Pinzigberg
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Joachim Kardinal  Meisner
zelebrierte Pontifikalamt

Anlässlich eines Besuches bei den Schulschwestern von Unserer Lieben Frau im Mutterhaus Auerbach zelebrierte Joachim Kardinal Meisner aus Köln am Sonntag, den 22. Mai 2011, einen feierlichen Gottesdienst auf dem Pinzigberg. Dabei hielt der Kardinal eine bemerkenswerte Ansprache.

Mit Kardinal Meisner zelebrierten dessen Sekretär Msgr. Oliver Boss, Pfarrer Albert Werner (Mutterhaus), Diakon Georg Paszek (Schlüsselfeld; links) und der Auerbacher Dekan P. Dominik Sobolewski, CR (rechts). 

Kardinal Meisner war der bisher "ranghöchste" kirchliche Würdenträger, der je auf dem Pinzigberg Gottesdienst feierte. "Toppen" könnte das jetzt nur mehr ein Papstbesuch ...

Der Titel „Kardinal“ kann vom Papst verdienten Männern der katholischen Kirche verliehen werden. Aufgabe eines Kardinals ist u.a. die besondere Beratung des Papstes bei der Leitung der Weltkirche mit derzeit knapp 1,2 Milliarden Katholiken. Kardinäle, die das achtzigste Lebensjahr noch nicht vollendet haben, wählen nach dem Tod eines Papstes im sog. Konklave seinen Nachfolger. Weltweit gibt es derzeit 198 Kardinäle, von denen 115 wahlberechtigt sind.

Meisner ist einer der acht Kardinäle,
die aus Deutschland stammen:
(alphabetisch; in Klammer das Geburtsjahr)
Brandmüller (1929), Cordes (1934),
Kasper (1933), Lehmann (1936), Marx (1953),
Meisner (1933; Foto links),
Sterzinsky (1936) und Wetter (1928).

Mehr zum Thema Kardinal findet man z.B. auf der Internetseite des Vatikans; dort steht z.B. auch die aktuelle Liste der Kardinäle.

Die Maria-Hilf-Kapelle auf dem
Pinzigberg
 Ein Wallfahrtskirchlein mit großer Vergangenheit

Errichtung vor 300 Jahren nach einem Gelübde

 

„Bei der ausstrahlenden Anziehungskraft unserer großen und weltbekannten Wallfahrtsorte geraten unsere bescheidenen Gnadenstätten oft in Vergessenheit. Sie müssen sich mit einem stillen zweiten Rang zufrieden geben. Und doch sind die Tröstungen, die himmlischen Gnadenerweise, die vor unseren einheimischen Heiligtümern erfleht wurden, gleich groß und wertvoll. Wo das Fußvolk der Glaubensgemeinde leicht und schnell den Weg zu einer Himmelspforte finden kann, dort werden ungezählte Männer und Frauen Erhörung ihrer Bitten und Kraft für die Nöte des Lebens erhalten, ohne den Unbilden weiter Reisen ausgesetzt zu sein.“ Mit diesen Worten drückte der Auerbacher Ehrenbürger und Heimatkundler Hubert Anders (1902-1986) in einem Zeitungsartikel (1)  aus dem Jahre 1968 recht gut die Bedeutung der Kapelle auf dem Pinzigberg aus, denn ein solcher eher stiller Gnadenort ist auch die dortige Maria-Hilf-Kapelle.
Sie liegt etwa 3 km nördlich der Auerbacher Pfarrkirche St. Johannes der Täufer auf der Spitze des 541 m hohen Pinzigbergs (Marktplatz Auerbach 435 m NN).

Höhenangaben der Gegend zum Vergleich: der Auerbacher Gottvaterberg (+550 m NN), der Obere Marktplatz in Auerbach (Höhenmarke am Rathaus + 431 m NN), der Zipser Berg bei Pegnitz (+ 549 m NN), der Geißberg oder Grünberg (+587 m NN) und die Gugelplatte (+ 537 m NN) (beide bei Zogenreuth), der Ossinger bei Königstein (+ 651 m NN), der Kütschenrain (+643 m NN) bei Thurndorf (Markt Kirchenthumbach), der Rauhe Kulm (+682 m NN) bei Neustadt am Kulm, das Kloster Michelfeld (+ 406 m NN)

Die Kapelle auf dem Pinzigberg ist entweder von Degelsdorf aus über den Kreuzweg oder von Ohrenbach aus über einen Feldweg (von Auerbach her kommend unmittelbar vor Ohrenbach nach rechts abbiegen) erreichbar. Auf letzterem Weg kann man mit dem Auto bis zu einem Parkplatz ziemlich nahe an die Kapelle heranfahren, was gerade auch für Gehbehinderte vorteilhaft ist.

