigt den böhmischen König als Gerichtsherrn mit der Wenzelskrone. Die Umschrift lautet: "+ S IUDICII PROVINCIALIS TRANS SILVAM REGNI BOHEMIE" (Siegel des Landgerichts Böhmen jenseits des Waldes) (2, Seite 312)

1373 Wernt von Breitenstein, königlich-böhmischer Landrichter und Pfleger in Auerbach. Er zog vom bisherigen Amtssitz Sulzbach an das neu geschaffene Landgericht Auerbach.
Das Wort "pflegen" bedeutete im Mittelalter soviel wie  "verwalten"; ein "Pfleger" war also ein Verwalter. von Breitenstein war bis 1383 im Amt.
Henricus Schrabanz wird gleichzeitig als "Kastner" genannt. 
Der "Kastner" war der Verwalter des "Kastens", also des Gebäudes, in welchem die in Naturalien abgelieferten Abgaben wie der Zehnt lagerten. Das "Kastenamt" war somit praktisch das mittelalterliche Finanzamt. Es war untergebracht in dem Gebäude im Schlosshof, das im Volksmund "alte Münze" genannt wird.
1383
Ratzig von Schönanger
Außer dem Namen ist von ihm nichts überliefert
1386
Ulrich Weissenberger, Burgmann zu Thurndorf und Landrichter von Auerbach.
Im Oktober des Jahres 1400 endete die Amtszeit von  Weissenberger als böhmischer Landrichter, da König  Wenzel abgesetzt, damit die böhmische Herrschaft beendet und Auerbach pfälzisch wurde. "Als unter Kaiser Ruprecht die böhmischen Gebietstheile in Bayern zum Hause Pfalz zurückgebracht wurden, folgte auch das Landgericht Auerbach der neuen Gebietsherrschaft." (3, VHVO VI, 1841, Seite 254f)
1400
Ludwig von Eppingen, pfälzischer Landrichter von Auerbach; 1404 war er auch Pfleger der Ämter Holenberg und Auerbach und Landschreiber in Eschenbach. Unter seiner Amtszeit wurden anno 1404 zwei Diebe in Eschenbach am Galgen erhängt.

Ab 1400, dem Jahr der Vertreibung von König Wenzel und der Einnahme Auerbachs durch Ruprecht von der Pfalz, führte der Auerbacher Landrichter dieses Wappen.
Es zeigt im Schild über dem Auerochsen das gevierte pfälzische Wappen. Seine Umschrift: "SIGILLUM IUDICII PROVINCIALIS IN AURBACH" (Siegel des Landgerichts Auerbach) (2, Seite 312)

1405

Albrecht von Eglofstein, Pfleger und Landrichter zu Auerbach. Zu ihm kam gleich zu Beginn seiner Amtszeit der Michelfelder Abt Dyetreich (Dietrich) von Zuderreit (1375-1406) und wollte die Abschrift einer Urkunde von 1360. Auch der Nachfolger in der Leitung des Benediktinerklosters Michelfeld, Abt Heinrich III. von Truppach (1406-36), verlangte eine solche, wie wir heute sagen würden, "beglaubigte Abschrift" einer alten Urkunde von 1293.

1410
Hermann vom Breitensteyn versah nur kurz das Landrichteramt zu Auerbach
1411
Albrecht von Freudenberg, Pfleger und Landrichter zu Auerbach. Er sprach dem Michelfelder Abt Heinrich das Eigentumsrecht über den Hammer Ziegelmühle, den heutigen Staubershammer, zu.
1414


Hans von Eglofstein, Ritter, Pfleger und Landrichter in Auerbach. Er erteilte z.B. 1426 einem Paulus Voigt die Versicherung, dass sein von Linhard Watzmannstorffer in Alpretzhof (wohl Albertshof im Landgericht Sulzbach) zusammen mit der der Wiesmad gekaufter Weiher nun sein Eigentum sei.
Die Vorlage von Kaufurkunden und Bestätigung derselben durch das Landgericht war damals eine oft getroffene Sicherheitsmaßnahme, denn ein Grundbuch im heutigen Sinn gab es noch nicht.

