Messbenefizien
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Die alten Messbenefizien
der Pfarrei Auerbach

Der Pfarrer von Auerbach war schon bei der Pfarreierhebung 1144 verpflichtet worden, einen Kaplan und einen Schulmeister anzustellen. Im Laufe der Zeit kamen dazu noch Messstiftungen oder Benefizien, die mit einem eigenen Geistlichen besetzt waren.
Johannes Neubig, dessen Schrift "Auerbach, die ehemalige Kreis- und Landgerichts-Stadt in der Oberpfalz" (1) im Jahre 1839 gedruckt und herausgegeben wurde, hat ausführlich über diese Einrichtungen geschrieben. Hier wird seine Abhandlung in leicht gekürzter Form wiedergegeben, teilweise ergänzt aus anderen Unterlagen.
Neben einem beständigen Pfarrer (plebanus oder verus et perpetuus rector) besaß die Pfarrei St. Johannes der Täufer in Auerbach zur Besorgung ihrer ewigen und göttlichen Seelenangelegenheiten und zur höheren Bildung und Übung eines frommen und guten Lebenssinnes auch noch sieben eigene Benfiziaten - ein neuer Beweis des  alten sowohl bürgerlichen als auch religiösen Wohlstandes; denn jeder Benefiziat hatte sein ganz hübsches Einkommen und dazu sein eigenes Wohnhaus.

Die Auerbacher Pfarrkirche hatte schon immer außer dem Haupt- oder Hochaltar mehrere Seitenaltäre. Auf ihnen zelebrierten die Benefiziaten regelmäßig ihre hl. Messen. Auch Gastpriester wichen auf diese Nebenaltäre aus, denn die heutige Form der Konzelebration mehrerer Priester gibt es eigentlich erst seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962-65).

Auf diesem Grundriss der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer sind die Altäre eingetragen, wie sie seit dem 17. Jahrhundert bestehen. Auch vorher gab es in diesem Gotteshaus natürlich schon mehrere Altäre, an denen regelmäßig hl. Messen gefeiert wurden.

1 Hochaltar; das Altarbild zeigt die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes
2 Annakapelle; Barockaltar mit Darstellung der Maria als Kind mit ihrer Mutter Anna; hier steht auch der gotische Taufstein von 1525
3 Frauenaltar; Maria als Braut des hl. Geistes, oben im Auszug der hl. Josef
4 Hl. Familie; Ölgemälde der hl. Familie mit Gottvater und hl. Geist
5 Marienaltar; Akanthus mit vier Engelputti; spätgotische Marienstatue (um 1500)
6 Barbaraaltar; Aufbau ähnlich wie der Marienaltar, aber schwererer Akanthus; Barbarastatue (um 1500)
7 Jakobusaltar; Akanthus; der hl. Jakobus war der erste Kirchenpatron; Barockstatue des hl. als Pilger
8 Sebastiansaltar; Akanthus; Barockfigur des hl. Sebastian am Marterpfahl
9 Kreuzaltar; Altarblatt mit Kreuzigung Christi; barock; oben im Auszug Kaiserin Helena
10 Altar der Corporis Christi Bruderschaft; Verehrung des hl. Altarsakraments durch die vier Erdteile

Zelebriert wird heute eigentlich nur mehr auf dem Eisenerzaltar, der seit 1993 im Chorraum steht und an den Bergbau in und um Auerbach erinnern soll.

