Christianisierung
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Christianisierung
unserer Heimat

Rund ein Drittel
der momentan etwa 7 Milliarden
(aktuelle Schätzung) Menschen
unserer Erde bekennen sich
zum Christentum, sind Christen.
Ihren Namen haben sie nach
Jesus Christus,
der vor rund 2.000 Jahren lebte.
(Detail des Turiner Grabtuchs)

Christi Geburt, die Zeitwende, und damit der Beginn einer völlig neuen Ära, war noch weit entfernt, als auch bei uns schon "Geschichte" begann.
Johannes Neubig, Verfasser der ersten gedruckten Chronik Auerbachs von 1839, schreibt in seiner blumigen Sprache über die vorgeschichtliche Zeit u. a.: "Die geschichtliche Farbe unserer Gegend  ...  war viele Jahrhunderte vor und nach Christi Geburt nur wilde Natur, in der unheimlichen graunhaften Gestalt nur sich selbst überlassen. Denn wo jetzt Menschen wohnen, da hauste dereinst gar rohes Vieh, da schattete fürchterlichfinsteres Urgewälde, da hatte das niedere Land tief schwimmen gelernt und faulte in Wassersucht von Sümpfen und Seen ersauft. ... Näher und näher zog der erste Morgenstrahl über Auerbachs uralte, menschenleere, dichte Nacht, als die Bojarier (Anm.: Bajuwaren) gen Norden über die Donau herauf ihre Wohnsitze nach und nach auch in dem Nordgau (Anm.: etwa die heutige Oberpfalz) ansiedelten und ihre Herrschaft ausbreiteten. Wohl noch ein schwaches, schwaches Morgenroth; denn in den finsteren Schoß des Waldes selbst, aus dem einst unser nordgauisches Auerbach entsteigen sollte, war der Blitz noch keines belebenden Sonnenstrahls gedrungen. Damals wurde das innerste Eingeweide unserer Wälder nicht so mit Sägen und Äxten aufgeklärt wie jetzt, nicht so leicht und schnell mit Menschen bekannt wie jetzt." (1, Seite 2f)

Erste Spuren von Menschen
finden wir bei uns in der Frühgeschichte "vom 5. Jahrtausend v. Chr. über die Kelten- und Römerzeit bis ins 8. Jahrhundert n. Chr., wo die ersten Urkunden die mittelalterliche Geschichte beginnen lassen." (2, Seite 24ff)
Wenn auch sicher nur vereinzelt, so waren Menschen schon ab Ende der Mittelsteinzeit (ca. 8.000 bis 5.000 v. Chr.) in unserer Gegend anzutreffen, wie z.B. Funde aus dem Raum Weidlwang und Ranna zeigen.

Diese beiden Beile
(1 Kernbeil, 2 Scheibenbeil)
stammen aus der
Mittelsteinzeit
(Mesolithikum).

Die zahlreichen Grabhügel bei Ortlesbrunn entstanden in der Hallstattzeit und der frühen Latènezeit, zwei geschichtlichen Abschnitten vor Christi Geburt, die beide zur „Eisenzeit“ gehören.
Wohl im Zuge oder als Folge der Völkerwanderung im 3. bis 6. Jahrhundert n. Chr. verschlug es dann mehr Siedler in unsere Heimat.

Die Religion unserer Vorfahren
In der "Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen" des II. Vatikanischen Konzils (1962-65) heißt es u. a.: "Von den ältesten Zeiten bis zu unseren Tagen findet sich bei den verschiedenen Völkern eine gewisse Wahrnehmung jener verborgenen Macht, die dem Lauf der Welt und den Ereignissen des menschlichen Lebens gegenwärtig ist, und nicht selten findet sich auch die Anerkennung einer höchsten Gottheit. ... Diese Wahrnehmung und Anerkenntnis durchtränkt ihr Leben mit einem tiefen religiösen Sinn." (3, S. 356)

Bei sehr vielen
Völkern und Religionen
finden sich Mythen
über
die Entstehung
der Welt
und des
Menschen.
(Erschaffung
des Adam,
Michelangelo)