1428


Hans von Parsberg; in seiner Amtszeit kamen anno 1430 die Hussiten ins Land, plünderten die Stadt Auerbach im Februar dieses Jahres und brannten sie weitgehend nieder. In der Schlacht bei Hiltersried 1434 wurden sie besiegt. 

1434


Martin von Wildenstein, "goldener Ritter" genannt; er war 1444-48 Statthalter des dänischen Königs Christoph in der Oberpfalz.


1438


Ritter Hans von Eglofstein, Landrichter zu Auerbach.

Die Eglof(f)stein tauchen immer wieder als Landrichter in Auerbach auf; ihr Stammsitz existiert heute noch. In ihrem Wappen haben die Egloffstein seit fast 700 Jahren einen schwarzen Bärenkopf, den natürlich auch die Auerbacher Landrichter aus diesem Geschlecht führten.







1440


Ritter Hartung von Eglofstein, Landrichter zu Auerbach.
Mehr über die Egloffstein findet man auch bei Gunzendorf, denn dort waren diese 1680 bis 1808 Hofmarksherrn.

1458


Ritter Hans Heinrich von Künsperg (oder Kindsperg), Landrichter zu Auerbach. Von ihm ist u.a. ein Contumacial-Urteil von 1463 erhalten "auf das Gut und Erb, genannt die Harlach". (Horlach, heute zur Stadt Pegnitz gehörig) Die Künsberg saßen auch lange Jahre in Gunzendorf, das seit 1978 Ortsteil von Auerbach ist.

1465


Landgraf Ludwig von Leuchtenberg fungiert als Landrichter zu Auerbach. "anno 1468 an des Evangelisten Matthäus Tag war der Landesfürst Pfalzgraf Otto I. in Aurbach."

1476


Veit von Schaumberg, Landrichter von Auerbach. Er wird auf Anordnung des Herzogs Otto zeitweilig von Alexander von Wildenstein zu Thurndorf vertreten, z.B. bei einem Richterspruch 1476 in der Sache Hanns Zudenreuter von Zudenreut (heute Zogenreuth) gegen Ulrich Stromer wegen des Hammers Fischstein. Ulrich Str. war wohl ein Vetter des Urgoßvaters von Dr. Heinrich Stromer, dem Begründer von "Auerbachs Keller" in Leipzig.

1480
Dietz Marschalk zu der Schnay von und zu Rabeneck, Landrichter und Pfleger zu Auerbach. Unter ihm wurde "i.J. 1485 eine Streitsache über eine Wasserleitung anhängig, welche sowohl wegen des damaligen Gerichtsverfahrens als auch wegen des Rechtsgrundsatzes besonders bemerkenswert seyn dürfte. Hans Zudenreuter zu  Zudenreut klagte gegen die ganze Gemeinde zu Altenzirkendorf ... aus dem Grunde, weil ihm das Wasser aus einem in jenem Dorfe entspringenen Wasserflusse entzogen würde, dessen  seine Altvorderen und er selbst zu seiner Erbmühle aus dem rechten Erbflusse ohne alle Irrung sich gebraucht hätten". (3, VHVO VI, 1841, Seite 267)