Die Frühmesse (primissaria)
war schon 1319 von Konrad Pogner auf seinem Todbette gestiftet durch Vermächtnis eines Gutes zu Gödersdorf mit Gülten an Korn, Gersten und Haber, dann Eiern, "zehn Schilling der langen Haller und vier Gheiz (Kitzlein) zu Weihnacht und vier zu Pfingsten". Zugleich verordnete der letzte Wille des Gründers, dass "die Stiftsgüter von vier bescheidnen Männern (Pflegern) sollen verwaltet werden und dass der Pfarrer keine Gewalt darüber habe, sondern die Messe alle Tage gehalten und durch nichts gehindert werden solle". Als weitere Einkünfte sind beurkundet: Eine Fleischbank, die "1367 Friedrich dem Schneider, Burger von hier, um 6 Pfd. Haller vererbrecht" wurde; er solle dafür jährlich 25 Pfd. Unschlitt (tierisches Fett) dem Früh­messer geben. Ebenso alt sind auch die Frühmessgüter zu Bernreuth mit Getreidegülten, Fast­nachts­hennen, Eiern, "Käsen (oder für einen 6 Pfennige)".
Wie unsere anderen Benefiziatenmessen, so ging nun, obgleich sie nach dem aus­drücklichen Willen der Stifter alle auf ewige Dauer gegründet waren (perpetuae mis­sae), auch die Früh­messe während der Reformation im Jahre 1538 wieder ein. Was die Veränderung der Zeit von allen sieben Benfizien an ehemaligen Erträgnissen übrig ließ, das wurde dann zur Pfarrei ge­zogen. So finden wir in den Pfarrurbarien von 1772 die Ortschaften Bernreuth, Gödersdorf (Göttersdorf), Ornbach (Ohrenbach), Ebersberg usw. mit Getrei­degülten, Herbst- und Fastnachtshennen, Käsen, Eiern, Linsen, Erbsen, verschiede­nen Geldzinsen usw. als tributbare Übergangsdenkmale der ehema­ligen Frühmesse.
Das Haus des Frühmessers lag neben der Kirche (Hausnummer 82, heute ein Teil von Kirch­straße 2; altes Foto siehe weiter unten) und wurde 1538 den Hebammen als Dienstwohnung übergeben. Wenige Jahre später erwarb es der Stadtschreiber Hans Schmidt (1528-59), ehe es schließlich 1556 als "deutsches Schulhaus" umfunktioniert wurde.

Das Haus des Frühmessbenefiziaten  war Nummer 82 (heute ein Teil von Kirchstraße 2; der andere Teil, Nr. 83, war das Haus der Pestlermesse; siehe weiter unten). Haus 83 wurde zunächst an Stadtschreiber Georg Weber (1559-87) verkauft und dann bei einer späteren Umgestaltung des deutschen Schulhauses ("Pröpstlschulhaus") zu dessen Vergrößerung verwendet.

Heute gehört das Anwesen Kirchstraße 2 der katholischen Kirchenstiftung.
Im Erdgeschoss betrieb bis 2001 Anni Hartmann eine Buchhandlung mit religiöser Kunst und Handarbeitsutensilien, im 1. Stockwerk befand sich die "Arche", ein vielseitig genutzter  Mehrzweckraum der Pfarrei.

Nach einer gründlichen Sanierung
und Renovierung des Gebäudes
in den Jahren 2008 und 2009
wird es seit April 2009
nun ganz und intensiv als
Pfarrheim Arche
genutzt. (Der Eingang
befindet sich gegenüber
der Türe zur Sakristei.)

Die Frauenmesse
wurde schon um 1374 gefeiert und war, wie alle sieben Benefizien, von hiesigen Einwohnern gegründet. Der Benefiziat war bloß zum Frauenaltare in der Pfarrkirche bestimmt und hatte, außer den Stiftsmessen zu Ehren unserer Lieben Frau, alle Donnerstage auch eine Messe vom heiligen Leibe Christi zu singen und mit dem heiligsten Sakramente eine feierliche Prozession zu halten. Dieser Brauch der Sakramentsprozession am Donnerstag wird mit Abstrichen bis auf den heutigen Tag gepflegt.
Als Einkünfte werden im Jahre 1434 angegeben drei Güter zu Hormersdorf, dann ein gleiches zu Reichenbach und ein Hof zu Horlach mit Gülten an Korn und Haber, mit Käsen (oder für jeden 4 Pfennig), Herbst- und Fastnachtshennen usw.. Das Haus des Frauenmessers war wohl auch in der heutigen Kirchstraße, also ganz in der Nähe der Pfarrkirche.
1468 verkauften Bürgermeister und Rat als Patronatsherren der Frauenmesse mit Wissen des damaligen Frauenmessers und mit Genehmigung des Bischofs von Bamberg die Gült zu Horlach an den Michelfelder Abt Werner Lochner (1461-94).
"Diese Messe, die noch mit vielen anderen Renten und Einkünften ausgestattet war, nahm 1555 Abschied, und die Überbleibsel ihrer Gefälle kamen später an die Pfarrei."