Durch die bunten Glasfenster der Pinzgbergkapelle bedingt empfängt den Besucher des Gotteshauses ein angenehmes Licht.

Erste Errichtung nach einem Gelübde
Das erste Kirchlein auf der Anhöhe des Pinzigbergs wurde bereits im Jahre 1708 errichtet, und zwar von einem Bauern aus dem nahen Dorfe Krottensee (heute Ortsteil der Marktgemeinde Neuhaus). Dieser hatte sich während einer Schlacht des „Spanischen Erbfolgekrieges“ (1701-1714), die am 24. Mai 1703 bei seinem Dorfe geführt wurde, aus Angst um sein Leben in einem Backofen versteckt. In seiner Todesbedrängnis gelobte er, der Muttergottes auf dem Berg, den er durch eine kleine Öffnung sehen konnte - es war dies der Pinzigberg -, eine Kapelle zu erbauen, falls er mit dem Leben davonkäme.
Fünf Jahre später, eben 1708, erfüllte der Krottenseer Bauer sein Versprechen und ließ auf dem Pinzigberg ein kleines Kirchlein errichten. Bald kamen die Menschen, vor allem der näheren Umgebung, in Scharen zu dem Heiligtum, das die vielen Beter sicher nicht fassen konnte.

Abriss in der „Aufklärung“
Kurz vor der Einhundertjahrfeier der ersten Pinzigbergkapelle, eines echten Zeichens der Volksfrömmigkeit, kam ihr jähes Ende. Anfang 1804 ordnete die kurfürstliche Kirchendeputation Amberg in einem Schreiben an die Landrichter an, eine Aufstellung aller in den Pfarreien ihres Amtsbereiches liegenden „überflüssigen und daher zu zerstörenden Feldkirchen und Kapellen“ zu erstellen. Am 7. März 1804 befahl dann die Amberger Regierung den „ungesäumten Abbruch sämtlicher Kapellen, welche nicht ordentlich konsekriert sind“. (2) Diese recht merkwürdige Anordnung im Zeitalter der „Aufklärung“ war sicher auch mit dazu bestimmt, um im Volke wurzelnde Gefühlswerte, die irgendwie der Kirche dienlich sein könnten, auszulöschen. Der Abbruch von Feldkapellen ging eng einher mit der Säkularisation, infolge der z.B. auch das uralte, 1119 von Bischof Otto dem Heiligen gegründete Benediktinerkloster Michelfeld endgültig aufgelöst wurde.
In Bayern war zu dieser Zeit übrigens Maximilian Graf von Montgelas „geheimer Staats- und Konferenzminister für die Innen- und Außenpolitik“, ein zwar intelligenter und fähiger, aber doch sehr liberaler Politiker, der den kirchlichen Belangen nicht gerade freundlich gegenüberstand. Der mächtige Montgelas setzte durch Vollzug des Reichsdeputationshauptschlusses von 1803 im gesamten bayerischen Gebiet mit zum Teil drastischen Mitteln konsequent die Säkularisation und die Mediatisierung durch.
Der Auerbacher Bürgermeister Schmaus konnte schon am 9. Mai 1804 an das Landgericht Vollzugsmeldung machen: „Im hiesigen Stadtportum
(Anm.: das ist die Umgebung der Stadt) haben sich 11 unkonsekrierte Kapellen befunden. Die Verwüstung und Zerstörung dieser Kapellen ist durch abgeordnete Maurermeister und -gesellen vor sich gegangen. Die Materialien sind bei jeder Kapelle zusammengeschlichtet worden, sie werden zu dem vorhabenden Knabenschulerweiterungsbau verwendet.“ (3)
Neben vielen anderen Kirchen und Kapellen unserer Heimat fiel so auch die Pinzigbergkapelle dieser staatlichen Anordnung zum Opfer. Sie wurde vollkommen abgerissen, die Steine wurden weggeschleppt und anderweitig zum Bauen verwendet; das alte Gnadenbild aber kam an einen unbekannten Ort. Seiner weithin sichtbaren Zierde beraubt stand der Pinzigberg nun zunächst einige Jahre öd und verlassen da.