1492


Ritter Balthasar von Seckendorff, Nold genannt, Landrichter zu Auerbach. Er bzw. sein Sohn Friedrich Joachim baute Ende des 15. Jahrhunderts die Burg Weisendorf wieder auf.
(rechts das Wappen derer von Seckendorff)
Getreu seinem Amtseid stand Balthasar schon vor Ausbruch des eigentlichen Landshuter Erbfolgekriegs auf Pfälzisch-Landshuter Seite. Die Gegenpartei unter Führung von König Maximilian I. wurde u.a. von der Reichsstadt Nürnberg mit einem Söldnerheer unterstützt, das schon ein Jahr vor Kriegsausbruch die Stadt Velden besetzte.
Seckendorff war, "wie alle Landrichter, ein rauher Kriegsmann, der 1504 im Landshuter Erbfolgekrieg 32 Höfe und Dörfer der Stadt Nürnberg niederbrennen ließ und mit seiner Auerbacher Landwehr auch die Stadt Velden einnahm." (1, Seite 91) Ritter von Seckendorff ließ in Velden "11 Bürger erwürgen; den Bürgermeister Lorenz Gebel entleibte er mit eigener Hand. 22 Bürger wurden als Gefangene nach Auerbach geführt. Dann wurde das Städtchen zur Plünderung freigegeben und angezündet. Nur die Kirche und der Pfarrhof blieben unversehrt". (4, Seite 61 f)


1509


Weiprecht von Künsberg, Landrichter in Auerbach

1511


Christoph von Stein, Landrichter zu Auerbach
Er soll anno 1518 in einem Anfall von Jähzorn seinen Amtsschreiber Paul Leibenecker erstochen haben.
In die Amtszeit des Landrichters von Stein fällt mit dem Thesenanschlag vom 31.10.1517 der Beginn der  Reformation. Dr. Heinrich Stromer aus Auerbach wurde ein früher und eifriger Anhänger der neuen Lehre und brachte dieses Gedankengut vielleicht auch in seine Vaterstadt.
1522
Adam von Freudenberg, Landrichter zu Auerbach
Der 1524 ausgebrochene Bauernkrieg berührte auch das Landgericht Auerbach mit seinen Orten und brachte Schrecken und Not über die Menschen.
1533
Ludwig von Eyb zu Thurndorf, Landrichter in Auerbach
Am Ostersamstag 1533 (12. April) war der Bauer Pankraz Gebhardt aus Holenberg auf dem Heimweg von Pegnitz mit dem Bauern Kunz Haberberger von Kosbrunn in Streit geraten und hatte diesem eine Hacke an den Kopf geworden; Haberberger starb am nächsten Tag an den Folgen. Das Problem war, dass die Tat im Pegnitzer Gerichtssprengel geschehen war, der Täter aber im Auerbacher Landgericht wohnte. Der Pegnitzer Amtmann fiel deshalb kurzerhand mit mehreren Bewaffneten in Holenberg ein und nahm den Gebhardt gefangen. Landrichter von Eyb protestierte vergeblich gegen diesen Übergriff und ließ nun seinerseits am 7. Juni den Pegnitzer Bader Hans Schlegel mitsamt zwei Pferden auf offener Straße gefangen nehmen. Dies veranlasste den Pegnitzer Amtmann, am nächsten Tag mehrere Auerbacher Bauern und deren Pferde einsperren zu lassen. Schließlich verständigte man sich, ließ die beiderseitigen Geiseln frei und sprach über den Delinquenten in Pegnitz das Urteil.
1543
Wolf von Krelzhaim (Crailsheim); er war zunächst nur für das Landgericht Auerbach zuständig. 1544 starb Kurfürst Ludwig V., ein Katholik. Sein Bruder und Nachfolger, Kurfürst Friedrich II. dagegen begünstigte das Luthertum in seinem Herrschaftsgebiet. Friedrich ernannte den Wolf von Krelzhaim zusätzlich auch zum Landrichter von  Eschenbach. Christoph von Gich war dessen Vertreter im Abwesenheitsfall.

1546

Georg Sebastian von Crailsheim, Landrichter in Auerbach

1552

Sebastian von Erlbeck zu Rosenberg, Landrichter zu Auerbach

1554


Ritter Wolf von Rabenstein, Landrichter zu Auerbach
Kurfürst Friedrich II. starb 1556, sein Nachfolger wurde Ottheinrich (rechts), "ein feuriger Lutheraner", wie Zeitgenossen berichten. Er führte gleich im 1. Jahr seiner Regentschaft die kurpfälzische Kirchenordnung ein, die außer der Unterbindung noch bestehender katholischer Traditionen die vielen Sonderentwicklungen der Reformation vereinheitlichen sollte. Zugleich hob er die Klöster in seinem Land auf, darunter auch Michelfeld, Speinshart und Weißenohe.

