Hammerwerke
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Ehemalige Eisenhämmer

Vom Eisen und vor allem von seiner Verarbeitung im Gebiet der heutigen Stadt Auerbach zeugen auch die zahlreichen Hammerwerke, von denen Überreste an vielen Stellen noch zu sehen sind.

Georg Agricola, der große Montanwissenschaftler aus Sachsen, beschrieb 1556 auch ein Hammerwerk und seine Funktionsweise in seinem aus 12 Büchern bestehenden Werk „Vom Berg- und Hüttenwesen“ sehr genau. Zu diesem Bild aus Band IX: Im Hintergrund sieht man den Rennherd, davor wird eine Luppe (siehe Anmerkung weiter unten) grob von Schlackeresten befreit. Ganz im Vordergrund geschieht das Ausschmieden der Luppe unter dem Hammer. (aus 1, Seite 365)
"Luppe: Heißer Eisenklumpen von teigiger Konsistenz aus einem Rennofen oder aus dem Herd einer Frühschmiede. Die Luppen wurden zu stabförmigem Eisen (Stahl) ausgeschmiedet, wobei dieser Produktionsschritt auch dafür sorgte, daß (insbesondere bei Luppen aus Rennöfen) die im Eisen eingeschlossene Schlacke ausgehämmert wurde." (Quelle)

Am Freiberger und im Frohnauer Hammer in Sachsen, in Hexenagger (Naturpark Altmühltal) oder andernorts, kann man die Wirkungsweise eines früheren Hammerwerkes in eindrucksvoller Weise beobachten.

Ligenz und Steinamwasser
Der Hammer Ligenz, am Goldbrunnbach vom Stadtkern aus gesehen im Nordosten gelegen, hatte lt. Hammereinungsurkunde von 1387 damals als Besitzer einen Hans Streber, wohl aus Nürnberg stammend. Schlackenfunde, die auch heute noch gemacht werden, weisen auf eine rege Tätigkeit hin. Bis ca. 1954 war eine Mühle in Betrieb.
In Steinamwasser erinnern auf einem Felsen Mauerreste an die ehemalige Burg, zu der auch ein Hammer gehörte. Schon in der Gründungsurkunde des Klosters Michelfeld 1119 wird Steinegewazzer aufgeführt, und ein Syboto von Steinigewasser ist Mitunterzeichner der Urkunde, mit der 1144 Markt und Pfarrei Auerbach bestätigt werden. Auch diesen Hammer hatten zeitweise die Streber in Besitz, und ein Ulrich Stromer betreibt ihn 1431-49. Von 1513-1712 gehört der Hammer der Stadt Auerbach, und um 1723 schließlich erfolgte die Umwandlung in eine Mühle.
In Steinamwasser fließen der Goldbrunnbach und der von Ortlesbrunn her kommende Ortlesbach zusammen und bilden nun den Flembach. Dieser durcheilt ein landschaftlich sehr schönes Tal, in dem die Flembachhütte der Naturfreunde zum Verweilen einlädt. Kurz vor Michelfeld vereinigen sich der Flembach und der von Auerbach durch das "Felsländl" her kommende Speckbach.

Staubershammer
Mit seinem Wasser betrieb der Flembach bis ca. 1951 den Staubershammer, der 1973 abgebrochen und im Bergbau- und Industriemuseum Theuern wieder aufgebaut wurde.

Der Schien- und Blechhammer gehörte ebenfalls zeitweilig den Streber und war lange Jahre auch beim Kloster Michelfeld. Oberhalb des Hammers stand im Mittelalter die Burg Festenberg, von der heute nur mehr spärliche Überreste existieren.

Ein Blick
in das Innere
des Staubershammers.
(Archiv Schäff)

1561 erwarb das Hammeranwesen ein Georg Stauber, und seither hat es seinen Namen "Staubershammer"; vorher hieß es nämlich Ziegelmühle.

Im Frühjahr 1805 ersteigerte Johann Götz aus Michelfeld das gesamte Anwesen Staubershammer um 10.100 Gulden. Er veräußerte im gleichen Jahr das Hammerwerk an Jakob von Sonnenburg.

1805 ist Jakob Falkner von Sonnenburg
der Hammerherr; er wurde 1818
Bürgermeister von Auerbach.
Seine Grabplatte findet man
an der östlichen Außenwand
der Friedhofskirche St. Helena (Auerbach),
sein Wappen Foto) an der rechten Seite
des Sitzungssaales im Rathaus der Stadt.

