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Die Malerfamilie Wild

Die ersten namentlich bekannten Auerbacher Künstler, von denen viele Werke wir heute noch bewundern können, waren die Wild.
Woher und wann genau diese Familie nach Auerbach siedelte, wissen wir nicht genau. Sie scheint aber mindestens schon seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts in der Stadt zu sein. Vielleicht war der Pflasterer Hans Wild, der von 1614-1629, also kurz vor dem Ausbruch des dreißigjährigen Krieges (1618-48) hier als wohnhaft genannt ist, der erste dieses Geschlechts in Auerbach.
Die Wild waren auf jeden Fall ein gutes Jahrhundert lang, von etwa 1650 bis um 1760, in Auerbach als Künstler, insbesondere Maler, nachweisbar. Schon um 1700 zog ein Zweig der Familie nach Kemnath, wo das Geschlecht lange blühte und bis ins 20. Jahrhundert wirkte. Der in Auerbach verbliebene Teil konnte es sich dank seiner Erfolge leisten, um 1752 in die viel versprechende Haupt- und Regierungsstadt Amberg zu übersiedeln. Die Wild bekamen dort große Aufträge und gelangten zu hohem Ansehen und beträchtlichem Vermögen.

Georg Wild
Von 1653 bis 1706 war Georg Wild, der Stammvater der Auerbacher Familie sozusagen, Besitzer des Hauses Nr. 65 (heute Pfarrstraße 6, Bock) in Auerbach. Dieses Haus hat eine reiche Geschichte.

Erster namentlich bekannter Besitzer von Haus Nr. 65 ist Georg Heber, Hammermeister von Gänlas und Bürgermeister (1600-1616) von Auerbach. Die Heber mussten, weil sie nicht wieder katholisch werden wollten, 1628 die Stadt verlassen und zogen nach Nürnberg. Das Haus gehörte dann dem Apotheker Conrad Weigl, der es 1653 dem Georg Wild verkaufte. Von den Wild erwarb 1716 die Stadt das Anwesen um 1.500 Gulden, „um für den Landrichter (damals Freiherr von Lützelbourg) eine Wohnung zu haben, weil das Schloß zu einer Kaserne umgewandelt wurde.“ (1, Seite 206)

Weitere Besitzer waren dann u. a. die Landrichter Falkner von Sonnenburg und von Grafenstein. Die Stadt Auerbach, die das Haus 1842 wieder erwarb, veräußerte es 1866 an den Staat, kaufte es aber 1904 wieder zurück, als das Gericht in das neuerbaute Haus Nr. 298 (heute Oberer Torplatz, Dienstgebäude der Landespolizei) zog. Von 1904 bis 1950 diente das große Gebäude als Schul- und Lehrerwohnhaus, "Mädchenschulhaus" genannt. 1960 erwarb die Familie Bock „den ehrwürdigen Altbau und entkernte ihn mit Einverständnis des respektlosen Stadtrats samt seiner Gewölbe, Stuckdecken und barocken Treppenaufgängen.“ (1, Seite 208)

„Seit 1661 sind Malwerke
von Georg Wild bekannt.
In diesem Jahre malte er
in der Kirche zu Untertrubach
bei Egloffstein
nicht mehr vorhandene Bilder
an die Emporenbrüstung."
(2, Seite 188; Foto W. Kirsch,
vor Renovierung 1936)

"In den folgenden Jahrzehnten führte er in verschiedenen Kirchen, auch in der Schnaittacher Gegend, Malereien aus." (2, Seite 188)

Georg Wild
war z.B. 1688/89
an der barocken
Um- und Ausgestaltung
der katholischen Pfarrkirche
"Maria Himmelfahrt"
in Neunkirchen am Sand beteiligt,

Georg Wild "muß schon weites Ansehen genossen haben. Bei der Taufe des Johann Martin, der sich später in Kemnath niederließ, am 10. Mai 1666, gibt der Pfarrer im Taufbuch dem Vater des Kindes den ehrenden Titel „Herr“ (Herr Georg Wild, Mahler), eine Auszeichnung, die den Auerbacher Bürgern in der Regel nicht zuteil wurde.“ (2, Seite 188)
Georg Wild war ein vielseitiger Künstler, der neben der Ölmalerei auch in Fresko arbeitete. Mehr noch: Im Auftrag der Amberger Regierung schuf er 1681 drei Abrisse „des sog. Jagdbogen wider das Landgraftum Leuchtenberg“, also kleine Landkarten über den Besitz der Leuchtenberg. Solche damals „Grenzrisse“ genannten Karten hatte er schon 1679 gefertigt. "In älterer Zeit kam es öfter vor, daß Kunstmaler gewissermaßen auch als Geometer tätig waren, indem sie mit der Fertigung von Plänen und Skizzen kleiner Landschaften, ja sogar mit der Herstellung ganzer Landkarten betraut wurden." (2, Seite 188)