1560


Christoph Jakob von Plassenburg, Landrichter zu Auerbach
Der neue Kurfürst Friedrich III. wollte unbedingt den Calvinismus in seinem Land und damit auch in Auerbach einführen. Dessen Bewohner wehrten sich entschieden dagegen, und auch die kurfürstlichen Beamten zeigten keine große Begeisterung für die Lehre des Johannes Calvin und die Bilderstürmerei.
1566
Alexander von Pflug zu Thurndorf, Landrichter in Auerbach
Auch er tritt nur sehr gemäßigt für die Einführung des Calvinismus ein.
1573
Soldan von Wirsberg auf Waldthurn, Landrichter zu Auerbach; bei Abwesenheit vertrat ihn der Forstmeister Martin Froberger.
Er kam den kurfürstlichen Anordnungen zu Durchsetzung des Calvinismus, zur "Ausrottung allen Götzenwerks und des Papsttums" nur ganz zögerlich nach und musste sich dafür vor der Regierung verantworten. Zu seiner Verteidigung brachte er 1574 vor, dass er sich in geistlichen Sachen ganz und gar nicht auskenne und sich aus den Religionssachen heraushalten wolle. Wenn man ihn aber für einen Feldzug brauche mit sechs oder mehr Pferden, dann sei er mit Büchsen und Harnisch in seiner Rüstkammer wohl "ausstaffiert". Er wolle sich auch gern mit "Leib und Gut" für seinen Fürsten einsetzen. "Das ist meine Theologia!", soll er dem Kurfürsten gesagt haben.
Nach dem Tod von Friedrich III. 1576 wurde dessen Sohn Ludwig neuer Kurfürst. Er hob die Calvinisierung auf und ließ die Bevölkerung wieder lutherisch werden.
1582
Wolf Wilhelm von Wildenstein von und zum Wildenstein, Landrichter zu Auerbach
1583 starb Kurfürst Ludwig VI. von der Pfalz. Sein Sohn Friedrich IV. folgte ihm als Landesherr und wollte den Menschen wiederum den Calvinismus aufzwingen. 
1587
Georg von Ruestorf (Rusdorf), Landrichter in Auerbach
Wegen der Zwangseinführung des Calvinismus brachen in der ganzen Oberpfalz heftige Unruhen aus, besonders in Neumarkt, Amberg, Hirschau und Hahnbach. In Tirschenreuth wurde deshalb der kurfürstliche Hauptmann Valentin Windsheim erschlagen und in Nabburg der Beamte Breitschedl in bestialischer Weise ermordet. In Auerbach kämpfte die Bürgerschaft unter Führung des gelehrten und hochangesehenen Stadtschreibers Paulus Negelein leidenschaftlich für die Beibehaltung des lutherischen Bekenntnisses. Negelein schimpfte den Landrichter "einen ledigen, losen Gesellen, der seinem Ambte viel Abbruch thut". Ruestorf wurde 1594 nach Murach versetzt. Sein Sohn Johann Joachim wurde ein berühmter Diplomat
1594
Claus Heinrich von Eberbach, kurfürstlicher Rat und Landrichter zu Auerbach
Er war ein nichtadliger "Emporkömmling" aus Thüringen, der durch seine Vermählung mit der Witwe des letzten Herren von Handschuhsheim, eines ebenfalls Niederadligen, Zugang in den Kreis der kurpfälzischen Ritterschaft erlangte. Da sein Bruder als  Oberkanzler am kurfürstlichen Hof zu Heidelberg sehr einflussreich war, wurde auch er öfter für diplomatische Geschäfte eingesetzt. 1598 vertrat er sogar den abwesenden kurfürstlichen Statthalter in Amberg. Um diese Zeit wurde Landrichter Eberbach auch Oberjägermeister der Oberpfalz und damit deren höchster Forstamtsmann. Als solcher soll er den Hof in Sackdilling gegründet haben. Kurfürst Friedrich VI. kam mindestens zweimal nach Auerbach, sein Statthalter in Amberg Fürst Christian zu Anhalt noch öfter. Bei einem kurfürstlichen Besuch anno 1596 wurde die Tropfsteinhöhle bei Krottensee näher in Augenschein genommen.
1607
Burkhard von Erlbach, Landrichter zu Auerbach
Als Kurfürst Friedrich VI. 1608 in Anhausen Führer der protestantischen Union wurde, stellte er seine Calvinisierungspläne zurück und die religiösen Streitigkeiten und vor allem Zwänge traten in den Hintergrund.  
1611
Friedrich von Thun, Landrichter zu Auerbach
Er war vorher Pfleger auf Veldenstein und Calvinist.
In seiner Amtszeit war die kurfürstliche Regierung vom August 1613 bis zum Frühjahr 1614 nach Auerbach übergesiedelt, weil in Amberg die Pest ausgebrochen sein soll.
1614
Balthasar Jakob von Schlammersdorf auf Hopfenohe, Landrichter und Gouverneur zu Auerbach
Er ist sicher eine der schillerndsten Personen im Auerbacher Landrichteramt. So nahm er unter Kurfürst Friedrich V. (1610-1621) von der Pfalz und nachmaligem „Winterkönig“ an der Schlacht am „Weißen Berg“ kurz vor Prag am 8. November 1620 teil. Als Maximilian I., Herzog von Bayern (1597-1651), im Jahre 1621 die "Obere Pfalz", d.h. einen Teil der heutigen Oberpfalz bekam, ließ er über den Schlammerstorfer die Acht  erklären. Dieser trat 1626 als dänischer Oberst in der Schlacht bei Lutter auf, 1627 als Straßenräuber bei Burgtann, 1629 als schwedischer Agent in Nördlingen, dann als Oberhauptmann in Neustadt an der Aisch, wieder als Straßenräuber zwischen Nürnberg und Neumarkt und 1632 schließlich als Generalmajor der Stadt Nürnberg. Mit dem Schwedenkönig Gustav II. Adolf zog Schlammerstorf über Landshut und Augsburg nach München.
Er rühmte sich gern seiner Kriegsheldentaten und unterschrieb stolz: „Balthasar Jakob von Schlammerstorf auf Hopfenohe, der Krone Schwedens und der Stadt Nürnberg wohlbestallter Generalmajor“. (rechts das Familienwappen derer von Schlammersdorf)
In seinem Landrichteramt in Auerbach ließ sich der "Weltenbummler" wegen häufiger Abwesenheit öfter vertreten.
Der 30-jährige Krieg war seit 1618 voll im Gange und ließ natürlich auch die Obere Pfalz und Auerbach nicht unverschont: die Bayern unter ihrem Oberstleutnant von Erff hatten am 10. Oktober 1621 Auerbach eingenommen und die ganze Stadt geplündert.