Neubau nach Hungersnot
Wie über 100 Jahre zuvor so war es auch 1818 wiederum menschliche Not, die den Anstoß zur Errichtung einer neuen Gnadenstätte gab. 1817 war ein sehr schlechtes Erntejahr, als dessen Folge eine rasche Verteuerung der Lebensmittel und damit eine Hungersnot besonders auf die minderbemittelten Bevölkerungsschichten zukamen. In dieser Situation erinnerte der fromme Landgerichtsassessor Johann Baptist Greger aus Eschenbach die notleidenden Menschen an die „Helferin der Christen“ und die „Trösterin der Betrübten“, wie er die Gottesmutter nannte, und warb in Aufrufen und Ansprachen für die Wiedererrichtung eines Kirchleins.
Greger versuchte auf jede mögliche Art, Geld- und Sachspenden für sein Vorhaben zusammenzubringen; u. a. ließ er auch folgendes selbstverfasstes Gebet verteilen:

„Maria vor dem Gottesthron
ach bitt für uns bei deinem Sohn.
Sieh an, o Herr, die große Not
und schenk uns unser täglich Brot!
Auf dass die Feldfrücht gut gedeihn
gib Regen, Wind und Sonnenschein.
So stehen wir in Deiner Hand:
Beschütze uns und unser Land!“

Assessor Greger begeisterte weite Teile der Bevölkerung für den Wiederaufbau der Muttergotteskapelle auf dem Pinzigberg, und gerade auch von den ärmeren Leuten kamen viele Spenden. So konnte im Frühjahr 1818 mit dem Bau begonnen werden. Man kann sich leicht vorstellen, dass es sehr mühsam war, die Baumaterialien einschließlich Wasser auf den Bergrücken zu transportieren. Der ursprünglich für „Mariä Geburt“ (8. September) vorgesehene Weihetermin konnte deshalb nicht eingehalten werden.

Feierliche Einweihung
Am 27. September 1818 war es dann endlich so weit. Johannes Neubig schreibt darüber in seiner 1839 gedruckten Chronik „Auerbach, die ehemalige Kreis- und Landgerichtsstadt in der Oberpfalz“: „Nicht nur wieder, auch schöner und größer erhob sich auf dem runden Gipfel des Berges das heilige Gnadenhaus, das so freundlich und zierend auf unsere Stadt und die ganze Gegend hernieder schaut und hinauf zur stillen und seligen Wonne der Andacht selbst den Fremden winkt, die diesen ... Wallfahrtstempel vertrauensvoll besuchend hieher aus weiter Ferne zusammenströmen.“ (4, Seite 58)
Der eigentliche Weihesonntag war sicher ein großes Ereignis für die ganze Gegend. Joseph Köstler (1849-1925) beschreibt es ausführlich. Bestimmt hat ihm, dem großen Chronisten unserer Stadt, sein Vater Joseph Johann (1800-1871), Schulrektor und Chorregent in Auerbach, ausführlich darüber erzählt. „Der Andrang des Volkes war ungeheuer; von mehreren Pfarreien kamen Prozessionen heran und selbst aus der Pfarrei Büchenbach strömten zahlreiche Pilgerinnen herbei, die mit ihrer fränkischen Tracht ... die Versammlung besonders malerisch gestalteten. In der Auerbacher Prozession marschierte auch das Bürgermilitär mit und vermehrte durch seine türkische Musik (Anm.: so bezeichnete man früher auch die Blasmusik), Pauken und Trompeten, den festlichen Glanz. Den Festgottesdienst hielt Dechant Neumüller, als Festprediger fungierte der Kaplan Pößl von Gunzendorf. Nach und schon während der kirchlichen Feier entwickelte sich auf dem Bergrücken ein förmliches Volksfest; zwischen zahlreichen Bierhütten und Wurstbuden wogte ein buntes Völkergemisch. Böller krachten, Glocken klangen und heitere Märsche ertönten seitens der Musikkapelle.“
(3, Seite 103 f)

Das in der Pinzigbergkapelle hängende Ölbild zur feierlichen Einweihung stammt vom Auerbacher Maler Johann Karl (1768-1839). Es zeigt auch, dass der Berg damals im Gegensatz zu heute nahezu unbewaldet war. Zu erkennen ist ebenfalls das ursprüngliche Ausmaß der Kapelle, die zwei Jahre später dann erweitert wurde.