Die Engelmesse
"Es war im Oktober 1380, als Kardinal Pileus mit seinem hohen Besuche unsere Stadt beehrte. Die vornehme Gegenwart dieses großen Kirchenprälaten wurde von den gesamten Einwohnern nicht nur mit dem lautesten Jubel der festlichsten Feierlich­keiten verherrlicht, sondern auch durch eine religiöse Weihe ausgezeichnet. Die heilige Gemeinde, vorzüglich aber eine Bürgersfrau in der Bachgasse, die soge­nannte schwarze Kodra, steuerten nämlich an Geld und Gut zusammen und stifteten damit die Engelmesse in der Pfarrkirche, und der Kardinal bestä­tigte nun am 18. Oktober 1380 die Gründung und Begüterung (Dotation) dieser Messe mit größter Freude." Die entsprechende Urkunde stellte der Kardinal an diesem Tag in Auerbach aus. Bischof Georg von Bamberg bestätigte sie am 1. März 1518 von neuem und erklärte das Präsentationsrecht als dem hiesigen Magistrate eigen.
Auch der Engelmesser wohnte in der heutigen Kirchstraße.
Die Einkünfte dieser Stiftung wurden von vier Vormündern verwaltet. So musste der Schleichershof z.B. dem Engelmesser jährlich einen Tag Fron mit Pferden leisten. Abgaben kamen z.B. auch von Grundstücken in der Isenlohe und im Grimmental und von Gärten beim Amberger Tor und am Grünhof.
Die Engelmesse wurde 1535 abgeschafft, und auch ihre Überreste kamen an die Pfarrei.

Die Spitalmesse
wurde schon um 1384 mit der Gründung des Spitals gestiftet und eingeführt. Der päpstliche Gesandte in Deutschland, Kardinal Julian, bestätigte 1434 der hiesigen Gemeinde und dem Magistrate das Patronatsrecht.
Der Spitlmesser bezog Einnahmen z.B. aus Gütern zu Ranzenthal und Steinamwas­ser, und hat­te neben einem eigenen Haus auch noch einen Garten hinter der Spital­kirche. Dieses Anwesen (alte Hausnummer 150) "beim Neubauern" stand an der Stelle des ehemaligen Pfarrsaales (erbaut 1946, 1995 abgebrochen) an der Stelle des heutigen Alten- und Pflegeheims St. Hedwig. Seine letzten Besitzer Georg und Franziska Schober, geb. Rupprecht aus Ortlesbrunn, siedelten in das neuerrichtete Anwesen Michelfelder Straße 7 über. Erst im Jahre 1804 hatte Dechant Joseph Gabriel Neumüller (1799-1836 Stadtpfarrer in Auer­bach) den ehe­maligen "Spitlpfarrhof" an Privatleute verkauft.
Weil diese Messe unter allen am reichsten ausgestattet war und nebst einem Verwe­ser auch noch Frau und Kinder ernähren konnte, ging sie auch während der Refor­mationszeit nicht ein, sondern aus dem alten Messbenefizium wurde der Spitalpfarrer oder Spitalprediger ohne Messe.

Die Pestlermesse
wurde nach ihrem Stifter Heinrich Pestler benannt und bestand schon vor 1434. Ein anderer, seltner gefundener Name ist Lorenzimesse. Sie hatte von mehreren großen Gütern in Hüll, Weidensees, Körbeldorf, Degelsdorf usw. Getreidegülten und andere Einkünfte.
Eine besondere Pflicht dieser Stiftung war, jährlich an Martini (11. November) ein Viertl Korn zu verbacken und das Brot an die Armen zu verteilen.
Mit dem Tode ihres letzen Inhabers Peter Kraus 1537 erlosch auch diese Stiftung.