1621


Ab diesem Zeitpunkt galt in Auerbach zunächst das militärische Standrecht und der in der hiesigen bayerischen Garnison kommandierende Obrist war zugleich auch für Verwaltung und Rechtsprechung zuständig. Erst am 2. Juni 1622 wurde ein neuer Landrichter eingesetzt.
1622
Hans Leonhard von Leoprechting aus Eulenbach, Landrichter zu Auerbach
Er hatte von Anfang an den Befehl dafür zu sorgen, dass die Bewohner seines Bezirks wieder zum katholischen Glauben zurückkehrten, den sie knapp 100 Jahre vorher aufgeben hatten müssen.
Maximilian, der 1621 mit seinen Truppen die Oberpfalz besetzt hatte, bekam 1623 von Kaiser Ferdinand II. die vormals pfälzische Kurwürde und 1628 schließlich die Obere Pfalz als Ersatz für seine Kriegskosten. Er wollte unter allen Umständen das katholische Bekenntnis bei seinen Untertanen wieder einführen, und der Landrichter hatte dabei tatkräftig mitzuwirken. Zum gleichen Zweck war bereits im Spätherbst 1621 ein Jesuitenpater nach Auerbach gekommen. Dieser "Feldpater" hielt in der Pfarrkirche vor allem für die katholischen bayerischen Soldaten Messen, predigte und spendete die Sakramente.
1629
Eitel Hans Truchsess von Höffingen auf Krehsbach, Landrichter und Kriegshauptmann in Auerbach
Er führte die sog. Gegenreformation konsequent durch und soll in seiner Amtsführung ein Tyrann und Barbar und insgesamt von geringer Bildung gewesen sein. Auch soll er sich an verschiedenen Kriegszügen beteiligt haben und z.B. auch dabei gewesen sein, als 1638 die benachbarte Stadt Creußen überfallen und eingeäschert wurde.
1637
Christoph Albert von Satzenhofen auf Fuchsberg, Landrichter zu Auerbach
Im Vergleich zu seinem Vorgänger soll er ein sehr freundlicher und "väterlicher" Amtsinhaber gewesen sein. Aus gesundheitlichen Gründen - "er laborierte am leidigen Stein" - ließ er sich 1646 auf das kleinere Landgericht Tännesberg in der Nähe seines Guts Fuchsberg versetzen.
1646
Johann Jakob Handlos, Landrichter zu Auerbach
Bei ihm findet man erstmals den Vermerk, dass er ein studierter Jurist in diesem Amt war.
1650
Hans Heinrich von Lemingen auf Kulmain, Rittmeister und Landrichter in Auerbach
1660 wurde er auch Kastner
1684
Johann Bartl von Wendern, Rittmeister, Landrichter und Kastner in Auerbach
Er wurde am 10. März 1684 in sein Amt eingesetzt, fiel aber bereits im gleichen Jahr im sog. "großen Türkenkrieg" (1683 bis 1699) in der Schlacht bei Komoru in Ungarn.
1684
Heinrich Wilhelm von Lützelbourg, Landrichter, Kastner und Kriegshauptmann in Auerbach (vielleicht von hier)
Im Zusammenhang mit den Türkenkriegen wurde Auerbach nun Sitz einer ständigen Reitertruppe, an deren Spitze der Landrichter stand.
Als Heinrich Wilhelm Ende September 1688 starb, wurde sein Sohn auch sein Nachfolger.
1688
Freiherr Otto Ludwig von Lützelbourg, Landrichter, Kastner und Hauptmann in Auerbach