Unsere Vorfahren waren in diesem Sinne religiös, wie auch Joseph Köstler (1849-1925), der andere große Chronist Auerbachs, beschreibt. "Die Bewohner unserer heimatlichen Gaue waren zwar Heiden, aber ihre Religion kannte keinen Kannibalismus, keine Menschenopfer, wahrscheinlich auch kein Priestertum. Sie hatten kein einheitliches Religionssystem, sondern mengten unter die alten religiösen Gebräuche der Kelten und Narisker auch die ganz anders gearteten Gebräuche der Wenden. Großen Einfluß auf die Religion übten jedenfalls die Thüringer aus. Sie mischten unter das keltisch-slawische Heidentum den nordgermanischen Götterglauben. ... Da aber unsere Urahnen Kinder des Waldes waren und ein tiefes Gefühl für die Natur, für die Gestirne, für Berg und Wald und Wasser hatten, so blieben von all den fremden Glaubenssätzen nur jene haften, die auf die Vorgänge in der Natur, auf Sonne, Mond und Wind, Quelle, Baum und Feld Bezug nahmen oder die sich an die Haustiere und Feldfrüchte, an Stall und Feld knüpften, oder auf  das Schicksal der Menschen und ihrer Unternehmungen bestimmend waren. ... Schöne Haine waren ihre Gotteshäuser, sprudelnde Quellen und markante Felsen ihre Kultusstätten." (4, Seite 29)

Eine solche
Kultstätte
der späten Bronzezeit
(1200-900 v. Chr.)
war der Rabenfels
im Bürgerwald
von Auerbach.

Ihr oberster Gott war Wodan, der Sonnengott, der den Winter und die Nacht besiegt, von dem Tag und Nacht, Wind und Regen, Wachstum und Gedeihen kommt, der die 4 Jahreszeiten macht und Mond und Sterne regiert." (4) 

Frühe Spuren des Christentums
Eine erste Kunde des Christentums kam wohl schon gegen Ende des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts mit den römischen Kaufleuten, Beamten und Soldaten über die Alpen in unsere Heimat. Die Römer hatten ja auch vorher schon seit ihren Eroberungen ab 15 vor Christus unter Drusus und Tiberius, den Stiefsöhnen des Kaisers Augustus (63 v. Chr. bis 14 n. Chr.), ihre diversen römischen Götter und den persischen Mithraskult mitgebracht. Von den Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian (284-305 röm. Kaiser)  wurden auch die römische Provinzen Noricum und Raetien mit dem 179 n. Chr. unter Kaiser Marc Aurel errichteten Kastell Castra Regina, dem heutigen Regensburg, nicht verschont.

Der bekannteste Blutzeuge
aus dieser Epoche
ist der hl. Florian,
der als römischer Offizier
und Beamter 304
in der Enns ertränkt wurde.
Dieser Florian
stammt wohl von
Johann Michael Doser
und steht seit 1716
in einer Nische
des Hauses Nr. 9 der
Dr.-Heinrich-Stromerstraße
(beim Langerfranzn)
in Auerbach. 

Der hl. Florian ist u. a. Schutzpatron der Feuerwehrleute.
Die hl. Afra war ebenfalls mit den Römern ins Land gekommen und starb im gleichen Jahr auf einer Lechinsel nahe der damals rätischen Provinzhauptstadt Augsburg auf dem Scheiterhaufen für ihren Glauben. In Regensburg ist der Grabstein der Sarmannina mit dem Christusmonogramm aus der Zeit um 400 ein frühes, vielleicht das älteste christliche Zeugnis unserer Gegend.

Neben dem Christussymbol und den griechischen Buchstaben Alpha und Omega trägt der Stein die Inschrift: "Zum seligen Gedenken an Sarmannina, die in Frieden ruht, mit den Märtyrern vereint." (11)  (Teil einer Grabplatte, Das Bistum Regensburg I, S. 5)

"Das Christentum kommt heimlich ins Land. Während den römischen Göttern Tempel errichtet und Opfer dargebracht werden, feiern die Anhänger der Lehre Christi ihre Gottesdienste nur im Verborgenen." (5)

Erst das später so genannte
"Mailänder Edikt"
Kaiser Konstantins von 313
garantierte Religionsfreiheit
im römischen Reich und stellte somit
das Christentum
den anderen Religionen gleich.
Dort heißt es u. a.:

"Nach sorgfältiger Prüfung alles dessen, was dem Wohl und dem Frieden des Staates von Nutzen sein kann, haben wir geglaubt, daß unter anderen den meisten Menschen dienstbaren Dingen vor allem das geregelt werden müsse, was sich auf die der Gottheit gebührende Achtung bezieht, so daß den Christen und allen anderen die Möglichkeit gegeben werden kann, sich zu der von ihnen gewählten Religion frei zu bekennen." (6)
Es sollte allerdings noch einige Jahrhunderte dauern, bis unsere Vorfahren dann wirklich näher mit dem Christentum in Berührung kamen. Mit dem Zurückdrängen der Römer durch die Franken und die Männer aus Baia, die Bajuwaren, im 5. und 6. Jahrhundert, verlor zunächst sicher auch das frühe Christentum bei uns wieder an Bedeutung.

Iro-schottische Mission
Die eigentliche erste richtige Missionierung unserer bayerischen Heimat ging erstaunlicherweise nicht vom Süden, von Rom aus, sondern kam aus dem Norden.
In Britannien, genauer in den ehemals römischen Provinzen Britannia Interior und Superior, hatte das Christentum schon in römischer Zeit Fuß gefasst; am Konzil von Arles 314 nahmen bereits die Bischöfe von York, Lincoln und London teil. Als allerdings 407 die Römer abzogen, erlosch das Christentum in Britannien nahezu wieder. Doch zuvor war der Funke der neuen Religion bereits auf das nahe Irland übergesprungen; der Brite Patrick (ca. 385-461) gilt als der eigentliche Missionar der Insel.

Der hl. Patrick ist
Nationalheiliger von Irland,
und der St. Patrick's Day (17. März)
der Nationalfeiertag der Iren.
Patrick soll die Dreifaltigkeit
mit einem Kleeblatt erklärt haben.
Ein Kleeblatt wurde deshalb
zu einem Symbol Irlands
Patrick gilt als Patron der Bergleute,
Schmiede, Friseure und Böttcher,
des Viehs, gegen Ungeziefer,
gegen Viehkrankheiten und
Anfeindungen des Bösen.
Seine besondere Fürsprache
wird für die armen Seelen erbeten.

"Typisch für die städtelose Insel wurde der monastische Charakter des gesamten kirchlichen Lebens. ... Das irische Mönchtum war trotz seines starken anachoretischen (d.h. zurückgezogenen) Charakters keineswegs weltflüchtig, sondern voll von enthusiastischem Aktionsgeist, der sich in einem starken Missionsgeist äußerte. Der Zug zur Einsamkeit und zur Absonderung trieb sie in die Ferne, ins Elende. Um Christi willen heimatlos und doch überall beheimatet, durchzogen sie Gallien, Italien und Germanien bis hin nach Pannonien. Die heilige Pilgerschaft, das Peregrinari pro Christo, war ihr aszetisches Ideal. Die bärtigen rauhen Gestalten mit dem langen Wanderstab in der Hand, dem kahlgeschorenen, nur von einem schmalen Haarkranz umgebenen Vorderteil des Schädels, von dessen Hinterteil das lange Haar wallend herabfiel, boten einen seltsamen Anblick. Über die Schultern trugen sie an einem Riemen die Wasserflasche und einen Ledersack, in dem ihre Bücher verpackt waren; am Halse führten sie eine Reliquienkapsel und ein Gefäß zur Aufbewahrung der konsekrierten heiligen Hostien mit sich." (7)
So ist es nicht verwunderlich, dass diese irischen Wandermissionare auch in unsere Heimat kamen. "Am Anfang bayerischer Kirchengeschichte stehen die Iro-Schotten und ihre Mission. Voll Leidenschaft hatten die Kelten drüben auf den Inseln das Christentum aufgegriffen und es durch die Stürme des 5. und 6. Jahrhunderts weitergetragen - auch wenn die wirren Zeitläufte jede Verbindung mit Rom abschneiden ließen. ... Aber immer noch trieb das keltische Blut in die Ferne, und in den Tagen des heiligen Kolumban wurden iroschottische Wandermönche zu den weitreichendsten Vertretern des Christentums überhaupt." (8)

Diese erste große
Missionierungswelle
ging also schon um 600
von der irischen Mönchskirche aus;
der hl. Kolumban (ca. 540-615)
sei hier stellvertretend
für die vielen Glaubensboten
dieser Zeit genannt.