Thomas Wild
Sohn Thomas* Wild, geb. 3. Oktober 1675, übernahm zusammen mit seinem Schwager, dem Maurermeister Johann Dorner, 1706 das väterliche Anwesen.
*„In den Kirchenbüchern wurde er auch als Johann Thomas geführt, gerufen hat man ihn aber nur Thomas. Im 17. und 18. Jahrhundert fügte man gerne dem eigentlichen männlichen Vornamen noch den Namen des Täufers St. Johannes bei. Ebenso hörte der Sohn des Thomas Wild nur auf Michael, obgleich er im Kirchenbuch oft auch den Namen Johann Michael führt. In ähnlicher Weise war es beliebt, Mädchen den Zusatznamen Maria zu geben. Michael Wild hatte eine Frau Elisabeth, die oft auch als Maria Elisabeth bezeichnet wurde.“ (2, Seite 188)

Thomas Wild
und Johann Dorner
verkauften ihr Haus Nr. 65
im Jahre 1716
an die Stadt Auerbach.
Thomas Wild erwarb
dann 1717
das Nachbarhaus Nr. 67
(heute Pfarrstraße 2),
das er neu aufbaute
und bis zu seinem Wegzug
anno 1752 bewohnte.
(Aufnahme um 1950,
aus 1, Seite 212)

Ein weites Betätigungsfeld für Künstler bot die Ende des 17. Jahrhunderts erfolgte barocke Umgestaltung der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Auerbach.
Thomas Wild war an der Ausgestaltung der Seitenaltäre maßgeblich beteiligt, wie alte Kirchenrechnungen belegen.

"In der dritten nördlichen Kapelle besteht der Altaraufbau aus einer Bildnische, die von virtuos geschnitztem Laub- und Bandwerk mit hineingewundenen Blumenzweigen umrahmt ist. In der Nische spätgotische Holzfigur der Madonna, stehend, mit beiden Händen das nackte Kind haltend. Vorzügliche Arbeit gegen 1500; der Kopf bei der letzten Restauration neu geschnitzt und aufgesetzt. H. ca. 1,50 m. Von diesem Altar heißt es in der Kirchenrechnung von 1710: Wegen eines von Bilthauerarbeith mit Laubwerckh geschnitzes neben Altarl unser Lieben Frauen, den zugleich an St. Jacoby und Barbara Altärl gemachte Blumbischl wurde dem pact gemeß Johann Michl Dosser Pilthauern guet gethan 55 fl ...

1711: Dem Johann Thomas Wildt Bürger und Mallern allhier ist wegen Stafir- oder Fassung des neuen Frauenaltärlein pactirtermassen bezahlt worden 75 fl. ...
In der vierten südlichen Kapelle Gegenstück zum gegenüber befindlichen Barbaraaltar. In der Nische gute Barockstatue des hl. Jakobus, in pathetischer Haltung. Um 1690. Kirchenrechnung von 1714: Johann Diepoldt Schreiner allhier das St. Jacobi Altärl zu fass- oder Mahlung dessen abgebrochen und wieder aufgesetzt; 15 Kr. Dann dem Maller Thoma Wildt allhier umb dasselbe St. Jacobi Altärl mit Zwisch- und das Bild mit Tuggaten Gold gefaßt; 45 fl."
(4, Seite 21) 

Auch der Aufbau des Altars in der Annakapelle der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer in Auerbach geht wohl auf Thomas Wild zurück.
In Auerbach arbeitete der Künstler außer an Einrichtungen für  Kirchen und Kapellen auch an manchem Wohnhaus begüterter Bürger.

So hat Wild u. a.
die Straßenseite
des Hauses Nr. 112
(heute Unterer Markt 8,
beim Kutscher)
und die Front seines
Nachbarhauses Nr. 66
(heute Pfarrstraße 4;
Aufnahme um 1950)
mit Freskobildern
kunstvoll bemalt.

Für die Klosterkirche Speinshart fasste Thomas Wild 1742 sechs der insgesamt acht Seitenaltäre. (4, Seite 132f)
1752 übergab Thomas Wild das Haus Nr. 67 seinem Sohn Michael und zog nach Amberg, wo er 1760 starb.