Im Zuge des spanischen Erbfolgekriegs fand am 24. Mai 1703 im Gebiet des Landgerichts bei Krottensee (ca. 8 km südwestlich von Auerbach, heute Ortsteil der Marktgemeinde Neuhaus an der Pegnitz) eine größere Schlacht statt. Österreichische Truppen besetzten daraufhin die Oberpfalz. Landrichter von Lützelbourg musste fliehen und es dauerte bis 1708, ehe das Landrichteramt wieder besetzt wurde.
1708
Franz Friedrich von Tressendorf auf Altenweiher, pfälzisch-neuburger Landrichter in Auerbach
Die Österreicher traten 1708 die Obere Pfalz und damit auch das Landgericht Auerbach an das Fürstentum Pfalz-Neuburg ab, welches wieder einen eigenen Landrichter einsetzte.
Der Sitz des von Tressendorf, Altenweiher, lag etwa 15 km südöstlich von Auerbach und wurde bei der Erweiterung des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr aufgelöst.
1713
Johann Wilhelm Pfister, pfälzisch-neuburger Landrichter in Auerbach
Durch den Frieden von Rastatt 1714 kam die Obere Pfalz wieder an das Kurfürstentum Bayern zurück und Landrichter Pfister musste abdanken, obwohl, wie es heißt, er gern in bayerische Dienste getreten und in Auerbach geblieben wäre.
1714
Freiherr Otto Ludwig von Lützelbourg, Landrichter, Kastner und Hauptmann in Auerbach
Dieser war ein gutes Jahrzehnt vorher abgesetzt worden und kehrte nun wieder in sein Amt zurück. 1720 wurde das Auerbacher Schloss in eine Kaserne umgewandelt; der Landrichter behielt einen Amtsraum darin, wohnte aber  schon seit dem Jahr 1716 im Haus Nr. 65 (heute Pfarrstraße 6; zeitweise Mädchenschulhaus), das die Stadt erworben hatte.
Landrichter von Lützelbourg wurde 1722 zum Landoberst, Pfleger und Kommandeur der Festung Hartenstein (gut 15 km südwestlich von Auerbach) ernannt, wohnte aber meistens noch in Auerbach, wo er 1739 starb.
1722
kam das Landrichteramt Auerbach in erblicher Weise an Wolfgang Wilhelm von Blumenthal auf Hammer Gänlas (bei Haag, heute Truppenübungsplatz Grafenwöhr) und dessen Nachkommen, wo es bis 1784 verblieb.
Die Freiherrn von Blumenthal übten das Amt allerdings nicht immer selber aus und nannten sich deshalb dann auch nicht Landrichter, sondern "Administratoren des Landgerichts Auerbach". Während sie selber meist als Regierungsräte in Amberg tätig waren und dort auch wohnten, besetzten sie das Landgericht mit gelernten Juristen. Diesem Stellvertreter oder wie es damals hieß "Kommissär" zahlten sie einen Hungerlohn, während sie selber ihre Taschen füllten.
Als Landgerichts- und Kastenamtskommissäre wirkten in jenen Jahren:
1722
Regierungskanzlist Johann Ulrich Schedlmann, jur. utr. lic. von Amberg
Er kehrte wegen der geringen Bezahlung wieder auf seinen alten Posten nach Amberg zurück.
1730
versahen die Freiherrn von Blumenthal persönlich das Landgericht Auerbach
1740 Joseph Anton Zwick, Landgerichtsverwalter und Kastenamtscommissarius in Auerbach
1747
Max Joseph Erhard, Landgerichts- und Kastenamtskommissär
1757 wurde er vorübergehend durch den Dr. beider Rechte Johann Michael Fischer vertreten. Das Amtszimmer des Landgerichts war weiterhin im Schloss, das ja seit 1720 Kaserne war.