Meist blieben die Wandermönche nicht lange an einem Ort, weshalb ihre Missionierung nicht in die Tiefe gehen konnte.

Diese Statuen der Heiligen Kilian
(Mitte, Bischof),
Kolonat (links; auch Coloman)
und Totnan (rechts)
stehen als  Kopien
(von Heinrich Schiestl) der
Riemenschneider Originale
 in der Neumünster-Kirche
zu Würzburg.

Kilian kam zusammen mit seinen Begleitern Kolonat und Totnan 686 n. Chr. nach Würzburg. Sie predigten und missionierten bis ca. 689 und wurden dann gemeinsam ermordet. Der Legende nach wurde der Mord von Gailana, der Frau des fränkischen Herzogs Gozbert von Thüringen, angestiftet.

Die fränkischen Eroberer
In der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts kamen fränkische Eroberer in unsere Gegend. Sie fanden ein raues und unwirtliches Waldgebiet vor, welches von Nariskern, Thüringern und Slawen nur sehr spärlich bevölkert war. "Die Franken eroberten das Land angeblich nur deshalb, um das Christentum einzuführen und die Kultur zu fördern, aber das Christentum war ihnen bloß ein Vorwand und der Deckmantel, unter dem sie ihre Habgier und Herrschsucht ungestört ausüben und beschönigen konnten. Sie besetzten die vorhandenen Orte und gründeten viele neue Dörfer und Kolonien. Sie setzten fast in jedes Dorf einen fränkischen Reiter oder Ritter und verwalteten das Land mittels des Feudalsystems.", (9) d.h., sie gaben den einheimischen Bauern gerodetes Land als Lehen und verpflichteten sie zu verschiedenen Abgaben und zu Fron- und Kriegsdiensten.

"Das Bild zeigt
einen fränkischen Grundherrn,
vielleicht einen Grafen.
Es findet sich in Mals
(Vintschgau; ... am südl. Fuß
des Reschenpasses gelegen)
in einer kleinen Kirche
(St. Benedikt), deren Apsiden
vollständig bemalt sind.
Kirche und Gemälde stammen
aus dem 9. Jahrhundert."
(Quelle)

Einige kleinere Orte unserer Gegend bestanden also wohl bereits, die meisten wurden aber in dieser fränkischen Zeit bis zum 10. Jahrhundert erst gegründet. So lassen bekanntlich Orte mit der Endsilbe "-reuth" darauf schließen, dass zunächst der Wald ausgereutet, also gerodet werden musste. Bei diesen Ortsnamen weist meistens die vordere Silbe auf den ersten Kolonisten, den Vorarbeiter bei den Rodungsarbeiten, der durchaus auch ein Slawe sein konnte, oder eben den Gründer der Ansiedlung hin; Zogenreuth (Zudo oder Zugo), Troschenreuth (Drogo oder Drosco) und Treinreuth (bei Thurndorf; Dragon) enthalten z.B. wohl slawische Namen. Gunzendorf (Gunzo bzw. Gundeloh) scheint dagegen einen deutschen Gründer zu haben, bei Degelsdorf und Dammelsdorf ist dies noch offen. In diese Zeit vor dem Jahre 1000 fallen auch die Ortsgründungen von Hopfenohe (Ache, d.h. Bach, an dem Hopfen, wahrscheinlich wilder, wuchs) und Hagenohe (Ache am Hagen, d.h. am Dornbusch), (Unter-) Frankenohe (heute im Truppenübungsplatz Grafenwöhr) weist noch direkt auf die Franken hin.
"Zwar war bei jeder größeren Burg eine Kapelle und ein Priester, aber das Heidentum dauerte doch immerfort, zumal in den abgelegenen und waldreichen Gegenden. ... Der Presbyter streute zwar seinen Samen aus, aber im wilden Gestrüpp und steinigen Grund gedieh keine Frucht. Die Jagd auf Hirsch und Auerhahn war ihm vergnüglicher und ergiebiger, als die Seelenjagd. Mit Pfeil und Lanze wußte er besser umzugehen als mit dem Buch der Bücher." (9) So urteilt Köstler über diese fränkischen Missionierungsversuche ab dem 6. Jahrhundert, bei denen wohl nicht allzu viel vom Christentum hängen blieb bei unseren Vorfahren.