Johann Götz (+1820) blieb mit seiner Familie im Haus Nr. 2 in Staubershammer; es war das frühere Taglöhnerhaus. Im gleichen Jahr 1820 übergab die Witwe Magdalena das Anwesen Staubershammer 2 an ihren Sohn Friedrich (+1859). Dieser hatte zusammen mit seiner Frau Margarethe (+1858) sechs Kinder: Paulus, Georg, Barbara, Kunigunde, Theres und Maria. Sie traten das Erbe an und blieben zeitlebens ledig. Die vier Schwestern waren mit den zwei Brüdern eines Herzens und führten ein Muster-Familienleben.

Paulus Götz
war ein geschickter Schreiner
und Orgelbauer.
Eines seiner Werke
steht in der Kirche
St. Maternus
in Motschenbach,
Dekanat Kulmbach.
(Foto S. Witzgall)

Da die Geschwister Götz sehr fromm waren und keine Erben hatten, vermachten sie ihr Anwesen später der 1884 in den Räumen des ehemaligen Klosters Michelfeld gegründeten „Taubstummenanstalt Michelfeld“ (heute Regens-Wagner).

Am 18. Oktober 1882 erwarb Johann Gummermann, 1844 in Waffenhammer, Gemeinde Wildenstein geboren, den Staubershammer um 6.500 Mark. Er betrieb ihn als Eisenhammer und betätigte sich auch als Blattgoldschläger. Zehn Jahre später verkaufte er das Anwesen wieder und folgte seinem Sohn Basilius zusammen mit seiner Frau Anna und weiteren fünf seiner insgesamt elf Kinder nach Amerika. Gummermann lebte in Milwaukee und starb am 21.12.1915. (Quelle: Helmut Gummermann, über Horst Degelmann, Ködnitz)
Seit diesem Jahr 1892 gehört der Staubershammer der Familie Schäff, die 1895 auch das seit 1805 abgetrennte Anwesen Nr. 2 erwarb.
Der Hammer wurde
bis 1951 betrieben und es wurden hauptsächlich Äxte, Pflugscharen usw. hergestellt. Der damalige Besitzer des Anwesens Heinz Schäff  setzte das Hammerwerk 1963 nochmals in Gang, um das Turmkreuz für die Michelfelder Asamkirche vorzuschmieden.

Heute lädt
Familie Schäff
zu einem Besuch
auf den
idyllisch gelegenen
und sehr gepflegten
Staubershammer ein.
Sie betriebt eine Pension
mit Ferienwohnungen.
(Foto Juni 2009)

Hämmerlmühle
Ebenfalls am Flembach liegt der Schleifhammer, heute Hämmerlmühle genannt. Besitzer war schon im 13. Jahrhundert und in den folgenden zeitweilig immer wieder das Kloster Michelfeld. Von der ehemaligen Bedeutung zeugt folgende Episode: 1592 übernahm Hans Stauber, ein Bruder des oben beim Staubershammer genannten Georg, eine Waffenlieferung für den Kurfürsten nach Neumarkt. Dort wollte dieser den lutherischen Bürgern den Calvinismus mit „gebührendem Nachdruck“ beibringen. Der Transport kam aber nur bis Amberg, wo dem Staubershammerer die Wagenladung von den dortigen Bürgern abgenommen wurde.
1904 erwarb die Familie Looshorn das Anwesen und betrieb bis 1958 die Mühle, von der Teile dem Museum Theuern überlassen wurden. Heute kann man in der Hämmerlmühle sozusagen auf historischem Boden „Urlaub auf dem Bauernhof“ in einer gepflegten Pension verbringen.

Ehemalige Hammerwerke an der Pegnitz

Die nebenstehende
alte Zeichnung von 1522/23
zeigt von oben nach unten
dem Lauf der Pegnitz nach
die drei an dieser gelegenen Hämmer
Fischstein,
Rauhenstein
und Ranna.

Fischstein und Rauhenstein
An der Pegnitz lag der Hammer Fischstein, der im Salbuch von 1326 als „malleum Pognerinne“, also als Hammer der Pognerin aufgeführt ist. Grundherrschaftlich gehörte er lange Zeit zum Kloster Michelfeld, aber auch die Stromer und die Sulzbacher Familien Loneisen und Zeller traten als Hammerherren auf. Der Ort Fischstein, und damit die Überreste des Hammers, wurde in den letzten Jahren abgelöst und dem Erdboden gleichgemacht, da er in der unmittelbaren Wasserschutzzone der Stadt Nürnberg lag.
Vom ehemaligen Hammer Rauhenstein, der pegnitzabwärts folgt, stand bis vor wenigen Jahren noch das Hammerhaus, ein zweigeschossiger Walmdachbau, allerdings zum Schluss schon sehr herunter gekommen (1987 abgebrochen).