1755-67 wohnte Landgerichtskommissär Erhard
in Haus Nr. 223 (heute Unterer Markt 34; 2. Haus von links)

1765
Johann Wolfgang Falkner von Sonnenburg auf Döllnitz, funktionierender Landrichter und Kastner in Auerbach
Er war vorher bereits Gerichtsschreiber gewesen. Da das ehemalige Schloss inzwischen baufällig geworden war, verlegte er die Amtsräume in sein Wohnhaus Nr. 65 (heute Pfarrstraße 6)
Als Landrichter von Sonnenburg 1784 starb, wurde, um eine Pension für sie zu sparen, das Landgericht seiner Witwe übertragen mit der Auflage, dass sie einen "gelernten Juristen" ehelichen müsse; ihre Wahl fiel auf den Simon Andrä von Grafenstein, der damals erst 32 Jahre alt, jünger als sie selber und schon seit 10 Jahren Regierungsrat in Amberg war.

1784



Simon Andreas von Grafenstein, Landrichter in Auerbach
Sein Vater hatte 1757 das Gut Gänlas (heute im Truppenübungsplatz Grafenwöhr) von der Familie Blumenthal von der Gant weg erworben.
Amts- und Wohnsitz war weiterhin Haus Nr. 65, das deshalb auch den Namen "Landgericht" trug.