Die "Apostel Bayerns"
"Die Wirksamkeit der irofränkischen Mission ist schwer abzuschätzen, zumal aus Baiern keine frühmittelalterlichen Quellen vorliegen, die den Versuch gemacht hätten, die Erinnerung an diese Männer wachzuhalten. Vermutlich war ihr Wirken erfolgreicher, als dieses Schweigen annehmen läßt." (8) "Freilich wird man im Bayern des 7. Jahrhunderts noch kein schlackenreines, innerlich erlebtes Christentum suchen dürfen. Richtige Bauernart hält zäh am Hergebrachten, spürt kaum einen Drang, von heut auf morgen den Väterglauben zu wechseln, und Christliches und Heidnisches mochten oft in seltsamer Wirrnis nebeneinander stehen." (10) So ist es auch nicht verwunderlich, dass im ältesten bayerischen Gesetzbuch, der "Lex Baiuvariorum" um 630, ein Kapitel vom Verhexen der Äcker und Felder handelt.
"Der breite Durchbruch des Christentums, der Bayern in ein geistliches Land umzuprägen vermochte, scheint sich allerdings erst um und nach 700 vollzogen zu haben, nicht zuletzt durch das Wirken der drei 'Apostel der Bayern', nämlich der Abtbischöfe Emmeram, Rupert und Korbinian." (11)

Jan Pollack,
der wichtigste Münchner Maler
des ausgehenden Mittelalters,
fertigte 1489 die Altartafel mit dem
Bärenwunder des heiligen Korbinian
für den Dom von Freising.

Das Gedächtnis der "Apostel der bayern" halten insbesondere die Bischofsstädte Regensburg, Salzburg und Freising bis heute in hohen Ehren. Jedoch "die Missionare ... haben mit den Bayern ihre liebe Not, es bedarf etlicher Anläufe und kostet einigen Predigern das Leben." (5) Der hl. Emmeram starb z.B. um 683 bei München den Martertod.

Die angelsächsischen Missionare
Durch die iro-schottischen Mönche und die Abtbischöfe war zwar das Christentum in weiten Teilen Bayerns eingeführt worden, eine innerkirchliche Organisation und vor allem eine engere Verbindung mit Rom aber bestand zunächst nicht. "In dieser Situation kamen angelsächsische Missionare zu Hilfe und führten den entscheidenden Wandel herauf. Die Missionierung der angelsächsischen Kirche selbst hatte Ende des 6. Jahrhunderts gleichzeitig von Rom aus auf Initiative Papst Gregors I. und durch iroschottische Mönche eingesetzt. Trotz zeitweiliger Spannungen war daraus eine fruchtbare Verbindung von irischer asketisch-monastischer Frömmigkeit und römischem Geist entstanden. Wie die Iren von Missionseifer erfüllt, entsandten die Angelsachsen ihrerseits Missionare, die sich auf dem Festland der Reinigung und Festigung des gallofränkischen Christentums widmeten" (12)

Bonifatius,
Apostel der Deutschen

"Er
war der größte
der angelsächsischen Festlandsmissionare,
einer der bedeutendsten
abendländischen Schlüsselfiguren,
der Wegbereiter
der christlichen Völkergemeinschaft
Europas." (7)
(Statue am Dom in Fulda)

Gemeint ist der angelsächsische Benediktinermönch Winfrith, besser bekannt unter dem ihm 719 vom Papst verliehenen Namen Bonifatius (geboren um 672 in Wessex in Südwestengland, 732 Erzbischof ohne festen Sitz und 737 Päpstlicher Legat für Bayern, Allamannien, Hessen und Thüringen, also das gesamte ostfränkischen Missionsgebiet, 747 Erzbischof von Mainz, als Märtyrer gestorben 754 im friesischen Dokkum, bestattet im Dom von Fulda). Seine Bedeutung liegt dabei weniger in der Missionierung Deutschlands, als vielmehr in seiner reformierenden und organisatorischen Tätigkeit.

Das Bonifatiusgrab
in der Krypta
des Fuldaer Domes
ist sozusagen
das Nationalheiligtum
der deutschen Katholiken.
Fulda ist auch der Sitz
der deutschen Bischofskonferenz.