Die Prädikaturstiftung
Dieses Benefizium wurde wohl 1435 vom hiesigen Magistrat und der Gemeinde gestiftet, sowie von dem Nürnberger Bürger Nikolaus Schreiber und seiner Frau Kunigunde mit 500 fl (florentiner, d.s. Gulden) und von der Auerbacher Bürgersfrau Adelheid Schiller mit 200 fl ausgestattet. Dieses Geld verwendete die Gemeinde mit zur Errichtung der Stadtmauer, verpflichtete sich aber im Stiftungsbrief, es auf ewige Zeiten mit 5 % zu verzinsen.
Die Urkunde von 1435 trug gleich drei Siegel, nämlich das des Pfalzgrafen Johann, das des Abtes Heinrich vom Kloster Sankt Aegyd zu Nürnberg und das der Stadt Auerbach. Schließ­lich erfolgte 1436 noch die Bestätigung durch den Bamberger Bischof Anton.
Zu gleicher Zeit wie in Auerbach entstanden auch in anderen größeren Orten Prädi­katurstif­tungen. Die Prädikanten oder Prediger von Auerbach huldigten stets etwas freieren Auffassun­gen als der jeweilige Pfarrer, und kamen deshalb öfter mit diesen in Konflikt. Die Bürgerschaft stand wohl immer eher auf der Seite des Predigers, der häufig auch in bürgerlichen Angele­genheiten ihr Vertrauter war.
Mit diesem Benefizium war eine Reihe von Pflichten verbunden:
    1. Der Prediger soll wöchentlich in der Pfarrkirche auf dem Barbaraaltar
        drei Messen le­sen.
    2. Er musste jeden Sonn- und Festtag eine Predigt halten, dazu in der
        Fastenzeit jeden Montag, Mittwoch und Freitag und im Advent jeden Freitag.
        Die Uhrzei­ten wurden von Pfarrer und Magistrat festgelegt.
    3. Er musste öffentlich von der Kanzel der Stifter und Wohltäter
        des Benefiziums mit ei­nem frommen Gebete gedenken.
Die Prädikatur war reich mit Gütern und Abgaben ausgestattet und der Prediger der angese­henste aller Benefiziaten. Dementsprechend war auch sein Haus, die Num­mer 53, heute Pfarr­straße 30, ein repräsentatives Gebäude.

Nach dem Tod des letzten Predigers Magister Heinrich Wiedemann im Jahre 1625 - die Prädikatur hatte die Reformation überdauert - ging dieses Haus in den Besitz der Pfarrei über, ehe 1842 die Stadt aus seinen Trümmern die noch heute erhaltene Fronfeste mit der Ge­richtsdienerwohnung baute.
Nach einer gründlichen und aufwändigen Sanierung dient dieses Haus seit 2002 Geschäfts- und Wohnzwecken.

Die Michaelismesse
Hanns Stromer am Bach, Erhart Kraus, Elisabeth Kraus und Hanns Hammer stifteten dieses Messbenefizium 1498, Erhart Kraus war selber Priester und auch der erste Inhaber davon.
Auch dieser Benefiziat hatte wie seine Kollegen ein eigenes Haus in der heutigen Kirchstraße, dazu u.a. ewige Zinseinkünfte von mehreren Anwesen in Hartenstein, Altzirkendorf und Penzenreuth. Der Michlsmesser musste aber auch z.B. im Winter ein Viertl Korn zu Brot verbacken und dieses an die Armen verteilen, und jedem Schüler der Lateinschule zu Allerheiligen einen Pfennig geben.
Nach knapp 50 Jahren erlosch die Michaelismesse 1547 wieder.

Zusammenfassend meint Neubig: "So herrschte, ehe die Reformation kam, in unse­rer Pfarrkir­che, wie in einem großen erzbischöflichen Dom, ein fast beständiger und der lebendigste Got­tesdienst. Denn außer den Stiftsmessen der Benefiziaten hatte auch der Pfarrer täglich das hei­lige Opfer der Erlösung zu feiern - alles nach einer bestimmten Zeit und Meßordnung. Zudem waren täglich die Früh- und Nachmittags­andachten mit Chorsingen, Beten und Vespern usw. in der Pfarrkirche vorgeschrie­ben, denen die sämtlichen sieben Benefiziaten beiwohnen muß­ten, weil sie ohnehin keine pfarrlichen Verrichtungen und Rechte hatten." (S. 64)

verwendete Quellen

1 Neubig, Johannes, Auerbach, die ehemalige Kreis- und Landgerichts-Stadt in der Oberpfalz, Auerbach 1839
2 http://www.kathpedia.com/index.php?title=Benefizium 

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 21. Februar 2014

Praetorius, Michael (1571/72 - 1621)
Vater unser im Himmelreich

Für Ergänzungen, Korrekturen usw.
bin ich sehr dankbar.
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