Michael Wild
Der 1717 geborene Sohn (Johann) Michael siedelte bereits vor dem Tode des Vaters (1760) ebenfalls nach Amberg über. Er bekam als „Bürger und Kunstmaler in Amberg“ 1765 dennoch den Auftrag, in seiner Geburtsstadt Auerbach die beiden neuen Seitenaltäre, den Frauenaltar (links) und den Corporis-Christi Altar der Pfarrkirche, mit Altarblättern auszustatten.
„Zu beiden Seiten des Chorbogens ragen schlanke, reich bewegte und geschmückte, über Eck gestellte Seitenaltäre aus marmoriertem Holz auf: der Frauenaltar und der Altar der Corporis - Christi - Bruderschaft. Der Amberger Bildhauer Franz Xaver Joachim Schlott, unterstützt von dem Auerbacher Schreiner Rab, lieferte sie 1762/63, und der aus Auerbach stammende, in Amberg ansässige Maler Johann Michael Wild hat sie 1765/68 gefaßt. An den Antependien umgibt feines Muschelwerk die Monogramme Mariens und Jesu. Auf Konsolen über Voluten knien Engel." (3, Seite 11)
Die beiden Altarbilder stammen ebenfalls von Johann Michael Wild; er hat sie1765 gemalt.

Dieses Altarbild zeigt Maria als Braut des hl. Geistes, stehend auf der Weltkugel und die Schlange mit den Füßen tretend. Oben im Auszug ist der hl. Josef mit dem Jesuskind
auf dem Arm abgebildet.
Die geschnitzte Muttergottesstatue brachte Pfarrer Ritter 1970 von einer Pilgerfahrt aus Fatima mit.

Hier ist die Verehrung des heiligsten Altarsakraments durch die damals bekannten vier (Afrika, Amerika, Asien, Europa)  Erdteile dargestellt. Das Bild  darüber zeigt die Kommunion des hl. Jesuiten Stanislaus Kostka, dem ein Engel die Hostie reicht.
Die Statue des hl. Josef mit dem Jesuskind stammt von 1977.

Es zog Michael Wild anscheinend immer wieder nach Auerbach zurück, denn nach der Stadtkammerrechung von 1772 pflegte er sich damals „beständig alhier aufzuhalten“, und musste deshalb „zum Stadtschutz 3 Gulden erlegen“.

Auch die Kanzel
in der barocken Pfarrkirche
St. Johannes der Täufer
geht auf Michael Wild zurück.
"Festlich gestaltet ist die Kanzel
von F. X. Schlott 1762/63,
gefaßt 1765/68 von J. M. Wild:
die Engelputti am Korb
hielten ehemals
die drei göttlichen Tugenden
Glaube, Liebe und Hoffnung;
auf dem Schalldeckel
die vier Evangelisten,
als Bekrönung
der hl. Paulus."
(3, Seite 12)

„Von Amberg aus gewann Michael Wild auch große Aufträge in der mittleren Oberpfalz: Vor allem sind zu nennen die Seitenaltarblätter St. Antonius von Padua und St. Johannes Nepomuk in der Amberger Mariahilfkirche und die guten Malereien in den Wallfahrtskirchen Trautmannshofen und auf dem Habsberg, beide liegen unweit von Kastl.
J. Michael Wild, der auch ein guter Porträtist war, starb in Amberg am 8. November 1783. Im Totenbuch wird er genannt pictor imaginum insignis, d. h. ein hervorragender Bildmaler.
Das Wirkungsfeld des Auerbacher Zweiges der Wild in der Zeit, da Thomas und Michael noch in Auerbach arbeiteten, reichte von Kloster Speinshart (Anm.: hier malte Johann Michael Wild 1773 die Decke im Bibliothekssaal mit einem herrlichen Fresko) bis in die Gegend der oberen Pegnitz. Es darf angemerkt werden, daß Michael Wild auch einmal für die evangelische Pfarrkirche der Stadt Pegnitz arbeitete. Jenseits des Veldener Forstes und des trennenden Nürnberger Landgebietes gewannen dann die Wild und zwar Großvater Georg, Vater Thomas und Sohn Michael viele Aufträge in Orten des damals oberpfälzischen Amtes Rothenberg mit dem Hauptort Schnaittach, darunter auch für die vom Landrichteramt Schnaittach abhängige evangelische Kirche Ottensoos.“ (2, Seite 189)

Auch die Kirche
auf dem Kalvarienberg
in Schnaittach
hat Michael Wild
mit ausgestaltet.

Literaturangaben

1 Kugler, Hans-Jürgen, Auerbach in der Oberpfalz, Geschichte der Häuser und ihrer Familien, Band 1, Auerbach 2008
2 Schnelbögl, Fritz, Auerbach in der Oberpfalz, Herausgeber Stadt Auerbach, 1976
3 Katholische Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer, Auerbach, Schnell Kunstführer Nr. 1204, 1980
4 Hager, Georg, Die Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern, Regierungsbezirk Oberpfalz und Regensburg, XI. Bezirksamt Eschenbach, München 1909

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Tomaso Albinoni (1671-1751)

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 28. August 2010

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