"Bezeichnend für das englische Mönchstum in jener Zeit ist die Gefolgschaftstreue, welche die völlige Hingabe an Christus als den höchsten König und Richter verlangt. Darum auch ziehen nicht nur einzelne aus, um den Heiden das Evangelium zu bringen, es sind vielmehr oft ganze Familien, die dem Rufe des Herrn folgen und als Missionare in ferne Länder auswandern. So ist Bonifatius der Anführer einer ganzen Sippe, zu der manche der bekanntesten angelsächsischen Glaubensboten gehören. Auch Lioba war mit ihm verwandt." (17, Seite 49) Lioba von Tauberbischofsheim (um 700, bis 782), wie sie oft genannt wird, wird besonders verehrt in den Diözesen Fulda, Würzburg, Mainz und Freiburg i.Br.. In Nürnberg ist die Filialkirche St. Lioba der Pfarrei St. Bonifaz ein kleines, sehr ansprechendes neuzeitliches Gotteshaus. 

Errichtung von Bistümern in Bayern
Bonifatius gelang es mit Hilfe von Herzog Odilo, den Auftrag von Papst Gregor III. zur kanonischen Errichtung von Bistümern in Bayern zu erfüllen. So wurden 739 die Bistümer Regensburg, Freising, Passau (hier gab es allerdings schon den zwischen 731 und 738 vom Papst geweihten Bischof Vivilo) und Salzburg kirchenrechtlich gegründet und ihre Grenzen festgelegt. 741 kam Würzburg dazu, und weitere drei Jahre später wurde der Angelsachse Willibald erster Bischof von Eichstätt; beide Bistümer gehörten zur Kirchenprovinz bzw. zum Erzbistum Mainz. Papst Leo III. errichtete 798 eine eigene bayerische Kirchenprovinz mit dem Erzbistum Salzburg und den Bistümern Regensburg, Passau, Freising und Säben in Südtirol.
Unsere drei Nachbarbistümer Regensburg, Würzburg und Eichstätt entstanden also etwa bereits ein Viertel Jahrtausend vor Bamberg. Das Bistum Bamberg, zu dem auch das oberpfälzische Auerbach gehört, wurde erst 1007 von Kaiser Heinrich II. gegründet.

Der Bamberger Kaiserdom
St. Peter und St. Georg
stammt in seiner
heutigen äußeren Form
aus dem 13. Jahrhundert.
Er ist die Bischofskirche
der Erzdiözese Bamberg.

Im Dorf Lindenhard, so meint Joseph Köstler, trafen sich damals die Bischöfe Burkhard von Würzburg und Willibald von Eichstätt, um zusammen mit Bonifatius die Grenzen ihrer Diözesen festzulegen. (13) Dabei wurden teils die Quell- und Einzugsgebiete der Flüsse berücksichtigt, teils die politischen Grenzen zwischen dem um 725 unter Karl Martell entstandenen bayerischen Nordgau und den alten fränkischen Gebieten Rangau und Radenzgau. - Dieses Treffen in Lindenhard hat wohl nie stattgefunden, denn einer anderen Quelle nach trafen sich Bonifatius und Willibald mit dem baierischen Adeligen Suidger anno 740 in Linthart bei Mallersdorf! (18, Band I, S. 10)
Das nahe Troschenreuth lag im Radenzgau (in pago Ratenzgowe) und scheint sehr früh christianisiert worden zu sein. "Auch darf ein anderer kirchlicher Mittelpunkt nicht übersehen werden, der 1062 als Bestandteil des Königshofes Forchheim bezeichnet wird und zudem hinüber die Ortschaften Trubach (St. Lorenz) die Verbindung bildeten: in Troschenreuth ist eine St. Martinskirche; Looshorn (I. 7) meint: 'sie könnte leicht die zweitälteste Kirche des Bistums Bamberg sein, denn wir finden um 630 die Ostfranken auf dem Zuge nach Böhmen; auch ist in jener Gegend Frankenohe gegründet.'" (14)

Nur mehr als Bild
bzw. Modell kann man
die alte Martinskirche
von Troschenreuth sehen.

Am 19. April 1945 kam es
nämlich nach Beschuss
der Ortschaft durch Amerikaner
zu einer Brandkatastrophe.
14 Wohnhäuser sowie
Kirche und Schule
wurden damals vernichtet.
In die 1949 erbaute
neue Martinskirche
kam die Inneneinrichtung
der bei der Erweiterung des
Truppenübungsplatzes
abgelösten Ortschaft
Hopfenohe.