Im Jahre 1785 starb der bisherige Erblandrichter Freiherr Joseph von Blumenthal in Wien und die Regierung erklärte das Privileg des Erbrechts für erloschen. Kurfürst Karl Theodor entließ am 8. August 1785 den Landrichter von Grafenstein, weil er noch vom verstorbenen v. Blumenthal angestellt worden war, und ernannte den Baron von Kronegg als seinen Nachfolger.
In der Pfarrkirche Auerbach ist links am Übergang vom Schiff zum Chorraum der Grabstein der Theres Grafenstein, "verwittibte Landrichterin zu Auerbach". Sie liegt "an der Seite ihrer beden Ehegatten".
"Grafenstein war nun zweimal betrogen: Er hatte gewähnt, ein erträgliches Amt mit anhängender Schachtel zu erheiraten und mußte nun sehen, wie ein anderer das Amt nahm und er die leere alte Schachtel an den Rockschößen hatte." (1, Seite 15 Seite 15 f)

Sein Stiefsohn aus der ersten Ehe seiner Frau, Jakob Falkner von Sonnenburg, hatte schon 1792 vom Kurfürsten die Anwartschaft auf das Landrichteramt Auerbach erhalten. Als aber von Grafenstein anno 1800 starb, erkannte der neue Regent dies nicht an und Jakob ging bei der Neubesetzung leer aus; er wurde 1818 Bürgermeister von Auerbach.

1800


Peter Krembs, Regierungsadvokat und Stadtsyndikus von Sulzbach wird Landrichter von Auerbach. Zugleich wurden Landrichter- und Kastenamt wieder getrennt. Neuer Kastner wurde der bisherige Gerichtsschreiber, Oberungelter und Kastenamtsgegenschreiber Joseph von Paur. (Ungelt oder Ungeld war eine Verbrauchssteuer, insbesondere auf Getränke, die der Ungelter als kurfürstlicher Beamter einzog.)

1804


In diesem Jahr wurde das Landgericht Auerbach aufgehoben und Landrichter Krembs nach Waldmünchen versetzt. Das Kastenamt wurde in Rentamt umbenannt; seit 1920 heißt es Finanzamt.

Doch nach kurzer Unterbrechung sollte das Landgericht nochmals für einige Jahre nach Auerbach zurückkommen.

1842 Peter Norbert Dachs, Landrichter zu Auerbach
1853
Carl Fridrich August May, Landrichter zu Auerbach
Er stammte aus Dinkelsbühl, war zuvor in Nittenau Assessor und lebte nach seiner Pensionierung 1862 auf der Burg Veldenstein, wo er 1873 starb.

1862 wurde in Bayern Verwaltung und Justiz getrennt: das Landgericht Auerbach wurde endgültig aufgelöst und an seine Stelle ein Amtsgericht eingeführt, für die Verwaltung wurde im 20 km entfernten Eschenbach ein Bezirksamt geschaffen. Die Stadt Eschenbach war dann bis 1972 Sitz des gleichnamigen Landkreises, zu dem auch Auerbach gehörte.

Mit Carl May endete 1862 somit die lange Reihe der Auerbacher Landrichter, die 1373 mit Henricus Schrabanz begonnen hatte.

benutzte Quellen

1 Köstler, Joseph, Kirchen- und Schulgeschichte von Auerbach, 27 handgeschriebene Bände, Band VII, Seite 87 ff
2 Schnelbögl, Fritz, Auerbach in der Oberpfalz, Auerbach 1976
3 Verhandlungen des Historischen Vereins für Oberpfalz und Regensburg, verschiedene Jahrgänge
4 Walter, Siegismund, Weisendorfer Chronik, 1988

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letzte Bearbeitung dieses Artikels am 10. April 2010

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