„Das Weihefest“
Unter diesem Titel findet man in der Kapelle über der Tür zur Sakristei eine Schrifttafel (5), auf der Johann Baptist Greger wundersame Ereignisse am Tag der Einweihung in Versform beschreibt;  Die Verse Gregers muten uns heute vielleicht etwas überholt an, doch seien sie zur Erinnerung an den frommen Förderer des Wiederaufbaus hier festgehalten:

„Dort wo der Pinzigberg sein Haupt erhebt aus grauem Nebelmeere,
Ihr Enkel glaubt die Wunder, glaubt die ich zum Heile euch nun lehre.
Ein Kirchlein steht geweiht Marien der Himmlischen. Die Waller ziehen
Von nah und fern zur Mutterzelle um Trost für ihre kranke Seele.
Und hilflos ging noch niemand fort, Maria segnet frommen Glauben.
Doch böser Menschen Rat und Wort, ach wußte diesen Trost zu rauben.
Der Weisheit Wahn verschloss die Schwelle, und nierderriß er die Kapelle.
Allein, dass sie das Herz erfreue, prangt sie erbaut in schöner Neue.
Das Kirchweihfest war nun bestimmt, geschmücket winkt die Bergkapelle.
Mit Freude jedes Herz vernimmt Gebete aus der Wunderzelle.
Und fromm in acht Prozessionen, mit Sang und Glocken und Kanonen,
Wird nun das große Fest begonnen, der frohen Christen heilig Lohnen.
Da stellt ein Sturm entgegen sich mit Feuerswuth und Wasserfluten.
Der Donner rollte fürchterlich. Der Äther schwimmt in Blitzesgluten.
Maria sah der Hölle Tücke. Sie winkte Blitz und Sturm zurücke,
Dass sie die Andacht fromm beginnen, wie aller Hoffnung war und Sinnen.
Und als der Zug zum Berg begann, da plötzlich schwanden Sturm und Regen.
Das Wunder sah nun jedermann, kund war getan Mariens Segen.
Mit neuem herzlichen Vertrauen, die Waller auf zum Himmel schauen,
Wo gnadenvoll Maria thronet, und wahren Glauben liebvoll lohnet.
Und stärker lud man das Geschütz, zu preisen Gott aus Mörsers Munde.
Da drängt der Menschen Aberwitz, sich häufig zu dem Feuerschlunde.
Man wehret ab, schreckt mit Gefahren, doch sie nicht zu belehren waren.
Der Vorwitz bringet nur Verderben, bringt oft den Tod, den bittern, herben.
Wie man gedrohet, ist geschehn! - Der Feuerschlund zersprang in Stücke.
Viel Menschen konnten untergehn durch solches grause Mißgeschicke!
Denn an Fünftausend waren nahe. - Doch keinem etwas Leids geschahe.
Maria half. Von ihr bewahret, der Tod umsonst auf Opfer harret.
Zwei Wunder schützten vor Gefahr, die deutlich jedermann erkannte.
Marias Hilf ward offenbar, und jedes Herz zum Dank entbrannte.
Dies Wunder sieht man hier gemalen, es diene zur Erinn'rung allen.
Möget auch Ihr Mariens Huld so kennen. Sie trocknet aller Gläub'gen Tränen."

Das Gnadenbild
Lange Zeit nahm man an, dass das Gnadenbild auf dem Barockaltar erst von 1818 sei und ebenfalls vom Auerbacher Maler Johann Karl stamme. Der Auerbacher Heimatforscher Alfred Graf fand jedoch im Archiv der Stadt Auerbach das Manuskript der Festpredigt des Kaplans Pösl anlässlich der Einweihung 1818. Darin heißt es u. a.: "Allein nicht ohne wundervolle Einwirkung durch die Fürbitten Marias geschah es, dass in den Zeiten der Not geistliche und weltliche Obrigkeit sich vereinigen mussten, um dieses Gnadenbild wieder an seine vorige Stelle hierher zu bringen." (6) Daraus kann man den Schluss ziehen, dass es sich um das ursprüngliche Gnadenbild handelte, das zunächst als verschwunden galt, bei der Neuerrichtung jedoch wieder in die Kapelle auf den Pinzigberg kam. Als Maler käme dann auch der Auerbacher Thomas Wild in Frage, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts zusammen mit Johann Michael Doser mehrere Kirchen und Kapellen ausgestaltete.
Das in jedem Fall alterwürdige Bild ist in seiner Art ganz nahe verwandt mit dem Gnadenbild der Wallfahrtskirche auf dem Amberger Mariahilfberg. Der Urtyp dieser in Bayern und Österreich häufig anzutreffenden Darstellungen der Muttergottes ist das von Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553) um 1530 geschaffene GnadenbildMariahilf“ im Dom St. Jakob in Innsbruck.