Troschenreuth ist demnach wohl die älteste christliche Gemeinde im Dekanat Auerbach, von der Looshorn weiter schreibt, dass es schon 788 einen eigenen Priester besessen habe.
Troschenreuth und Thurndorf kamen damals zum Stifte Würzburg, der Rest des heutigen Dekanats mit z.B. Pegnitz (Paginza) und Auerbach, beide im Nordgau (in pago Nortgowe), sowie dazu u. a. auch Lauf, Betzenstein und Hersbruck, sollten zu Eichstätt gehören. Diese Orte bildeten den nördlichsten und entlegensten Teil der Diözese (Eichstätt), zu der auch die "Mutterkirche" in Velden (Feldun) gehörte, von der bis herauf zur eigenen Pfarreierhebung die religiöse und pfarrliche Betreuung Auerbachs ebenso wie die der anderen Orte der Umgebung durchgeführt wurden. "Velden war die Urpfarrei für das ausgedehnte Waldgebiet beiderseits der oberen Pegnitz, eine karolingische Königskirche, die bereits vor dem Jahre 912 dem Bischof von Eichstätt geschenkt wurde, in dessen Bistum sie lag." (15) Der Ort Velden könnte sogar schon um 730 unter dem Bayernherzog Odilo noch vor der fränkischen Besitznahme 744 als baierischer Königshof gegründet worden sein.

"Im Gebiet des Veldener Forstes, also dem ursprünglichen Sprengel der Pfarrei Velden entstanden nun nicht weniger als 15 neue Pfarreien, die sich im Laufe des 12.-17. Jahrhunderts von ihrer Mutterpfarrei trennten." (15) Für unsere nähere Heimat seien genannt:

  1121   Michelfeld               1476   Neuhaus

  1144   Auerbach                1480   Königstein

  vor 1430  Gunzendorf       1662     Hartenstein

Troschenreuth und Thurndorf sind bei Schwemmer und hier bei Schnelbögl (16) ebenfalls der "Mutterkirche" Velden zugeordnet, während Looshorn und Köstler beide Pfarreien als älter ansehen. 

verwendete und weiterführende Quellen

1 Neubig Johannes, Auerbach, die ehemalige Kreis und Landgerichts-Stadt, Auerbach 1836
2 Wolf/Tausendpfund, Pegnitz - Veldensteiner Forst, Erlangen 1986
3 Rahner/Vorgrimler, Kleines Konzilskompendium, Freiburg 1966
4 Köstler Joseph, Auerbachs Kirchen- und Schulgeschichte, Band I von 27 handgeschriebenen Bänden, Auerbach um 1900
5 Nöhbauer Hans, Die Chronik Bayerns, S. 38 ff
6 Mann Golo, Propyläen Weltgeschichte, Band 4, S. 504
7 Franzen August, Kleine Kirchengeschichte, S. 131 ff
8 Dannheimer/Dopsch, Die Bajuwaren, S. 283
9 Köstler, Joseph, Troschenreuth, Bd. 23 S. 47 ff
10 Hubensteiner, Benno, Bayerische Geschichte, S. 35 ff
11 Hausberger, Karl, Das Bistum Regensburg, Band I, S. 7
12 Kötting, Bernhard, Kleine deutsche Kirchengeschichte, S. 33
13 Köstler, Joseph, Auerbachs Kirchen- und Schulgeschichte, Band I, S. 8, 92 f
14 Schlund, Johann, Besiedelung und Christianisierung Oberfrankens, S. 76
15 Schwemmer, Wilhelm, Velden a. d. Pegnitz, S. 66 f
16 Schnelbögl, Fritz, Auerbach in der Oberpfalz, S. 41
17 Ruf, Walther, Das erste Diakonissenhaus in Deutschland - Lioba, Mitarbeiterin des Bonifatius, in Christus unterwegs nach Deutschland, München 1963
18 Baumeister, Richard u.a., Das Bistum Eichstätt in Geschichte und  Gegenwart, Eichstätt 1991

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Meyerbeer, Giacomo, 1791 - 1864
Pater noster (Archiv Thon, Paderborn)

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 25. April 2015

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