Den Hammer Rauhenstein hatte 1410 Heinrich Stromer gegründet. Das Kloster Michelfeld besaß ihn dann längere Zeit, und die Stadt Auerbach schließlich betrieb das Werk 1580-1626.
In jenem 1626 Jahr sollen 10.000 Soldaten der sächsisch - lauenburgischen Fürsten in Rauhenstein ein großes Heerlager eingerichtet und die Hämmer Fischstein und Rauhenstein ausgeplündert und weitgehend zerstört haben.

Am 23. Mai 1641 schließlich brannte der Hammer Rauhenstein völlig ab. Im Jahre 1700 errichtet die Stadt Auerbach an der Brandstätte eine Mühle, die ihr aber das Kloster Michelfeld streitig machte. Nach mehreren Prozessen fiel Rauhenstein schließlich 1733 gegen eine Entschädigung von 2.500 Gulden endgültig an das Kloster. Dessen Abt Heinrich Harder (1721-38) ließ 1736 sein Wappen über dem Eingang des Hammerhauses anbringen.

Ranna und das Magdalenenkirchlein
Der letzte Hammer auf heute Auerbacher Grund an der Pegnitz war Ranna. König Wenzel von Böhmen ließ ihn 1391 errichten; dies war also in der Zeit, als Auerbach die Hauptstadt von Neuböhmen war (1373-1400). Immerhin 1530-1859 war der Hammer im Besitz der Stadt Auerbach, die ihn mit wechselndem Erfolg verpachtete oder selbst bewirtschaftete. So hatte ihn z. B. 1805-17 der schon beim Staubershammer angeführte Falkner von Sonnenburg in Pacht. 1859 übernahm der Staat das Hammergut. Die Kaufsumme, 80.750 Gulden in Silber, musste der Auerbacher Bürgermeister Leonhard Neumüller am 21. Juni 1860 persönlich in Regensburg abholen. Der Staat verkaufte das Anwesen weiter an einen Fr. Rauh aus Zogenreuth, der eine Kunstmühle und ein Sägewerk daraus machte. Auf diesem Gelände stand dann mehrere Jahre eine Wellpappenfabrik, ehe die damalige EWAG
Nürnberg (heute N-ENERGIE)  als neuer Grundeigentümer die Gebäude abbrechen ließ.
Aus der Hammerzeit Rannas ist aber noch ein weiteres Andenken vorhanden, nämlich die Magdalenenkirche an der Staatsstraße nach Neuhaus.
Die hl. Magdalena ist nach alter Tradition eine Patronin der Hammerschmiede, und so war ihr zu Ehren schon sehr früh in Ranna ein Kirchlein errichtet worden. In den Wirren des 30jährigen Krieges (1618-48) wurde es arg mitgenommen.

Da auch eine gründliche
Renovierung nicht den
gewünschten Erfolg brachte,
ließ der Auerbacher Pfarrer Johann Friedrich Trettenbach (1722-1772),
Sohn eines Schmiedemeisters
aus Neuhaus, 1742/43
das neue Kirchlein erbauen.
Mit der Errichtung des
Hochaltars (Foto 2009)
beauftragte er den Auerbacher
Bildhauer Johann M.  Doser,
der das altehrwürdige Bild
der hl. Maria Magdalena
aus der ursprünglichen Kapelle
mit verwendete.

Viele Jahre zogen um den 22. Juli große Prozessionen aus den Orten der Umgebung nach Ranna. Seit einiger Zeit findet am Namenstag der Heiligen wieder ein Magdalenenfest in Ranna statt.

Damit endet zwar der Rundgang durch die ehemaligen Hammerwerke auf dem Gebiet der heutigen Stadt Auerbach i.d.OPf., doch der aufmerksame Sucher wird sicher weitere Zeugnisse für den Bergbau und die Eisenverarbeitung in alter und neuer Zeit hier in der Gegend entdecken.
Wer mehr über die Oberpfälzer Montangeschichte erfahren und vor allem erleben möchte, dem seien ein Besuch im Bergbau- und Industriemuseum Ostbayern Theuern und eine Wanderung auf historischen Wegen empfohlen.

verwendete und weiterführende Quellen

1 Agricola, Georg,* De re metallica libri IX, Basel 1556; deutscher dtv-Reprint,  1994

* "Der Glauchauer Handwerkerssohn Georg Pawer, der sich nach Humanistenbrauch später Georgius Agricola nannte, wurde mit seinem Hauptwerk De re metallica libri XII zum Begründer der Montanwissenschaften." (Quelle) Agricolas (1494-1556) Werk erschien ein Jahr nach seinem Tod in lateinischer Sprache, ein Jahr später folgte die erste deutsche Übersetzung.

Hobellied

letzte Bearbeitung dieses Artikels
am 25. Januar 2016

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