Zur Erinnerung an die feierliche Einweihung „seiner“ Pinzigbergkapelle ließ Greger 1832 von Johann Karl den nachfolgenden Kupferstich anfertigen.

Er zeigt eine „Ansicht der Stadt Auerbach gegen Mitternacht“,
also von der Südwestseite her;
links die Pinzigbergkapelle,
rechts das in dieser Form 1805/1806
errichtete Kirchlein auf dem Gottvaterberg.
Maria und das Jesuskind darüber,
gleichsam in den Wolken schwebend,
tragen allerdings im Gegensatz
zum Gnadenbild in der Kapelle  keine Kronen.
Dieses Bildchen war auch
der 1839 erschienen ersten gedruckten Chronik
der Stadt Auerbach (von Johannes Neubig) beigelegt.

Erweiterung 1820
Das am 27. September 1818 durch Dechant Joseph Gabriel Neumüller (1799 bis 1836 Pfarrer in Auerbach) geweihte neue Kirchlein auf dem Pinzigberg hatte wiederum regen Zuspruch seitens der Bevölkerung zu verzeichnen, konnte jedoch nur sehr wenige Gläubige fassen. Aus diesem Grunde wurde das rechteckige, vorne abgerundete Gebäude schon zwei Jahre später durch einen achteckigen Anbau mit einem Glockentürmchen erweitert und das Kirchlein so auf seine heutige Größe gebracht. Der Auerbacher Maurermeister Johann Bauer führte diese Arbeit aus; er hat sich über der Eingangstür mit „1820 JB“ verewigt.
„Der Zulauf zur Mariahilfkapelle war sehr groß und viele Menschen fanden dort, wie die aufgehängten Krücken, Wachsfiguren und Votivtäfelchen sagen, Hilfe in Krankheiten, Unglücksfällen und schweren Anliegen.“ (3, Seite 106)

Stille um den Pinzigberg
Die große Anziehungskraft der Pinzigbergkapelle begann gegen Ende des 19. Jahrhunderts allmählich zu verblassen, nicht zuletzt wohl auch deshalb, weil durch den Ausbau der Verkehrswege, durch die Ausbreitung der Motorisierung und vor allem durch die Eisenbahn fromme Pilger nunmehr leichter zu den großen und bekannteren Wallfahrtsorten unserer näheren und weiteren Heimat gelangen konnten.

Doch auch im 20. Jahrhundert
gab es und noch heute gibt es
immer wieder Verehrer und Förderer
der Pinzigbergkapelle.
So verdanken wir z.B. dem
verstorbenen Auerbacher Bürger
Georg Müller („Strumpfwirker“)
das schöne Marienbild (1,8x1,2 m),
das uns beim Eintritt in das Gotteshaus
an der gegenüberliegenden Wand
begrüßt; der Regensburger
Kunstmaler Erwin Schöppl
hat es 1941 gefertigt.
Ein weiteres Exemplar dieses
ausdrucksstarken Marienbildes  hängt
im Mutterhaus der Schulschwestern
in Auerbach.

Pfarrer Ritter und der Pinzigberg
Nach der Errettung aus der Kriegsnot 1708 und der Hungersnot 1818 trat das Pinzigbergkirchlein auch in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges im April 1945 erneut als Ort der Hilfe in Erscheinung. Johann Ritter (1899-1986), seit 1. November 1938 Stadtpfarrer in Auerbach, schrieb dazu in seinem „Pfarrbrief“ vom Mai 1963: „Immer näher rückte die Front. Und am Ende des Krieges kam auch die Bedrohung für Auerbach. Als Eingangstor zum Exerzierplatz (Anm.: gemeint ist der Truppenübungsplatz Grafenwöhr) sollte die Stadt verteidigt werden. Zum Glück wurde dieser Befehl nicht ausgeführt. Ein paar Tage vor Kriegsende kam die SS nach Auerbach, hat Munition im Mädchenschulhaus - jetzt Bäckerei Bock (Anm.: ehemaliges Landgericht) - gelagert, während ein feindlicher Flieger darüber flog. Man erwartete die Bombardierung, die aber ausblieb. In diesen Tagen ging ich zum Pinzigberg hinauf, sah, wie mehrere Häuser von Nasnitz in Brand geschossen wurden; da machte ich das Gelübde: Wenn Auerbach verschont bleibt, dann will ich dafür sorgen, dass ein Kreuzweg errichtet wird. ... Der Kreuzweg zum Pinzigberg soll eine dankbare Erinnerung an diese schwere, glücklich überstandene Zeit sein, soll aber auch eine Mahnung sein, im eigenen Kreuz und Leid fest auf Gott zu vertrauen und in der Tat zu befolgen, was die schönen Verse auf den einzelnen Stationen uns sagen." (7)
In den ersten Nachkriegsjahren wurden die Kreuzwegstationen aus einheimischem Kalksandstein, der bei Eibenstock (heute im Truppenübungsplatz Grafenwöhr, bei Zogenreuth) von Hand gebrochen wurde, gemauert (Firma Bühl). Der Münchner Künstler Heinrich Dirmaier, der schon 1944 die Decke im Chorraum der Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer, in der Magdalenenkapelle Ranna und in der Pinzigbergkapelle ausgemalt hatte, gestaltete die einzelnen Stationen mit Mosaikbildern eindrucksvoll aus.

An den Rückseiten der einzelnen Stationen sind Gedenktafeln angebracht, die fast ausnahmslos an Gefallene und Vermisste des 2. Weltkrieges erinnern. Zum Teil pflegen und schmücken deren Angehörige die jeweilige Station noch heute liebevoll.

Der schlichte und doch tiefgehende Text des Kreuzweges stammt von Kardinal Michael von Faulhaber (1869-1952).

Die feierliche Einweihung der Kreuzwegstationen zum Pinzigberg durch Pfarrer Johann Ritter und den Franziskanerpater Josef fand am Sonntag, den 1. Mai 1949, unter Beteiligung zahlreicher Gläubiger aus Auerbach und den umliegenden Orten statt.

1985, 1989 und zuletzt 2002 wurden die Kreuzwegstationen auf den Pinzigberg mit großem Kostenaufwand gründlich renoviert und konserviert.

Johann Ritter,
der am 18. Oktober 1986
im 48. Jahr segenreichen Wirkens
als Stadtpfarrer von Auerbach starb,
war bis zu seinem Tode
ein glühender Verehrer der Gottesmutter
auf dem Pinzigberg.
Er hat auch die Lichterprozession
an Maria Himmelfahrt (15. August)
eingeführt.
(Foto um 1950)

Alte Votivbilder wieder gefunden
1996 machte man in der Pinzigbergkapelle bei Ausbesserungsarbeiten an einer Stufe der hölzernen Treppe zur Empore einen unerwarteten Fund. Einem der Arbeiter fiel aus Versehen ein Werkzeug aus der Hand und verschwand in einem Loch. Als er es aus der Versenkung wieder herausholte, staunte er nicht schlecht, denn zum Vorschein kamen 23 verstaubte Votivbilder. Ältere Verehrer des Pinzigbergs hatten zwar immer wieder vom früheren Vorhandensein solcher Zeichen der Dankbarkeit für erwiesene Hilfe erzählt, doch bei den sehr gründlichen Renovierungsarbeiten der letzten Jahre hatte man nicht Derartiges entdecken können. Umso erfreuter waren die „Freunde des Pinzigberges“ über diesen Fund.

Die ältesten dieser
Votivbilder stammen
aus der Zeit der
Wiedererrichtung
der Kapelle
im Jahre 1818
und der Erweiterung 1820.
Einige zeigen
Körperteile oder
Sinnesorgane,
auf die sich
die Gebetserhörung
wohl bezog.
"Ex voto" (lat.)
bedeutet so viel wie
"nach einem Gelübde",
und bringt den
Dank für erhaltene Hilfe
zum Ausdruck.

Die wieder aufgefundenen Votivbilder wurden in der Zwischenzeit fachmännisch restauriert und in der Pinzigbergkapelle auf zwei großen Tafeln zusammengefasst aufgehängt. Dort künden sie von der Frömmigkeit unserer Vorfahren und der traditionellen Beliebtheit dieses einheimischen Marienheiligtums.
Votivbilder und Votivgaben findet man in allen Wallfahrtsorten, z.B. auch in Altötting

Der Pinzigberg heute
„Es ist ein eigenartiges Wesen um dieses Gotteshaus. Immer wieder sind es Zeiten härtester Not, in denen das Bergkirchlein zum Mittelpunkt von Gebet und Opfer wird. Kriegszeiten begründeten (1708) seine Entstehung, Hungerszeiten (1818) brachten seine Wiederaufrichtung und wiederum waren es ernste Gefahren einer totalen Vernichtung unserer Heimat, die am Ende des 2. Weltkrieges den Berg und seine Kirche zur letzten Zuflucht werden ließ.“ So schrieb Hubert Anders 1968. (1)
In unseren Tagen mag es zunächst nicht augenfällige Not oder Bedrängnis sein - oder vielleicht doch? -, die eine Reihe von frommen Idealisten veranlasste, in vielen freiwilligen Arbeitsstunden Hand anzulegen.
So wurden z.B. 1986 die Kirchenbänke gründlich renoviert, 1987 der Stromanschluss, eine Zufahrt von Ohrenbach her und einige Parkplätze erstellt.

Wie früher vor allem die Landwirte der umliegenden Dörfer, wie Ohrenbach, Reichenbach, Gunzendorf  und Steinamwasser, an der Kapelle Hand- und Spanndienste mit Ochs bzw. Pferd leisteten, beteiligten sich auch jetzt zahlreiche Freiwillige aus diesen Ortschaften mit ihren Traktoren und Maschinen.

1988 wurden der Altar
und alle Bilder restauriert,
wobei hier neben den
zahlreichen freiwilligen Helfern auch
sachkundige Fachleute
im Einsatz waren.

1993 mussten das gesamte Dachgebälk saniert, der Turm völlig erneuert und das ganze Dach neu eingedeckt werden.

(vorstehende vier Fotos stammen aus einem privaten Archiv)

Auch die Außenanlage erfuhr in den letzen Jahren eine zweckmäßige und ansprechende Neugestaltung.
Kleinere und auch größere Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen werden praktisch in jedem Jahr von den "Pinzigbergfreunden" in selbstloser und ehrenamtlicher Arbeit durchgeführt.

So wird das Pinzigbergkirchlein auch künftigen Generationen von Besuchern, insbesondere von Betern, offen stehen, und damit  die Gottesmutter auch weiterhin von hier aus ihren Schutz und Segen auf unsere Heimat ausgießen können.

Gebe Gott,
dass, wie es im Pinzigberg-Lied (8) heißt,
„in unserm Kirchlein auf dem Pinzigberge
Mariens Lob
niemals ersterbe“! 

verwendete Quellen

1 Anders, Hubert, Auerbach: Heiligtum feiert Jubiläum, in Der neue Tag, 30.9.1968
2 Amberger Wochenblatt 1804, Seite 281
3 Köstler, Joseph, Die Pinzigbergkapelle, Band V seiner 27-bändigen handgeschriebenen Chronik der Stadt Auerbach, Lagerort Rathaus Auerbach
4 Neubig, Johannes, Auerbach, die ehemalige Kreis- und Landgerichtsstadt in der Oberpfalz, 1839
5 Schrifttafel in der Kapelle auf dem Pinzigberg
6 Graf, Alfred, Viel älter als lange Zeit gedacht - Marienbild ziert 300 Jahre den Altar, in Nordbayerischer Kurier, 14. August 2008
7 Ritter, Johann, Pfarrbrief 1963
8 Höllerer, Anna, Pinzigberglied, um 1950
9 Weber, Rudolf, 300 Jahre Maria-Hilf-Kapelle auf dem Pinzigberg bei Auerbach, Auerbach 2008

"Ave Maria zart", von Johann Georg Braun, 1675

letzte Bearbeitung dieses Artikels am 22. Mai 2011

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